Es muss eine interessante Besprechung gewesen sein, bei der die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten am Mittwoch auch über Lockerungen der Russland-Sanktionen auf Erdöl gesprochen haben. Sechs der sieben Teilnehmenden hätten "sehr klar gesagt", dass sie eine Aufhebung von Sanktionen falsch fänden. Das sagt der deutsche Regierungssprecher Sebastian Hille am Freitag in Berlin.
USA lockern vorerst Sanktionen auf russisches Erdöl
Kurz nach dem Austausch hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mitgeteilt: Die G7-Staaten hätten eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs in der Ukraine ausgeschlossen. Nur: Der siebte Teilnehmer war US-Präsident Donald Trump.
Gut einen Tag nach der G7-Besprechung verkündet US-Finanzminister Scott Bessent: Die USA erlauben anderen Ländern, zeitweise russisches Erdöl zu kaufen, das sich bereits auf Schiffen befindet. Gelten soll diese befristete Ausnahme vorerst vier Wochen lang, bis zum 11. April. Die Maßnahme soll helfen, die wegen des Iran-Kriegs angespannte Weltmarktlage zu verbessern. Bessent behauptet, Russland werde von dieser "eng gefassten" Ausnahme finanziell nicht in bedeutender Weise profitieren.
Bundeskanzler Merz kritisiert Entscheidung der USA
Die Bundesregierung kritisiert den Schritt. "Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch", sagt Kanzler Friedrich Merz (CDU) bei einer Pressekonferenz mit Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre auf der Insel Andoya. "Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass das nicht das richtige Signal ist."
Es gebe auf dem Ölmarkt ein Preisproblem und kein Mengenproblem, betont Regierungssprecher Hille in Berlin. Ziel der Bundesregierung bleibe, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und das Land zu ernsthaften Verhandlungen um ein Ende des Kriegs in der Ukraine zu bewegen. Die Entscheidung der USA müsse man "zur Kenntnis nehmen".
Auch die Regierung von Großbritannien kritisiert den Schritt, EU-Ratspräsident António Costa nennt die US-Entscheidung "sehr besorgniserregend". In Deutschland gibt es aber auch Zuspruch: AfD und BSW fordern weiter auch hierzulande die Wiederaufnahme des Bezugs von russischem Öl.
Erdöl: Russland freut sich über Trumps Lockerung
Erfreut zur Kenntnis nimmt man die Entscheidung der USA in Russland. "Ohne russisches Öl kann der globale Energiemarkt nicht stabil bleiben", schreibt der Kreml-Gesandte Kirill Dmitrijew bei Telegram. Er war in dieser Woche für Wirtschaftsgespräche in den USA. Laut ihm geht es bei den jetzt gelockerten US-Sanktionen um 100 Millionen Barrel Erdöl. Zur Einordnung: Das entspricht ungefähr dem weltweiten Verbrauch an einem Tag.
Russlands Präsident Wladimir Putin ist für seinen (teuren) Angriffskrieg in der Ukraine auf das Öl-Geschäft angewiesen. Die jahrelangen Sanktionen von USA und EU haben die Lage für Russland erschwert, das Land verkauft aber weiter weltweit große Mengen Erdöl. Der Kreml hofft auf weitere Lockerungen – und will Trump schmeicheln. Kremlsprecher Dmitri Peskow zufolge decken sich die Interessen der USA und Russlands mit Blick auf stabilere Energiemärkte.
Diplomat Heusgen: Trumps "Rettungsring" für Putin
"Das ist eine katastrophale Entscheidung", sagt Christoph Heusgen, der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, im Gespräch mit dem BR-Hauptstadtstudio. Der Schritt helfe demjenigen, "der gerade Krieg in Europa führt". US-Präsident Trump befürchte, dass der Angriff auf den Iran auch negative Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft habe. Eine solche Entscheidung treffe Trump dann "einfach so" – ohne Rücksicht auf internationales Recht und die Interessen von Partnern.
Eigentlich habe sich die wirtschaftliche Lage Russlands zuletzt immer mehr verschlechtert, sagt Heusgen. "Sie haben kein Wirtschaftswachstum, das Vermögen ist aufgebraucht, sie haben gelitten unter dem niedrigen Ölpreis." Jetzt aber werfe Trump Putin "sozusagen einen Rettungsring hin". Ganz überraschend kommt das für den erfahrenen Diplomaten nicht: "Es ist so, dass Trump und Putin schon immer ein besonderes Verhältnis hatten."
Straße von Hormus ist weiter für Tanker nicht passierbar
Problematisch ist für den Erdöl-Weltmarkt, dass die Straße von Hormus seit Beginn des Iran-Kriegs für die meisten Handels‑ und Tankschiffe unpassierbar ist. Damit verlässt seit zwei Wochen kaum noch Öl die Golfregion, deren Länder eigentlich für rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls verantwortlich sind.
US-Präsident Trump hat mehrmals ins Spiel gebracht, dass Schiffe der US-Marine Tanker aus dem Golf eskortieren könnten – bislang ist es wegen möglicher iranischer Angriffe und der unübersichtlichen militärischen Lage aber nicht dazu gekommen.
Im Video: BR24live - Crasht der Iran-Krieg unsere Wirtschaft? (10.03.26)
Angriff auf den Iran
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