Noch vor dem blutigen Massaker Anfang Januar in Teheran sahen vor allem Monarchisten Prinz Reza Pahlavi als zukünftigen iranischen Führer. Pahlavi ist der Sohn des von den Mullahs im Jahr 1979 vertriebenen und inzwischen verstorbenen gleichnamigen Schahs. Inzwischen sei Prinz Pahlavi Hoffnungsträger vieler iranischer Oppositioneller, ist sich der 53-jährige Nürnberger Gastronom Afshin sicher. Er sei definitiv ein Demokrat, betont Afshin, der nicht als König in den Iran zurückkehren wolle. Pahlavi habe Bildung, sei kultiviert und schätze westliche Werte.
Pahlavi als Gallionsfigur der Opposition
Afshins Nachname soll hier nicht genannt werden, denn er hat Familie im Iran und fürchtet, dass seine Äußerungen bei BR24 seinen Verwandten dort Probleme bereiten könnten. Die Mehrheit im Iran wolle, dass das Mullah-Regime verschwindet, so Afshin. Nicht nur wegen des harten Vorgehens während der jüngsten Proteste, bei denen laut Oppositionsangaben Zehntausende Demonstranten getötet worden. Die Menschen seien einfach unzufrieden, so Afshin. Das Leben sei hart geworden. Die Mittelschicht könne sich nichts mehr leisten.
In den vergangenen Wochen ist der Druck auf das Regime deutlich gestiegen. Die USA drohen den Mullahs mit Militärschlägen. Bisher habe die Opposition keinen richtigen Anführer gehabt, sagt Afshin. Doch jede Bewegung brauche eine Führungspersönlichkeit und Reza Pahlavi sei nun "so eine Art Gallionsfigur".
Bindungswirkung auch bei Demokraten
Danial Ilkhanipour, Exil-Iraner und SPD-Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft, bestätigt Afshins Einschätzung. Reza Pahlavis Name sei bei den Demonstrationen gegen das Regime immer wieder gerufen worden. Dieser überzeuge nicht mehr nur iranische Monarchisten. Er habe inzwischen auch außerhalb seines traditionellen Anhängerkreises eine gewisse Bindungswirkung, so Ilkhanipour. Pahlavi hat vergangenen Herbst einen 170-seitigen Fahrplan für einen friedlichen Übergang Irans zu einer Demokratie vorgelegt. Seitdem nehmen Befürchtungen ab, der Prinz wolle wieder eine diktatorische Monarchie einführen.
Nahezu täglich hält der in den USA ausgebildete Pahlavi Reden an die Opposition, die er in sozialen Medien verbreitet. Er fordert die Menschen in seiner Heimat auf, weiter zu demonstrieren, spricht diesen Mut zu und ermuntert die Streitkräfte, gegen das Regime zu opponieren.
Monarchisten in Pahlavis Umfeld
Auch der aus Iran stammende und seit vielen Jahrzehnten in Deutschland lebende Buchautor Ali Sadrzadeh betont, Pahlavi sei westlich und demokratisch sozialisiert. Schließlich sage er selbst, dass er nicht König sein wolle und dass nach einer Übergangsphase ein Referendum stattfinden solle, das festlegt, "was für ein System die Iraner haben wollen".
Allerdings sieht Sadrzadeh Teile von Pahlavis Umfeld kritisch. Es gebe Berater, die seien Monarchisten im traditionellen Sinne und rieten Pahlavi von einem demokratischen Prozess ab. Sadrzadeh fordert, dass sich Pahlavi von solchen Leuten distanziert.
Was ist die Alternative zum Regimewechsel?
Immer wieder warnen Pahlavi-kritische Stimmen, nach einem Regimewechsel könnte es ähnlich wie in Libyen und Irak zu Chaos in Iran kommen. Unterstützer, wie Ilkhanipour, sagen, das Regime säe mit diesem Narrativ Zweifel am Schahsohn. Außerdem hält er Skeptikern entgegen, sie würden eine wesentliche Frage nicht beantworten: Was wäre die Alternative?
Im Moment wohl nur eine Fortsetzung des Regimes. Reza Pahlavi ist an diesem Wochenende bei der Münchener Sicherheitskonferenz und soll am Samstag auf einer Demonstration gegen das Mullah-Regime eine Rede halten.
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