(Symbolbild) Eine junge Frau liegt mit dem Smartphone in der Hand auf dem Bett.
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(Symbolbild) Safer Internet Day: Zwischen schützen und stärken
Bildrechte: picture alliance/dpa | Elisa Schu
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Safer Internet Day: Zwischen schützen und stärken

Safer Internet Day: Zwischen schützen und stärken

Zum "Safer Internet Day" wird deutlich: Kinder und Jugendliche brauchen im digitalen Raum nicht nur Schutz, sondern auch Stärke. Eine Expertenkommission arbeitet gerade an Empfehlungen – und gibt Einblicke, in welche Richtung es gehen kann.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Thema des Tages am .

International wird derzeit vor allem über Verbote und Altersverifikationen für soziale Medien diskutiert: Australien ist vorangegangen, hat Social Media für unter 16-Jährige verboten, europäische Länder wie Frankreich wollen ähnliche Schritte gehen. Und Deutschland? Politisch eindeutig scheinen sich die Regierungsparteien von Union und SPD noch nicht positioniert zu haben, das wird in Gesprächen mit Abgeordneten deutlich.

Debatte auf auf "Talkshow-Niveau"

Dazu kommt: Gerade arbeitet eine von der schwarz-roten Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission an Empfehlungen zum Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum. Einer der Vorsitzenden ist Olaf Köller vom Leibniz-Institut. Im BR24-Interview erklärt Köller, er nehme die öffentliche Debatte rund um soziale Medien und der digitalen Welt "auf Talkshow-Niveau" wahr.

Die Kommission besteht aus 18 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen: Juristen, Medienpädagogen, Psychologen oder Ärzten. Im Sommer wollen sie ihre Empfehlungen an die Bundesregierung übergeben: "Sowohl zum Schutz, aber auch zur Ertüchtigung von Kindern und Jugendlichen", so Köller. Auch wenn viele Vorschläge bereits jetzt schon auf dem Tisch liegen, hat die Kommission das Ziel, "sich so ein bisschen auch vom Talkshow-Niveau" zu lösen und das Thema "in seiner ganzen Breite wirklich zu adressieren."

Schutz ist machbar, doch die Umsetzung hakt

In der öffentlichen Debatte dominieren derzeit die Risiken: problematische bis hin zu süchtiger Nutzung, sinkende Aufmerksamkeitsspannen, Konfrontation mit Fake News. Ein Schwerpunkt der Kommission liegt daher auf dem Baustein Schutz: "Es wird bestimmt Empfehlungen geben zur Altersbegrenzung von Social Media", so Köller. Konkreter wird er nicht. Doch eine zentrale Herausforderung benennt er klar: die Festlegung eines konkreten Alters, 16 Jahre sei "mehr oder weniger beliebig." Und wieder nutzt er das Wort "Talkshow-Empfehlung", die man nicht abgeben wolle. Stattdessen solle "wissenschaftlich fundiert" gearbeitet werden.

Dabei gehe es nicht nur um Verbote, sondern vor allem um die Frage: "Wie stellt man sicher, dass sie eingehalten werden?" Technisch sei vieles längst möglich, Alterslügen ließen sich oft erkennen, "kein technischer Hexenzauber", so Köller. Was jedoch oft fehle, sei vor allem die konsequente Umsetzung.

Mehr als Regulierung: Kinder stärken und digital fit machen

Trotz aller Risiken warnt Köller vor einem einseitigen Blick: Gerade soziale Medien seien für viele Jugendliche auch Identifikations- und Vernetzungsraum, Teil ihrer digitalen Lebenswirklichkeit. Auch wenn in der Kommission keine Jugendlichen vertreten sind, meint Köller: die junge Perspektive sei in der Kommissionsarbeit verankert. Geplant sind in den kommenden Wochen Anhörungen, bei denen Kinder und Jugendliche selbst zu Wort kommen sollen. Denn es geht vor allem darum, "wie man sie stärken kann."

Ein zentraler Ort dafür ist aus Sicht der Kommission die Schule: Medienkompetenz, der Umgang mit Algorithmen, Künstlicher Intelligenz – all das könne Aufgabe vieler Fächer sein, nicht nur des Informatikunterrichts, so Köller.

Düll: "Schule wird da immer ein wenig hinterherhinken."

Lehrerpräsident Stefan Düll betont im BR24-Interview, gerade in Zeiten von KI und Chatbots seien grundlegende Kompetenzen wichtiger denn je: Texte verstehen, Inhalte bewerten, kritisch prüfen. Gleichzeitig beschreibt der Lehrerpräsident aus Bayern sehr konkret die Grenzen schulischer Realität: Gute Ergebnisse mit KI erforderten Übung, Kompetenzen und vor allem Zeit – ein knappes Gut im Schulalltag. Lehrkräfte bräuchten Fortbildungen, doch angesichts der rasanten Entwicklungen gelte: "Schule wird da immer ein wenig hinterherhinken."

Letztlich sind sich alle einig: Kinder und Jugendliche im digitalen Raum stärken und schützen – das gelinge nur gemeinsam. Olaf Köller, ist sich zumindest sicher: "Wenn die Empfehlungen kommen, kann sich meines Erachtens auch niemand wegducken, an den die Empfehlungen adressiert sind."

Gesetz gegen Deepfakes soll schnell in den Bundestag

Schon jetzt will parallel dazu die Bundesregierung handeln, denn: Verstörende Inhalte begegnen nicht nur Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum, sondern allen Nutzern. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) arbeitet an gesetzlichen Nachschärfungen, im Fokus stehen dabei pornografische Deepfakes, bei denen mithilfe von Künstlicher Intelligenz real existierende Gesichter und Körper täuschend echt in pornografische Fotos oder Videos montiert werden. Betroffen sind davon meist Frauen, so Hubig. "Wir müssen Strafbarkeitslücken schließen, aber eben auch das Verbreiten von pornografischen Deep Fakes unter Strafe stellen." Einen Gesetzentwurf kündigt sie für den Frühling an.

Allerdings: Zu einem vollends (kinder-)sicheren Ort wird das Netz dadurch nicht. Bei immer neuen Phänomenen hinkt auch die Politik oft hinterher. Wahrscheinlich heißt der Aktionstag am Dienstag deshalb auch "Tag für mehr Internetsicherheit" und nicht "Tag der Internetsicherheit".

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