Auf einem Smartphone-Bildschirm sind mehrere KI-Anwendungen zu sehen, darunter ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity, Microsoft Copilot, Meta AI, Grok und DeepSeek.
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KI im Journalismus: Wo beginnt der Betrug am Publikum?
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KI im Journalismus: Wo beginnt der Betrug am Publikum?

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KI im Journalismus: Wo beginnt der Betrug am Publikum?

Ein Leitartikler, der heimlich mit KI schreibt, ein Ministerpräsident mit KI-Rede, ein Verlagshauschef, der auf 100 Prozent KI setzt: Der Streit um ChatGPT & Co. hat den Kern des Journalismus erreicht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Medien am .

Auslöser der aktuellen Debatte ist unter anderem der Tagesspiegel. Die Zeitung trennt sich vorerst von ihrem langjährigen Autor und Herausgeber Stephan Andreas Casdorff – weil dieser über einen längeren Zeitraum Kommentare und Leitartikel heimlich mit KI verfasst haben soll. Casdorff werde seine publizistischen Aktivitäten beim Tagesspiegel vorerst und bis auf Weiteres pausieren, so Chefredakteur Christian Tretbar.

Das Problem sei nicht der Einsatz der Technik an sich, sondern "die Dimension des Geschehens": mehrere Meinungs- und Leitartikel, teils vollständig KI-generiert – ohne Wissen der Redaktion. "Das ist ein Verstoß gegen unsere internen KI-Richtlinien und etwas, was wir so nicht hinnehmen können", so Tretbar. Denn es gebe einen "Wesenskern von Journalismus", den KI "entweder nicht kann oder nicht machen sollte".

Döpfners Gegenposition: "KI ist der moderne Ghostwriter"

Auslöser war aber eben nicht nur Casdorff, sondern auch die FAZ. Sie hatte kurz zuvor einen Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) gelöscht, nachdem eine KI-Erkennungssoftware angeschlagen hatte.

Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner ließ eine Replik auf das Vorgehen der FAZ komplett von Googles KI Gemini schreiben – und nannte KI den "modernen Ghostwriter". Kritiker verglich er mit einer "Postkutschenlobby".

"Wenn man die Nutzung von KI pauschal als etwas Gefährliches, als Teufelszeug brandmarkt", erinnere ihn das an die Anfänge der Eisenbahn", so Döpfner bei Welt Fernsehen. KI sei eine "Intelligenz, die wir Menschen nutzen können, um menschliche Intelligenz besser zu machen, um Journalismus besser zu machen, vielleicht sogar um Politik besser zu machen".

Tagesspiegel-Chefredakteur Tretbar will den Konflikt nicht auf Technikbegeisterte gegen Technikverweigerer verkürzt sehen: "Es hilft uns nur nicht zu sagen, hier sind die Holzköpfe von gestern und dort ist die Speerspitze der KI-Bewegung, das ist Quatsch."

Medienethikerin Heesen: Demokratie braucht echte Stimmen

Für Medienethikerin Jessica Heesen von der Universität Tübingen ist der Kern ein anderer: In der Demokratie gehe es darum, dass Menschen miteinander aushandeln, wie sie leben wollen. "Wir können unsere öffentliche Meinungsbildung nicht bestreiten mit künstlicher Intelligenz", sagt sie. "Das sollten wir nicht den Maschinen überlassen."

Heesen warnt vor einer Logik, in der KI nicht nur Inhalte produziert, sondern auch wiederverwertet: "Wenn KI Texte produziert, die dann wiederum von KI ausgelesen werden, das sind Zusammenhänge, die wollen wir nicht sehen." Deshalb brauche es Kennzeichnungen von KI-Texten – für Menschen und für Maschinen.

Die jüngere Zielgruppe hält sie nicht für gleichgültig: "Die meisten jungen Menschen sind genauso interessiert daran, gute Informationen zu bekommen wie die ältere Generation", betont Heesen. Wichtig sei eine Medienlandschaft, in der klar erkennbar bleibe, was eine Quelle "von hoher Autorität" sei.

Transparenz statt Alarmismus – aber klare Grenzen

Tretbar befürwortet KI-Hilfen dort, wo der Mensch "im Loop" bleibt: etwa bei Übersetzungen oder beim Glätten sperriger Formulierungen. "Nichts spricht gegen bessere Texte", sagt er. Aber: "Der originäre Text, zumal wenn der Name drübersteht, ein Meinungstext, ein Leitartikel, der muss einfach von Journalistinnen und Journalisten geschrieben sein."

Heesen sieht in reinen Erkennungstools keine Lösung: "Ich glaube, das löst das Problem nicht, dass wir jetzt alle Detektivarbeit leisten und mit immer noch besseren Tools versuchen, KI-Texte zu detektieren."

Blick nach vorn: Spaltung der Informationswelt?

Beide Experten erwarten eine weitere Ausdifferenzierung der Medienwelt. Heesen rechnet mit einer Kluft zwischen hochwertigen Angeboten, die KI als Werkzeug nutzen, und einer Flut billiger KI-Massenware – dem viel zitierten "AI Slop", also dem KI-Müll. "Das ist natürlich auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit", warnt sie. Mehr Bezahlangebote einerseits, billige KI-Inhalte andererseits – "das tut unserer Demokratie nicht gut".

Tretbar sieht in der Debatte auch eine Chance: "Es muss ein Ansporn sein, uns zu differenzieren von dem, was an KI-Welle, an automatisierten und KI-erstellten Inhalten kommen wird – was die Faktentreue angeht, die Einzigartigkeit, die Originalität, die Qualität." KI werde die Glaubwürdigkeit der Medien beeinflussen, "aber mit Sicherheit nicht allein".

Am Ende bleibt das Dilemma: KI ist ein mächtiges Werkzeug – doch als heimlicher Co-Autor stellt sie die Glaubwürdigkeit infrage. Klar ist für alle Beteiligten: Ohne Transparenz wird es nicht gehen.

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