Nach der Entmachtung und Gefangennahme von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro bei einem US-Militäreinsatz in dem Land hat Außenminister Marco Rubio angedeutet, dass Kuba das nächste Ziel der Trump-Regierung sein könnte. "Wenn ich in Havanna leben und der Regierung angehören würde, wäre ich zumindest ein wenig beunruhigt", erklärte Rubio.
Trump: Bei US-Militäreinsatz in Venezuela starben "viele Kubaner"
Die USA haben eine lange Geschichte militärischer Interventionen in Lateinamerika. Kuba und Venezuela gelten als enge Verbündete. Beide südamerikanischen Länder eint eine kommunistische Ausrichtung sowie von den USA auferlegte Wirtschaftssanktionen. Caracas unterstützte Kuba zudem seit Jahrzehnten in wirtschaftlicher Hinsicht.
Bei dem US-Militäreinsatz in Venezuela sind nach Angaben von US-Präsident Donald Trump "viele" kubanische Staatsbürger getötet worden. "Sie haben Maduro beschützt. Das war kein guter Zug", sagte Trump der "New York Post". Militärische Maßnahmen ziehe er nicht in Betracht: "Nein, Kuba wird ganz von selbst fallen."
Bisherige Vizepräsidentin Rodríguez als Nachfolgerin
Nach der Entmachtung Maduros durch die USA ernannte das Oberste Gericht Venezuelas die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin. Mit dem Schritt solle die Kontinuität der Verwaltung und Verteidigung des Landes gewährleistet werden. Vor Reportern erklärte Trump, dass sich Rodríguez in einem Gespräch mit US-Außenminister Rubio kooperationsbereit gezeigt habe. "Sie ist im Grunde willens, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder großartig zu machen."
Kooperiert Rodríguez mit den USA?
Darauf deutet bislang allerdings nichts hin. Rodríguez gilt als eine der loyalsten Figuren in Maduros Machtzentrum, forderte nach dem US-Militäreinsatz die sofortige Freilassung von Maduro und seiner Frau und erklärte kurz nach ihrer Ernennung zur Interimspräsidentin, Maduro sei weiterhin der einzige Präsident Venezuelas. Zugleich sagte sie, ihre Regierung werde Venezuela und seine "natürlichen Ressourcen verteidigen": "Wir werden nie wieder Sklaven sein", sagte sie Richtung Trump und bezeichnete den US-Angriff als Verstoß gegen die UN-Charta. Die venezolanischen Streitkräfte stärkten Rodríguez den Rücken und haben sie als vorübergehende Staatschefin anerkannt. Sie übernehme verfassungsgemäß die Führung des Landes, sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino.
Nobelpreisträgerin Machado wünscht sich Oppositionsführer als Staatschef
Venezuelas Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado forderte die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Nachfolger. Er habe die Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, schrieb sie auf X. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich ähnlich. González selbst erklärte auf X: "Venezolaner, dies sind entscheidende Stunden. Seid versichert, dass wir bereit sind für die große Aufgabe des Wiederaufbaus unserer Nation."
Allerdings gilt González nicht als charismatischer Politiker, der in Krisenzeiten ein tief gespaltenes Land zusammenbringen kann. Für die weitaus populärere Machado hat Trump keine tragende Rolle in Venezuela vorgesehen. "Sie hat nicht die Unterstützung und den Respekt im Land", sagte er über die Frau, die seinen harten Kurs gegen die Regierung in Caracas stets unterstützte.
Trump: Maduro hielt sich in schwer bewachter "Festung" auf
Bei dem Militäreinsatz hatten die USA in der Nacht zum Samstag Ziele in Venezuela angegriffen und Maduro gefangen genommen. US-Generalstabschef Dan Caine sagte, US-Geheimdienst-Mitarbeiter hätten sich monatelang damit beschäftigt, wo sich Maduro "bewegte, wo er lebte, wohin er reiste, was er aß, was er anzog – und welche Haustiere er hatte". Trump sagte, der Linksnationalist habe sich in einer schwer bewachten "Festung" aufgehalten. Dort habe es eine Art Sicherheitsraum gegeben, "wo rundherum massiver Stahl ist. Er hat diesen Raum nicht geschlossen bekommen, er versuchte hineinzukommen, aber er wurde so schnell überrumpelt, dass er es nicht hinein geschafft hat."
Die US-Behörden brachten Maduro inzwischen nach New York. Dort soll er bis zu seinem Prozess in Untersuchungshaft sitzen. Ein vom Weißen Haus im Onlinedienst X veröffentlichtes Video zeigt, wie der 63-Jährige in Handschellen und Sandalen von Beamten in eine Einrichtung der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA in New York gebracht wurde. Trump erkennt Maduro nicht als legitimen Staatschef an und wirft ihm vor, in den Drogenhandel involviert zu sein.
Trump warnte, dass die USA zu neuen und "viel stärkeren" Angriffen in Venezuela bereit seien, um einen Verbleib von Maduro-Vertrauten an der Macht zu verhindern. Auch sagte er, dass die USA sich "nicht fürchten", gegebenenfalls Bodentruppen in Venezuela zu stationieren.
Nicolas Maduro
Demos in mehreren deutschen Städten gegen US-Angriff
Der US-Militäreinsatz in Venezuela hat auch Folgen für den Luftverkehr. Am Samstag (Ortszeit) überflog nach Angaben des Flugverfolgungsdiensts FlightRadar24.com keine einzige Maschine das venezolanische Hoheitsgebiet. Die Lufthansa informiert zudem über etwas längere Flugzeiten zum südamerikanischen Nachbarland Kolumbien. Die größte deutsche Airline "fliegt nicht nach Venezuela und nutzt seit einigen Monaten auch nicht mehr den venezolanischen Luftraum", teilte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur mit.
Am Abend gab es in mehreren Städten in Deutschland Proteste gegen die Attacke der USA auf Venezuela. In München versammelten sich laut Polizei rund 400 Menschen, in Nürnberg 180. Weitere Demos gab es etwa in Düsseldorf und Hamburg.
Mit Informationen von AP, Reuters, epd, dpa und AFP
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