Pfarrer Maier steht mit zwei jungen freiwilligen Helfern vor einem gebastelten Ortsschild, auf dem "Konficamp" steht
Pfarrer Maier steht mit zwei jungen freiwilligen Helfern vor einem gebastelten Ortsschild, auf dem "Konficamp" steht
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Jana-Marie Koch, Calvo Martin und Christoph Maier (Pfarrer und Direktor Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt) (v. l. n. r.)
Bildrechte: Jasmin Brock/BR
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Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: Kirche contra AfD?

Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: Kirche contra AfD?

Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag – eine richtungsweisende Wahl. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik steht im Raum, dass die AfD an die Regierung kommt. Kirchen sehen sich zunehmend unter Druck, Position zu beziehen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Am Bahnhof in der Lutherstadt Wittenberg kommen Anfang August – knapp einen Monat vor der Landtagswahl – Jugendliche mit bunten Caps und wuchtigen Koffern an. Das "Konficamp" steht an, ein mehrtägiges Zeltlager für Konfirmanden.

Zeltlager für Konfirmanden aus ganz Deutschland

Jana-Marie Koch aus dem Raum Nürnberg begleitet als ehemalige Konfirmandin die Organisation des Konficamps: "Man lernt neue Leute aus verschiedenen Gemeinden kennen und kann sich darüber austauschen." Nächstes Jahr soll eine besondere Jubiläumsausgabe auch mit Landesmitteln finanziert werden, berichtet Pfarrer Christoph Maier. Sollte bei der anstehenden Landtagswahl die AfD an die Regierung kommen, wäre das aber so nicht mehr möglich.

AfD will Evangelischer Akademie Landesmittel streichen

Denn: Der Evangelischen Akademie sollen dann sämtliche Landesgelder gestrichen werden. Pfarrer Maier, der die Akademie leitet, liest aus dem AfD-Wahlprogramm vor, wie die Partei seine Arbeit sieht: "Politische Agitation im Sinne der Altparteien: Klimadoktrin, Genderismus und Regenbogenkult stehen hoch im Kurs, eine 'sozial-ökologische Transformation' wird beschworen, der ungezügelten Masseneinwanderung wird das Wort geredet." Er kommentiert: "Wer unsere Arbeit kennt, weiß, dass das einfach gelogen ist, was dort steht, dass es schlichte Propaganda ist und man dieses Feindbild aufmacht, um sich selber zu positionieren."

AfD verweist auf angeblich zu hohe Sicherheitskosten

Am Stand der AfD ist der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Volker Scheurell sofort zum Gespräch bereit. Scheurell legt den Fokus auf Ausgaben für das Sicherheitskonzept: "Warum brauchen wir, wir als Deutsche, für ein Konfirmandencamp oder für einen Weihnachtsmarkt oder für ein Stadtfest, ein Sicherheitskonzept in dem Maße, dass wir alles abzäunen müssen?" Das habe man vor zwanzig Jahren nicht benötigt.

AfD kann Vorwürfe nicht näher begründen

Die Evangelische Akademie gibt nach eigenen Angaben 6,5 bis 8 Prozent des Camp-Budgets für das Thema Sicherheit aus. Allerdings nicht aus Landesmitteln. Auf Nachfrage, wo sich der Vorwurf der "politischen Agitation" im Programm der evangelischen Einrichtung fände, räumt Scheurell ein, dass er deren Programm nicht kenne. Eine schriftliche BR24-Anfrage dazu beim AfD-Landesverband, der in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, bleibt unbeantwortet.

Sachsen-Anhalt ist kein kirchlich geprägtes Bundesland, ein Großteil der Menschen ist konfessionslos. Kirche könne laut dem Wittenberger Pfarrer Maier dennoch eine wichtige Rolle einnehmen, indem sie etwa in einer angespannten politischen Lage Dialogveranstaltungen organisiert.

Bistum Magdeburg warnt vor AfD-Programmatik

Die AfD in Sachsen-Anhalt liegt in den Umfragen weit vorn. Die AfD sieht sich laut ihrem Wahlprogramm, das sie Regierungsprogramm nennt, als Partei, die das "Christentum fördern" will. Doch auch das katholische Bistum Magdeburg warnt deutlich vor den Konsequenzen des AfD-Wahlprogramms, erläutert Mathias Bethke, Leiter des Katholischen Büros. Ihn sorgt, "allein der Satz, 'Die AfD wird die Religionsfreiheit wieder auf angemessene Maßstäbe zurückführen'". An dieser Stelle im Programm geht es um den Islam. Bethke: "Man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen und tausche Religionsfreiheit durch ein beliebiges anderes Grundrecht aus."

Veränderungen in Kirchenzuwendungen möglich

Eine AfD-Regierung hätte gemäß den Ankündigungen im Wahlprogramm spürbare Konsequenzen für kirchliche Abläufe, sagt Bethke vom Bistum Magdeburg. Beispielsweise wäre bei der Caritas "als allererstes die Schulden- und Insolvenzberatung getroffen". Die AfD Sachsen-Anhalt kündigt an, sich auf Bundesebene langfristig dafür einzusetzen, "den staatlichen Kirchensteuereinzug abzuschaffen". Zuvor will sie im eigenen Bundesland den Einsatz von Staatsleistungen an die beiden großen Landeskirchen reformieren. Es sollen auch "kleine Kirchen" gefördert werden. Das könnte beispielsweise auf Freikirchen zutreffen.

Handeln Kirchen parteipolitisch?

Auch wenn es Gegenbeispiele gibt – in Quedlinburg trat bereits 2024 der evangelische Pfarrer Martin Michaelis zur Kommunalwahl als parteiloser Kandidat auf der Liste der AfD an – positionieren sich die Kirchen in Sachsen-Anhalt in diesem Wahlkampf häufig AfD‑kritisch. Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Hans-Thomas Tillschneider, wirft den Kirchen daher im MDR vor, dass sie "Politik machen" und die AfD bekämpfen. Mathias Bethke vom Katholischen Büro des Bistums Magdeburg weist das zurück: "Wir sagen nicht, welche Partei gewählt werden sollte, sondern wir weisen nur auf die aus unserer Sicht größte parteipolitische Gefahr für die Demokratie hin und benennen diese. Wir geben von der Kanzel herab keine Wahlempfehlung ab."

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