Der YouTube-Clip zeigt das staatliche Krankenhaus in Vác, einer 30.000-Einwohner-Stadt, 50 Kilometer nördlich von Budapest. Ein smart und sportlich aussehender junger Mann mit modischer Undercutfrisur und Sonnenbrille läuft in das Krankenhaus hinein. Peter Magyar zeigt sich als dynamischer Politiker, der sich die Probleme des Landes ansieht. Der 45-Jährige hat ein Thermometer mit dabei und stellt schnell fest, dass die Bedingungen im Krankenhaus ziemlich schlecht sind.
"Der erste Raum hier ist der Warteraum. Hier ist es 32 Grad heiß. Hier sind die Mütter, die gerade entbunden haben, mit ihren Babys. Es gibt keine Seife, keine Handtücher, kein Toilettenpapier, nichts", sagt Magyar während seines Krankenhausrundgangs im Videoclip. Nicht einmal eine Halterung für Toilettenpapier sei da.
Verfallene Kliniken, marode Schulen: Magyars Fingerzeig ist klar
Vor allem das wollte Peter Magyar in seinem Wahlkampf zeigen, dass der seit 16 Jahren am Stück regierende Viktor Orbán das Land heruntergewirtschaftet habe. Orbán habe die staatlichen Krankenhäuser verkommen lassen. Zudem gäbe es zu wenige Ärzte, weil sie mies bezahlt würden. Auch die staatlichen Schulen seien in einem miserablen Zustand, die Lehrer würden auch schlecht bezahlt. Von dem von Orbán versprochenen Aufschwung sei nichts geblieben, so die Botschaft von Peter Magyar.
Im Video: Parlamentswahl - Machtwechsel in Ungarn?
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Magyars Anfänge bei Fidesz-Partei
Interessant ist, dass Magyar selbst aus der Fidesz-Partei kommt. Er war mal Fidesz-Beamter und Diplomat in Brüssel für das ungarische Außenministerium. Vor gut zwei Jahren wurde er über Nacht berühmt, durch ein Videointerview mit der unabhängigen ungarischen Onlineplattform Partizan. Da erklärte Peter Magyar, dass er aus der Fidesz-Partei aussteigt. "Bis jetzt konnte ich nichts sagen, weil meine Frau noch Teil des Systems war und zur Wahl stand", sagt Magyar im Interview. "Diejenigen, die mich kennen, wussten schon immer, dass ich ein kritisches Element bin. Nach außen hin nie, so ist die Spielregel, aber intern war ich in sehr vielen Fragen kritisch."
Whistleblower, Held und Hoffnungsträger
Die heutige Ex-Frau von Peter Magyar ist Judit Varga, Orbáns ehemalige Justizministerin. Sie verlor alle ihre Ämter, als in der Fidesz-Partei ein Pädophilie-Skandal hochkam. Ein Fidesz-Mann hatte sexuellen Missbrauch von Kindern gedeckt und wurde verurteilt. Es gab dann den Befehl, diesen Mann zu begnadigen, und Judit Varga musste die Begnadigung unterzeichnen.
Für Peter Magyar war sie am Ende das Bauernopfer, er wurde so wütend, dass er über die Fidesz-Partei auspackte, über Korruption und Machtmissbrauch. Magyar wurde zum Whistleblower und zum Helden und Hoffnungsträger für viele Menschen, die eine Veränderung im Land wollten, aber kein Vertrauen in die ungarische Opposition haben.
Gründer der Tisza-Bewegung
Peter Magyar zog dann zwei Jahre lang durch hunderte Städte und Dörfer. Er hielt Reden auf Marktplätzen und überzeugte die Menschen von seiner neuen Tisza-Bewegung, so wie bei einem Auftritt vor rund 2.000 Menschen auf dem zentralen Platz in Veszprem, nicht weit vom Balaton. "Wir haben 50.000 freiwillige Helfer, wir haben exzellente Fachleute, mit denen wir eine Regierung bilden wollen, 1.000 Experten haben an unserem Wahlprogramm mitgearbeitet", sagt Magyar.
Magyar will Ungarn demokratisieren – Orbáns Asylpolitik soll bleiben
Mit seiner Tisza-Partei ist er bereits im EU-Parlament, in der konservativen EVP-Fraktion, zusammen mit CDU und CSU. Magyar verspricht seinen Wählern, Orbáns autoritäres Regime zu zerschlagen und Ungarn zu demokratisieren und wieder zu einem soliden EU-Partner zu machen, um die aus disziplinarischen Gründen eingefrorenen rund 20 Milliarden Euro an EU-Hilfsgeldern für Ungarn wieder freizumachen.
Allerdings sagte Magyar, dass er nicht alles, was Orbán gemacht hat, anders machen würde. Orbáns strikte Asylpolitik wolle er nicht groß verändern.
Im Video: Parlamentswahl in Ungarn hat begonnen
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