Soldat feuert mit Maschinenpistole
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Die Generation Z hat den Pazifismus entdeckt.
Bildrechte: picture alliance / TASS | Sergei Malgavko
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Pazifismus: Warum junge Menschen "Nein" zum Krieg sagen

Pazifismus: Warum junge Menschen "Nein" zum Krieg sagen

Die Generation Z hat den Pazifismus entdeckt. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz waren drei Kriegsdienstgegner aus Russland, der Ukraine und aus Israel in München. Für ihre antimilitaristische Haltung mussten sie fliehen oder ins Gefängnis.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Zündfunk am .

Eigentlich wollte Yan Kormilitsyn das ukrainische Militär unterstützen. Immerhin ist der 23-Jährige studierter Bauingenieur. "Ich wollte der Armee dabei helfen, neue Bunker oder Krankenhäuser zu bauen", sagt Yan. Doch bei der Mobilisierung sei das keine Option gewesen. "Der Offizier sagte, dass nur die Infanterie in Frage kommt. Ich möchte aber auf keinen Fall andere Menschen töten."

Neues Gesetz in der Ukraine regelt Ausreise für junge Männer

Doch im August 2025 tritt in der Ukraine ein Gesetz in Kraft: Junge Männer zwischen 18 und 22 Jahren haben jetzt die Wahl: Entweder an die Front gehen oder das Land verlassen. Also geht Yan kurz vor seinem 23. Geburtstag im Oktober nach Deutschland. "Militarismus bleibt Militarismus, egal ob man angreift oder verteidigt", begründet er seine Entscheidung. In München hat Yan sich kürzlich zusammen mit weiteren Kriegsdienstverweigerern bei der "Friedenskonferenz", einer Gegenveranstaltung zur Sicherheitskonferenz, für den Pazifismus starkgemacht.

Russischer Kriegsgegner muss das Land verlassen

Ebenfalls vor Ort: Timofey Vaskin, ein russischer Kriegsdienstverweigerer. Fast täglich sterben an der russisch-ukrainischen Front allein auf russischer Seite bis zu 1.000 Menschen. Weshalb Timofey 2023 aus Russland über Kasachstan und Armenien nach Deutschland flieht. "Als der Krieg in der Ukraine anfing, wollte die Mehrheit der Männer gar nicht in den Krieg ziehen", erklärt er. Ein Problem: Die schlechte ökonomische Lage in Russland. "Bei vielen reicht es kaum zum Überleben, und dann hat die russische Regierung den Männern für den Kriegsdienst Millionen Rubel ausgezahlt."

Menschenrechtsanwalt wird in Russland politisch verfolgt

Timofey Vaskin hat in Deutschland Asyl bekommen. Nicht wegen der Kriegsdienstverweigerung, sondern weil er als Menschenrechtsanwalt arbeitet, weshalb in Russland ein Strafverfahren gegen ihn läuft. Sein Verbrechen: Im ersten Jahr des Krieges hat er viele Männer bei einer Kriegsdienstverweigerung unterstützt. Unter anderem riet er ihnen: Wenn möglich einen Doktor machen! "Männer, die einen Doktor haben, sollen in Russland nicht zur Armee gehen", erklärt Timofey. In Russland bleiben? Für ihn keine Option. Er wäre ins Gefängnis gekommen, sagt der Kriegsgegner. Und wer im Gefängnis sitze, würde früher oder später auch an die Front kommen. Die Menschen dort würden gefoltert, sagt Timofey: "Und dann bieten sie einem den Ausweg, einen Vertrag für die Armee zu unterschreiben."

Warum Sofia Orr ins israelische Militärgefängnis gegangen ist

Die 20-jährige Israelin Sofia Orr hat sich dagegen für den Weg ins Militärgefängnis entschieden. 85 Tage hat sie dort verbracht, weil sie sich dem verpflichtenden Kriegsdienst in Israel widersetzt hat. Sie wolle sich auf keinen Fall in den Kreislauf der Gewalt im Nahen Osten hineinwerfen, erzählt sie: "Ich will kein Teil einer Armee sein, die abscheuliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht." Leichter sei es für sie gewesen, die Konsequenz zu erdulden und für ihre Verweigerung ins Gefängnis zu gehen.

Hinweis: "Weltpolitik am Wendepunkt: Wie reagieren wir auf Trump, Putin und Xi?" Darüber wurde im BR Fernsehen anlässlich der Sicherheitskonferenz 90 Minuten mit hochkarätigen Gästen diskutiert. Unter anderem EVP-Chef Manfred Weber und dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger.

Pazifismus als politischer Protest

Seit Sofia Orr aus dem Gefängnis freigekommen ist, engagiert sie sich in der Organisation Mesarvot, die israelische Pazifisten unterstützt. "Ich versuche so viele junge Menschen wie möglich zu erreichen", erklärt Sofia ihr Ziel. Sie wolle die palästinensische Stimme in die israelische Gesellschaft bringen, weil sie dort nicht gehört werde und. Sofia Orr erklärt: "Weil viele wirklich in einer Parallelwelt leben und nicht mitbekommen, was das Militär gerade macht."

Was Sofia, Timofey und Yan dabei eint: Sie sind am Wochenende der Sicherheitskonferenz nach München gekommen, um dem Narrativ zu widersprechen, dass nur Militarisierung Frieden schaffen kann.

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