Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz
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Sicherheitskonferenz: Rubio reicht Europa die Hand – aber...

Sicherheitskonferenz: Rubio reicht Europa die Hand – aber...

Nach dem Polter-Auftritt von Vize-Präsident Vance im vergangenen Jahr war die Rede von US-Außenminister Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit Spannung erwartet worden. Rubios Ton war ein anderer – Kritik gab es dennoch. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Am Ende von Marco Rubios Rede erhebt sich – mit wenigen Ausnahmen – der gesamte Saal im Bayerischen Hof. "Man spürt die Erleichterung im Raum", sagt der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, anschließend.

In den knapp 30 Minuten zuvor betont der US-Außenminister die gemeinsame Geschichte von USA und Europa. "Wir gehören zusammen", sagt der Republikaner. Er schlägt damit einen anderen Ton an als sein Kabinettskollege J.D. Vance, der in München im vergangenen Jahr die Europäer mit Kritik und Spott überzog.

Rubio wählt eine andere Strategie, nennt die USA "ein Kind Europas", ein Moment, an dem der Republikaner ein zweites Mal Applaus erntet. Das Schicksal des europäischen Kontinents werde "uns niemals egal sein", man sei Teil "einer Zivilisation".

Rubio: Wir leben in einer "gefährlichen Illusion"

Doch Rubio ist weit davon entfernt, eine reine Liebeserklärung für die transatlantische Partnerschaft abzugeben. Zu düster zeichnet der US-Außenminister das Bild der Gegenwart. Das Ende des Kalten Krieges habe die "gefährliche Illusion" entstehen lassen, dass "das Ende der Geschichte" erreicht sei.

Es sei ein Irrglaube entstanden, dass es eine Welt ohne Grenzen brauche. "Eine törichte Idee, die die Natur des Menschen ignoriert", sagt Rubio. Genauso kritisierte er den vermeintlichen Glauben, sich einer "Klima-Sekte" beugen zu müssen. Da andere Staaten sich nicht an diese Glaubenssätze halten würden, hätten die USA und Europa ihre Souveränität aufgegeben. Massenmigration würde den Zusammenhalt der Gesellschaften aushebeln. "Wir haben diese Fehler gemeinsam gemacht", sagt Rubio in München.

Rubio: "Vorbereitet, das allein anzugehen"

Unter US-Präsident Donald Trump gehe es deswegen um "Erneuerung und Wiederaufbau". Und dann kommt der Moment, an dem klar ist, dass Rubio nicht ausschließlich die Beziehung reparieren will: "Wir sind vorbereitet, das allein anzugehen, aber wir hoffen, wir können es mit euch machen."

Das lässt sich auch deuten als: Ihr müsst dringend etwas ändern – und wenn ihr es nicht tut, dann machen wir unser eigenes Ding. Damit äußert er sich inhaltlich ähnlich wie Vance im vergangenen Jahr, nur deutlich freundlicher verpackt. Der Ton der US-Regierung sei "ein wenig direkt und ein wenig dringlich" – aber nur, weil man sich um die gemeinsame Zukunft sorge.

"Was verteidigen wir eigentlich?"

Auch er fragt das Publikum in München: "Was genau verteidigen wir?" Und Rubio zählt weitere Probleme auf: Die Deindustrialisierung würde Reichtum zerstören, es gebe eine "Malaise der Hoffnungslosigkeit". Rubio kommt erneut auf die Migration zu sprechen – eine Krise, die Gesellschaften transformiere und destabilisiere. "Wir dürfen die globale Ordnung nicht länger über die nationalen Interessen unserer Länder stellen." Der Status quo funktioniere nicht mehr, es brauche eine neue Allianz.

Allerdings will der US-Außenminister sein Land von der Kritik offenbar nicht ausnehmen, spricht anders als Vance nicht von "ihr" oder "Europa", sondern nutzt mehrfach ein "wir". Nur legt er nahe, dass die USA – anders als die Europäer – die Zeichen der Zeit erkannt hätten.

Rubio attackiert Vereinte Nationen

An zwei Stellen ist Rubio besonders deutlich: Zum einen bei der Verteidigung. "Wir wollen keine schwachen Partner, denn das macht uns schwach". Zum anderen spottet er über die Vereinten Nationen. Diese hätten "keine Antworten, spielen keine Rolle". Als Beispiel nennt er Gaza, Ukraine, Iran und Venezuela – und begründet damit auch den US-Einsatz in dem südamerikanischen Land.

Zum Abschluss seiner Rede wird Rubio wieder versöhnlich. Er erntet Lacher, als er erklärt, dass die Deutschen, die den amerikanischen Kontinent einst besiedelten, für die Qualität des amerikanischen Bieres gesorgt hätten. Er nennt Europa "unsere geschätzten Verbündeten und unsere ältesten Freunde". Dafür bekommt Rubio ein weiteres Mal Applaus.

Es war kein Auftritt wie Vance vor einem Jahr. Rubios Betonung der gemeinsamen Werte und Geschichte und einer möglichen, gemeinsamen Zukunft wird viele erleichtert haben. Doch trotz des freundschaftlichen Tons dürfte bei vielen auch die Message angekommen sein: Rubio reicht Europa die Hand – warnt aber davor, nicht einzuschlagen.

Im Video: Rubio findet versöhnlichere Töne

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Marco Rubio

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