Der Angreifer beim Korrespondenten-Dinner in Washington wollte offenbar ein Attentat auf US-Regierungsmitglieder verüben. "Sehr frühe" Erkenntnisse der Ermittler deuteten darauf hin, sagte Justizminister Todd Blanche im Fernsehsender CBS.
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Washingtons wichtigsten Politikern und Journalisten war am Samstagabend (Ortszeit) gerade die Vorspeise serviert worden, als auf einmal Schüsse fielen. Ein schwer bewaffneter Mann rannte durch die Sicherheitsschleuse, um sich Zutritt zum White House Correspondents' Dinner in Washington zu verschaffen. Einsatzkräfte konnten ihn jedoch stoppen. Was bislang bekannt ist – die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was über die Tat bekannt ist
Nach bisherigen Erkenntnissen stürmte der Angreifer gegen 20.30 Uhr durch eine Zugangsschleuse des Secret Service, es fielen Schüsse.
"Ich habe gehört, wie jemand 'Runter! Runter!' gerufen hat", berichtet eine dpa-Reporterin von vor Ort. "Einige waren ziemlich panisch." Minutenlang verharrten die Gäste auf dem Boden, duckten sich unter die Tische – einige sichtlich unter Schock.
Präsident Trump postete ein Video in den sozialen Medien, das den mutmaßlichen Täter zeigt, wie er an den Beamten vorbeirennt, ehe diese das Feuer eröffnen. Bewaffnet war der Mann mit Schrotflinte, Handfeuerwaffe und mehreren Messern. Nach Angaben des Secret Service wurde der Mann "beim ersten Kontakt" gestoppt.
Wer war vor Ort und gab es Verletzte?
Trump, seine Frau Melania, diverse Kabinettsmitglieder, darunter Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio, Vizepräsident JD Vance sowie zahlreiche Journalisten und andere Gäste waren bei der Veranstaltung in einem Hotel in Washington zugegen. Der Präsident, die First Lady und weitere Regierungsmitglieder wurden Sekunden nach dem Vorfall von der Bühne geführt und in Sicherheit gebracht.
Laut Trump wurden keine Regierungsmitglieder verletzt, allerdings wurde ein Sicherheitsbeamter angeschossen. Dank seiner schusssicheren Weste gehe es dem Mann den Umständen entsprechend gut, sagte Trump. Er hat nach Angaben eines Sprechers vom Secret Service das Krankenhaus bereits wieder verlassen können. Der Angreifer wurde festgenommen, ohne von Kugeln getroffen worden zu sein.
Das jährliche White House Correspondents' Dinner wird seit hundert Jahren in Washington zelebriert. Dabei kommen Journalisten und Vertreter des Weißen Hauses zusammen. Bekannt sind die Abendessen für teils derbe Witze auf Kosten der Gäste – und selbstironische Ansprachen der Präsidenten. Trump war dem Korrespondenten-Dinner in seiner ersten Amtszeit allerdings ferngeblieben.
Schüsse in Washington: Wer ist der bewaffnete Mann?
Bei dem Schützen soll es sich um einen 31-Jährigen aus Südkalifornien handeln, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichteten. Der Mann soll als Lehrer und Entwickler für Videospiele gearbeitet haben, heißt es unter Berufung auf das mutmaßliche LinkedIn-Profil des Mannes. Der Mann soll 2017 am California Institute of Technology einen Bachelor-Abschluss erworben und 2025 ein Masterstudium an der California State University abgeschlossen haben.
Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass der Verdächtige alleine gehandelt hat. Er soll sich demnach als Gast im Hilton Hotel, in dem das Dinner stattfand, aufgehalten haben.
Was könnte sein Motiv gewesen sein?
Ersten Erkenntnissen zufolge wollte er offenbar ein Attentat auf US-Regierungsmitglieder verüben. "Sehr frühe" Erkenntnisse der Ermittler deuteten darauf hin, dass der Täter "Mitglieder der Regierung im Visier hatte", sagte Justizminister Todd Blanche im Fernsehsender CBS. Der unmittelbar nach der Tat festgenommene Mann "kooperiert nicht aktiv" mit den Ermittlern, fügte Blanche hinzu.
Das Motiv ist unklar. Trump äußerte die Vermutung, dass der Schütze möglicherweise aus Unzufriedenheit mit seiner Politik gehandelt habe. Danach gefragt, ob er einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg sehe, sagte Trump: "Ich glaube es nicht. Aber man kann es nie wissen."
Was steht in dem Manifest des Schützen?
Später erklärte Trump dem Sender Fox News, dass ein "Manifest" des Schützen vorliege, das antichristliche Ansichten offenbare. "Wenn man sein Manifest liest, merkt man, dass er Christen hasst. Das steht fest, er hasst Christen", sagte der Präsident. Nähere Angaben zu dem Schriftstück machte Trump nicht. Er bezeichnete den Angreifer als "verrückten Typen". Familienmitglieder hätten zu den antichristlichen Ansichten sogar Angaben bei den Sicherheitsbehörden gemacht.
Der Mann hatte in dem Manifest offenbar die Sicherheitsvorkehrungen am Tatort verhöhnt sowie Regierungsmitglieder als Ziele aufgelistet, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Polizeikreisen. Der Mann habe sich selbst als "Friendly Federal Assassin" (freundlicher Bundes-Attentäter) bezeichnet.
Die "New York Post" veröffentlichte Auszüge, in denen der Schütze Wut auf Trump und dessen Regierung äußerte und erklärte, er wolle Regierungsvertreter "vom höchstrangigsten bis zum niedrigsten" ins Visier nehmen. Der Zeitung zufolge enthielt die Nachricht zudem Anspielungen auf im Iran-Krieg getötete Zivilisten, das Vorgehen der Trump-Regierung gegen Migranten und den Skandal um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Was droht dem Schützen jetzt?
In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) durchsuchte die Bundespolizei FBI das Haus des Verdächtigen in Torrance, einem Vorort südwestlich von Los Angeles.
Am Montag soll er vor Gericht erscheinen. Er soll wegen der Verwendung einer Schusswaffe bei einer Gewalttat sowie wegen tätlichen Angriffs auf einen Bundesbeamten unter Einsatz einer gefährlichen Waffe angeklagt werden. Weitere Anklagepunkte könnten noch folgen.
Waren die Anwesenden der Gala ausreichend geschützt?
Der Verdächtige habe die Sicherheitsvorkehrungen des Secret Service unterschätzt, sagte Matthew Quinn, der stellvertretende Direktor des Secret Service. Unklar ist, ob es Lücken bei den Sicherheitsvorkehrungen gab – mehrere Anwesende warfen die Frage auf, wie der Mann überhaupt so weit kommen konnte.
Teilnehmer des Gala-Dinners gaben an, die Vorlage einer Einladung habe ausgereicht, um in das Gebäude gelassen zu werden. Ein Ausweis sei nicht verlangt worden. Der "New York Times" zufolge war der Eingang des Washington Hilton selbst nicht mit Metalldetektoren gesichert. Die Schleuse zur Sicherheitszone sei erst näher am Ballsaal eingerichtet worden.
Mit Informationen von dpa und AFP
Im Video: Schüsse beim traditionellen Korrespondenten-Dinner
Ein Bewaffneter dringt in den Vorraum des Festsaals ein. Sicherheitskräfte überwältigen ihn, der US-Präsident wird in Sicherheit gebracht.
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