ARCHIV - 14.07.2026, Iran, Teheran: Eine Frau hält ein Plakat des iranischen Obersten Führers Ajatollah Modschtaba Chamenei bei einer Gedenkfeier für den verstorbenen iranischen Obersten Führers Chamenei in der Großmoschee "Imam-Khomeini-Mosalla".
ARCHIV - 14.07.2026, Iran, Teheran: Eine Frau hält ein Plakat des iranischen Obersten Führers Ajatollah Modschtaba Chamenei bei einer Gedenkfeier für den verstorbenen iranischen Obersten Führers Chamenei in der Großmoschee "Imam-Khomeini-Mosalla".
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Das Regime im Iran ist zu keinen Kompromissen bereit. Aber wer hat dort eigentlich die Macht?
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Keine Kompromisse: Wer hat die Macht in Iran?

Keine Kompromisse: Wer hat die Macht in Iran?

Die USA bombardieren Irans Infrastruktur. Das Regime ist zu keinen Kompromissen bereit. Aber wer hat dort eigentlich die Macht? Im BR-Podcast "Kaffee, extra schwarz" sprechen der Autor Ahmad Mansour und der Journalist Oliver Mayer-Rüth darüber.

Über dieses Thema berichtet: Kaffee, extra schwarz. Der Podcast mit Mansour und Mayer-Rüth am .

Führt der vor wenigen Monaten zum obersten Führer ernannte Mojtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ayatollahs Ali Chamenei, das Regime an? Beobachter haben Zweifel.

Autor Sadrzadeh: Mafianetzwerke kontrollieren Iran

Es handle sich um Mafianetzwerke, bestehend aus Führungspersonen der berüchtigten Revolutionsgarde, die das Land politisch kontrollieren, sagt der iranisch-stämmige Sachbuchautor Ali Sadrzadeh im BR24-Interview. Die Garde habe über Jahrzehnte hinweg ihren Einfluss auf die iranische Wirtschaft ausgebaut und profitiert vom Öl- und Gas-Export.

Djir-Sarai: Mojtaba Chamenei nicht in der Lage, den Staat zu steuern

Auch Bijan Djir-Sarai, iranischstämmiger FDP-Politiker, langjähriges Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag und ehemaliger Generalsekretär der Partei, bezweifelt im BR-Podcast Kaffee, extra schwarz, dass Mojtaba Chamenei sowohl in militärischen, aber auch in diplomatischen Fragen das letzte Wort hat. Es heißt, er sei durch einen Angriff schwer verletzt worden. Die Frage, ob Mojtaba lebt, könne man derzeit nicht beantworten. Vielleicht lebt er noch, so Djir-Sarai. Er sei aber nicht in der Lage, den Staat zu steuern. Die Konsequenz: Die Revolutionsgarden hätten an Macht gewonnen.

"Klerus hat Einfluss verloren"

Gleichzeitig habe der religiöse Klerus seinen politischen Einfluss verloren, erklärt Ali Sadrzadeh. Man sehe die Mullahs kaum noch relevante, systemstützende Reden oder Predigten im iranischen Fernsehen halten.

"Keine moderaten Kräfte mehr in der iranischen Spitze"

Seitdem das iranische Regime das Waffenstillstands-Abkommen mit den USA ausgesetzt hat, kann US-Präsident Donald Trump auch aufgrund der komplizierten inneriranischen Gemengelage kaum noch auf Diplomatie hoffen. Vorerst sprechen die Waffen. Insbesondere sei es ein Irrglaube, dass es unter den relevanten Figuren der iranischen Führung moderate Kräfte geben würde, so Djir-Sarai. Es heißt zwar immer wieder, Parlamentssprecher Mohammad Ghalibaf oder Außenminister Abbas Araghtschi seien bis vor kurzem verhandlungsbereit gewesen. Immerhin hat Ghalibaf eine mehr als 70-köpfige Delegation bei den Waffenstillstands-Verhandlungen in Pakistan angeführt. Tatsächlich sei es jedoch nur um Machterhalt gegangen. Das gemeinsame Ziel aller Revolutionsgarden sei die Stabilisierung der islamischen Republik, analysiert Djir-Sarai.

"Iran hat sich auf Krieg über Jahrzehnte hinweg vorbereitet"

Das bestehende System sei so von langer Hand geplant worden, sind sich Sadrzadeh und Djir-Sarai einig. Man habe sich seit Jahrzehnten auf den Angriff der USA vorbereitet und auch auf Trumps Versuch einen Regimewechsel herbeizuführen. Deshalb gebe es jetzt die Möglichkeit, jede Führungsperson, die getötet wird, umgehend zu ersetzen. Laut Sadrzadeh habe Ali Chamenei fünf Monate vor seinem Tod eine Rede gehalten, in der er Kommandanten der Revolutionsgarden zu regionaler Selbstständigkeit aufgefordert hat. So könnten nun militärische Führer unabhängig voneinander Angriffe gegen die USA und deren Verbündete durchführen.

"Führende Revolutionsgarden halten sich versteckt"

Viele hochrangige Gardisten halten sich versteckt und vermeiden aus Sicherheitsgründen die Kommunikation mit Mobiltelefonen oder über das Internet. Die Angst ist groß, dass Israel Regimeangehörige aufgrund seines technologischen Vorsprungs sehr schnell orten kann.

"Hormus-Sperrung ist Waffe"

Die Straße von Hormus ist das Faustpfand des Regimes, denn durch die Meerenge wird ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels transportiert. Daher rechnen Sadrzadeh und Djir-Sarai nicht mit zeitnahen Waffenstillstands-Verhandlungen. Sadrzadeh spricht sogar bei der gesperrten Meerenge von einer Waffe, um die Welt zu erpressen und zitiert Mohsen Rezai, den ersten Kommandanten der Revolutionsgarden. Dieser habe gesagt, die Straße von Hormus sei genauso viel wert wie zehn Atombomben.

Regime in der Sackgasse?

Das sei zwar für US-Präsident Trump eine echte Herausforderung, aber auch für das Regime. Trump lässt seit mehreren Tagen iranische Straßen und Brücken, die zum Persischen Golf führen, angreifen. Offenbar will er die Revolutionsgarde zermürben, damit diese die Straße von Hormus freigibt. Eine von Teheran kontrollierte Meerenge scheint für Washington keine Option. Das iranische Regime befinde sich in einer Sackgasse, warnt Sadrzadeh. Die Bombardierungen schaden der von der Revolutionsgarde zu großen Teilen kontrollierten iranischen Wirtschaft. Wenn sich durch die US-Angriffe die Einnahmen der Revolutionsgarde deutlich reduzieren, so dass die Führung ihre Truppen nicht mehr angemessen vergüten kann, könnte das die bisherige Geschlossenheit der in vielen Ländern als Terrororganisation eingestuften Miliz unter Druck setzen.

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