Eine Projektion auf einer Skipiste bei Davos.
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Eine Projektion auf einer Skipiste bei Davos.
Bildrechte: picture alliance/KEYSTONE | GIAN EHRENZELLER
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Showdown in Davos: Trump, Grönland und Dänemarks Partner

Showdown in Davos: Trump, Grönland und Dänemarks Partner

US-Präsident Trump eskaliert vor seinem heutigen Auftritt in Davos nahezu pausenlos im Streit um Grönland, das er "in Besitz" nehmen will. Dänemarks Partner halten in Davos dagegen. Was heißt das? Kommt es auf dem Weltwirtschaftsforum zum Eklat?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Niemand in Europa wünsche sich das, aber es sei das Richtige: Mit diesem Satz fasst Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen die äußerst gedrückte Stimmungslage der Europäer zusammen. Europa müsse darauf antworten. "Dazu sind wir gezwungen," so Frederiksen gestern vor dem Parlament in Kopenhagen.

Grönland-Konflikt: Steht das Schlimmste noch bevor?

Fundamentale Werte wie Souveränität, Identität, Grenzen und Demokratie seien für Dänemark nicht verhandelbar. Nie habe Dänemark einen Konflikt gesucht und werde nun trotzdem von seinem engsten Verbündeten bedroht. Das "Schlimmste kann uns noch bevorstehen", befürchtet die dänische Regierungschefin. Und damit könnte sie recht haben.

Trump aggressiver und selbstbewusster denn je?

Trump werde in Davos aggressiver und selbstbewusster denn je auftreten, wie das US-Nachrichtenportal "Axios" zutreffend analysiert. Der Präsident sei mehr denn je von seiner eigenen Macht überzeugt, "globale Ereignisse zu beeinflussen, und mehr denn je bereit, jeden zu schikanieren und zu beschimpfen, der sich ihm in den Weg stellt."

Allein vor seiner Ankunft in Davos gab der US-Präsident einen erneuten Vorgeschmack davon, mit welchen Methoden er engste Verbündete behandelt: So veröffentlichte Trump zwei streng vertrauliche, persönliche SMS-Botschaften enger Nato-Partner, und demütigte damit den französischen Staatspräsidenten Macron und Nato-Generalsekretär Rutte.

Früher "Wahnvorstellung" – heute Wirklichkeit

Trumps Kabinettsmitglieder in seiner ersten Amtszeit hätten die Idee, einen treuen Nato-Verbündeten gegen dessen entschiedenen Widerstand zur Aufgabe von Territorium zu zwingen, damals als "Wahnvorstellung" des Präsidenten bezeichnet, weiß der "New York Times"-Korrespondent Peter Baker, der seit Jahrzehnten über das Weiße Haus berichtet. Wie sehr sich in seiner zweiten Amtszeit der Begriff davon, was normal sei und was nicht, verändert hat, zeige sich am Beispiel Grönland. Dass Trumps Verlangen, "Land zu erobern, das ihm nicht gehört, als ernstzunehmender Vorschlag diskutiert wird, anstatt als dreiste Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen der USA und des Völkerrechts angetan zu werden", spreche Bände.

Dem US-Präsidenten gehe es nicht darum, Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit "haben" zu wollen, weil es sonst China oder Russland übernehmen würde, analysiert der "New York Times" Journalist. Das einzige Land, dass die arktische Insel bedrohe, sei gegenwärtig Amerika. Trump habe fünf Jahre Zeit gehabt, die amerikanische Truppenstärke auf Grönland deutlich zu erhöhen und neue Stützpunkte zu errichten, wie dies das Abkommen zwischen Washington und Kopenhagen aus dem Jahr 1951 zulasse. Der US-Präsident habe die Bedrohung für Grönland aber offenbar "nie als so dringend angesehen, dass er sich dazu entschlossen hätte".

Trump will Grönland "haben"

"Lassen Sie es mich so ausdrücken: Es wird ein sehr interessantes Davos (Treffen)", gab Trump vor seinem Abflug auf Reporterfragen zu Protokoll. Er glaube nicht, dass die Europäer viel Widerstand leisten würden. "Wir müssen das haben. Die können das nicht beschützen," wie der US-Präsident sein Mantra vor dem Einsteigen in Air Force One wiederholte. Er werde in Davos mit "unterschiedlichen Leuten" darüber sprechen. "Mal sehen, wie es läuft. Aber Grönland ist sehr wichtig."

Die Ankündigung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Europäer würden entschlossen, aber mit Augenmaß reagieren, beeindruckte die US-Finanz- und Wirtschaftsminister in Davos wenig. Sollten es die Europäer auf einen "Tumult" mit Trump anlegen, dann würden beide Seiten wieder zu einem "tit-for-tat", zu einem Schlagabtausch zurückkehren, formulierte Handelsminister Lutnick.

Am Ende doch Verhandlungen mit den USA?

Die Reaktionen der europäischen Staats- und Regierungschefs auf Trumps Vorgehen seien eher emotional als pragmatisch, wie die Nachrichtenagentur Reuters die Einschätzung von Bankern und Konzernchefs in Davos wiedergibt. Europa müsse über die Art und Weise, wie Trump seine Botschaft vermittele, hinausblicken und mit ihm verhandeln. "Aber sie wollen nicht einmal dieses Gespräch führen, weil sie sich durch seinen Stil so gekränkt fühlen", so ein hochrangiger Banker.

"Wir müssen alle die Temperatur mal runterbringen", rät auch Finnlands Präsident Alexander Stubb. Gehe es um die Frage von Souveränität oder von Sicherheit? "Ich hoffe doch, es geht um die Sicherheit", sagte Stubb vor dem Showdown in Davos. Es gebe drei Szenarien, wie der Streit zwischen Washington und den übrigen Nato-Partnern ausgehen könnte: Am besten wäre es, wenn es zu einer Deeskalation und einer Vereinbarung komme, wie innerhalb der Nato-Strukturen die Sicherheit in der Arktis gestärkt werden könne.

Das zweite Szenario, das Stubb als "schlechtes Szenario" bezeichnete, würde zu Spannungen zwischen Grönland und Dänemark führen. Und das "hässliche Szenario", so der finnische Präsident gegenüber der "Washington Post", wäre eine militärische Übernahme Grönlands durch die USA. Daran glaube man aber nicht.

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