Kanzler Friedrich Merz bei der Münchner Sicherheitskonferenz, hinter ihm US-Außenminister Marco Rubio.
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Kanzler Friedrich Merz bei der Münchner Sicherheitskonferenz, hinter ihm US-Außenminister Marco Rubio.

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Sonnenbrille und Selbstbehauptung: Der Auftakt der MSC

Sonnenbrille und Selbstbehauptung: Der Auftakt der MSC

Am ersten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz wird vor allem eines deutlich: Die Weltordnung wankt – und Europa ringt um seine Rolle. Frankreichs Präsident Macron fordert europäische Entschlossenheit, Kanzler Merz warnt die USA vor Alleingängen.

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

"Ich möchte in einem etwas leichteren Tonfall beginnen", sagt der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, und setzt eine getönte Sonnenbrille auf. "Was vor ein paar Wochen in Davos passiert ist, muss ja nicht unbedingt in Davos bleiben", erklärt er – und erinnert damit an den viralen Sonnenbrillen-Auftritt von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim Weltwirtschaftsforum in der Schweiz. Dieser hatte seine dunkle Brille auch am Rednerpult wegen einer Augenentzündung nicht abgenommen.

Merz: Europa hat Urlaub von der Weltgeschichte beendet

Es bleibt einer der wenigen heiteren Momente am recht ernsten Eröffnungstag der 62. Münchner Sicherheitskonferenz. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) appelliert in seiner Rede einmal mehr an die Europäer, eine eigene Agenda zu setzen und sich auf die eigene Stärke zu besinnen. Als ersten Schritt bezeichnet er die Erkenntnis, dass es die bisherige internationale Ordnung nicht mehr gebe. "Europa hat seinen langen Urlaub von der Weltgeschichte beendet", so der Kanzler.

Mit Blick auf China sagt er: "Der Führungsanspruch der USA ist angefochten, vielleicht schon verspielt." Aus diesem Grund warnt er die USA vor einem Alleingang in der Welt und bietet eine Erneuerung der transatlantischen Partnerschaft an. Die wichtigste Passage seiner Rede hält er auf Englisch: Ein Teil der Nato zu sein bringe nicht nur Vorteile für die Europäer, sondern auch für die Vereinigten Staaten. "Im Zeitalter der Großmächte werden auch die USA auf dieses Vertrauen angewiesen sein. Selbst sie stoßen an die Grenzen der eigenen Macht, wenn sie im Alleingang unterwegs sind."

Macron: "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen"

Frankreichs Präsident Macron, diesmal ohne Sonnenbrille, zeichnet ein Jahr nach der vernichtenden Rede von US-Vizepräsident J.D. Vance ein positives Bild Europas: Der Kontinent sei ein Ort der Zusammenarbeit und müsse stolz auf sich sein. Als Beispiel nennt er die Lebenserwartung, Wissenschaft und Klimapolitik - Aspekte, an denen Vance Kritik geäußert hatte. Macron betont: Dort, wo andere Bedrohung sehen würden, sehe er Stärken. Wo andere Zweifel hätten, wittere er Chancen.

An die anderen europäischen Länder appelliert er: "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen". Nach außen hin müsse Europa selbstbewusster auftreten, dürfe sich nicht so oft "herunterspielen und zurücknehmen". Der erste Schritt dafür sei im kleinen Kreise bereits getan: "Wir haben mit unseren britischen und deutschen Kollegen schon begonnen, das zu verhandeln." Weitere Partner müssten nun an diesen Gespräche beteiligt werden.

Schah-Sohn Pahlavi: Iraner haben diesmal "wirklich genug"

Eine der Regeln auf der Münchner Sicherheitskonferenz lautet: "Adress the elephant in the room" (Den Elefanten im Raum ansprechen). Der älteste Sohn des früheren Schahs, Reza Pahlavi, findet bei seinem Auftritt deutliche Worte. Er fordert eine humanitäre Intervention im Iran. "Wenn die Menschen rufen 'Tod dem Diktator!', dann heißt das, dass sie tiefgreifende Veränderungen wollen, grundlegende Veränderungen", so Pahlavi. "Wenn sie mich also fragen, ob dieses Mal die Nation wirklich genug hat? Ja!", so der Schah-Sohn.

Der Iran brauche dabei Hilfe. "Die Frage ist: Ist die Welt dieses Mal auf der richtigen Seite?" US-Präsident Donald Trump wisse, dass das iranische Volk ihn um Unterstützung gebeten habe. "Wir können nur kämpfen, wir haben keine andere Möglichkeit, als uns zu befreien." Pahlavi selbst will nach eigenen Worten einen demokratischen Iran, strebt aber selbst nicht nach Macht. Sein Fokus liege darauf, das Land zu befreien – von einem wie eine "Tötungsmaschine" agierenden Regime. Wahr ist allerdings auch: Pahlavi spricht nicht für die gesamte iranische Opposition.

Auch Ukraine Thema – hinter verschlossenen Türen

Am morgigen Samstag spricht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Sicherheitskonferenz – schon am ersten Tag ist die Ukraine aber eines der bestimmenden Themen. Kanzler Merz und Großbritanniens Premierminister Keir Starmer tauschen sich hinter verschlossenen Türen mit Selenskyj aus, auch Nato-Chef Mark Rutte ist dabei.

Details werden nicht bekannt. Rutte spottet allerdings zuvor in ungewohnt deutlichen Worten über Russlands Angriffskrieg in der Ukraine. Der sogenannte russische Bär existiere nicht. "Unterm Strich bewegt sich das kaum schneller als eine Gartenschnecke."

Bildrechte: BR/ Jürgen P. Lang
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Eingang zum bayerischen Hof, wo die Sicherheitskonferenz stattfindet.

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