Missbrauchsbeauftragte: Risiko für Kinder so hoch wie nie
Missbrauchsbeauftragte: Risiko für Kinder so hoch wie nie
Bild
Missbrauchsbeauftragte: Risiko für Kinder so hoch wie nie
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Missbrauchsbeauftragte: Risiko für Kinder so hoch wie nie

Videobeitrag
>

Missbrauchsbeauftragte: Risiko für Kinder so hoch wie nie

Missbrauchsbeauftragte: Risiko für Kinder so hoch wie nie

Die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, sieht junge Menschen in nie dagewesenem Maße von sexuellen Übergriffen bedroht. Sie forderte einen besseren Schutz Heranwachsender im Internet, unter anderem ein entsprechendes Schulfach.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Die unabhängige Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, hat eindringlich dazu aufgerufen, Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt zu schützen und bestehende Schutzlücken kritisiert. "Noch nie war das Risiko für Kinder und Jugendliche, sexualisierte Gewalt zu erleben, so hoch wie heute", sagte Claus am Dienstag in Berlin. "Die Risiken im digitalen Raum explodieren."

Jedes vierte Mädchen erlebt Cyber-Grooming

Anlass von Claus' Appell war die Vorlage des Berichts zum Ausmaß sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und zum Stand von Prävention, Hilfe und Aufarbeitung. Die Zahl der Betroffenen sei ungebrochen hoch, heißt es darin. Tagtäglich würden Kinder und Jugendliche im Netz Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung, so Claus.

So habe schon jeder vierte junge Mensch zwischen 14 und 17 Jahren Cyber-Grooming erlebt. Diese gezielte Online-Kontaktaufnahme sei der Auftakt für sexualisierte Übergriffe. Verwiesen wird im Bericht auf bereits veröffentlichte Zahlen der Kriminalstatistik. Demnach zählte die Polizei 2025 insgesamt 17.126 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs, rund 1.600 mehr als noch vor fünf Jahren und 772 mehr als im Vorjahr.

Das Netz ist "zentraler Tatort"

Einen Schwerpunkt legt der Bericht auf den digitalen Raum und Künstliche Intelligenz (KI). Die digitale Welt verändere Möglichkeiten des Zugangs für Täter. Kommunikations- und Interaktionsorte im Netz seien zu "zentralen Tatorten sexualisierter Gewalt" geworden. Verwiesen wird auf Gefahren durch KI, etwa dass unverfängliche Profilfotos mit KI zu Nacktbildern umgewandelt werden können, was sexuelle Erpressung ("Sextorsion") erleichtere.

Claus: Schutz bislang Frage des Zufalls

Es habe sich zwar viel getan seit ihrem Amtsantritt 2022, so Claus, aber besserer Schutz sei machbar. Es gebe schon "teils starke Strukturen und Anstrengungen" gegen sexualisierte Gewalt an jungen Menschen, es sei aber auch offenkundig, "wo die Lücken liegen", so die Missbrauchsbeauftragte. Bund, Länder und Kommunen seien gemeinsam in der Verantwortung, diese zu schließen. Bisher entscheide "immer auch der Zufall" über die Frage, ob ein Kind Schutz oder im Falle eines Übergriffs Hilfe findet.

Appell an mehrere Bundesländer, auch Bayern

Claus richtete sich explizit an mehrere Bundesländer, in denen es bisher keine Verpflichtung für Schulen gibt, Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt zu verfassen. Sie könne nicht nachvollziehen, warum dies nicht überall vorgeschrieben sei, und forderte die fraglichen Länder auf, sich darum zu kümmern.

Entsprechende Vorgaben fehlten bisher in Hamburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Bayern und Bremen. In einer Abfrage für den Bericht der Beauftragten gab Bayern an, dass für die Schulen die "Aufforderung" gelte, "die Prävention weiter zu optimieren und qualifizierte Schutzkonzepte zu erstellen". In anderen Bundesländern sind die Schulen bereits gesetzlich verpflichtet, ein Schutzkonzept zur Prävention von sexueller Gewalt zu erstellen.

Claus fordert unter anderem Schulfach "Digitale Welt/Digitalität"

Claus fordert in ihrem Bericht unter anderem die Einführung eines Schulfachs "Digitale Welt/Digitalität", das digitale Kompetenzen an Kinder und Jugendliche vermittele und den Umgang mit Risiken im Netz einschließe.

Missbrauchsdarstellungen im Netz müssten aktiv gesucht und proaktiv gelöscht werden, denn solange sie dort kursierten, ende der Missbrauch nicht, sagte Claus außerdem. Sie forderte Schutzkonzepte für Kinder in allen Schulen, Kitas und Freizeitangeboten, die auch Formen digitalisierter Gewalt einschließen.

Die Bundesbeauftragte forderte zudem konkret eine Anpassung des Strafrechts. Dieses "schützt aktuell nur Kinder unter 14 Jahren vor Cybercrime", betonte sie. Ein sexueller Übergriff auf junge Menschen ab 14 Jahren sei nur strafbar, wenn die oder der Betroffene sich erkennbar widersetze. Jugendliche, die überfordert seien oder vor Schock erstarrten, blieben ungeschützt. "Das darf so nicht bleiben", sagte Claus.

Symbolbild: Mädchen hockt vor einer Couch und vergräbt das Gesicht in den Händen.
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Elena Shishkina
Audiobeitrag

Symbolbild: Mädchen hockt vor einer Couch und vergräbt das Gesicht in den Händen.

Mit Informationen von dpa, epd und AFP

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!