Es ist eine wahrlich historische Rede gewesen: Erstmals seit 35 Jahren hat mit König Charles III. wieder ein britischer Monarch vor dem US-Kongress in Washington gesprochen. Doch was Charles in seiner gut halbstündigen Ansprache zu sagen hatte, dürfte für viele Anhänger von US-Präsident Donald Trump unbequem gewesen sein: Charles rief die USA zum Zusammenhalt mit westlichen Verbündeten auf.
Charles: Partnerschaft zwischen Europa und USA "wichtiger denn je"
Kein Land könne die großen Herausforderungen der heutigen Zeit "alleine bewältigen", sagte Charles vor den beiden Kammern des US-Parlaments. Großbritannien und die USA könnten sich daher auch nicht "auf vergangenen Errungenschaften ausruhen". "Welche Differenzen und Meinungsverschiedenheiten es auch zwischen uns geben mag, wir stehen zusammen in unserem Engagement für die Bewahrung der Demokratie." Die Partnerschaft zwischen Europa und den USA sei "heute wichtiger denn je".
In seiner Rede, die laut dem Buckingham-Palast unpolitisch sein sollte, warnte Charles eindringlich vor Isolationismus - was als Anspielung auf die "America First"-Politik von US-Präsident Donald Trump gewertet wurde. Ohne Trumps Namen in diesem Kontext zu nennen, betonte der Monarch die Bedeutung der Nato, insbesondere auch im Ukraine-Krieg.
König ruft USA zur Verteidigung der Ukraine auf
Charles III. sagte, das Engagement und die Kompetenz der US-Streitkräfte und ihrer Verbündeten bildeten das Herz der Nato. "Von den Tiefen des Atlantiks bis zu den katastrophal schmelzenden Eiskappen der Arktis", sagte Charles, was als Verweis auf den Klimawandel gewertet werden kann, den Trump praktisch leugnet. Die Verbündeten seien einander zur Verteidigung verpflichtet, sagte Charles – zum Schutz vor den "gemeinsamen" Gegnern.
Mit Blick auf die Ukraine mahnte der britische König die Einigkeit des Westens an: Um einen "wirklich gerechten und dauerhaften Frieden" im Ukraine-Krieg zu erreichen, sei eine "unbeugsame Entschlossenheit" erforderlich, wie sie von den Verbündeten unter anderem in den Weltkriegen, im Kalten Krieg sowie in Afghanistan und nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf die Vereinigten Staaten gezeigt worden sei, sagte der König.
Natur als "unser wertvollstes und unersetzliches Gut"
Neue Bedrohungen erforderten zudem stärkere Verteidigungsanstrengungen. In seiner Rede vor dem US-Kongress gab Charles gleichzeitig auch den Trump-Anhängern im Saal Gelegenheit zum Applaus, etwa für gemeinsame Rüstungsprojekte oder gegenseitige Wirtschaftsinvestitionen.
Daneben ging er noch deutlicher auf die Gefahr des Klimawandels ein. Charles bezeichnete die Natur als "unser wertvollstes und unersetzliches Gut". Unsere Generation müsse entscheiden, wie dem Zusammenbruch kritischer Ökosystem begegnet werden könne. Dieser bedrohe weit mehr als die Harmonie und die unverzichtbare Vielfalt der Natur. "Wir ignorieren auf eigene Gefahr", dass diese natürlichen Systeme die Grundlage für Wohlstand und Sicherheit bildeten, sagte der König.
Aufsehen um Post mit "zwei Königen"
Mit Verweis auf die Magna Carta und die amerikanische Bill of Rights erklärte Charles, die Exekutivgewalt unterliege "Kontrollen und Gegengewichten". US-Medienberichten zufolge hat Trump in seiner zweiten Amtszeit bereits mehrfach mit monarchischer Symbolik kokettiert. Der Präsident selbst wies den Vorwurf, sich wie ein König zu verhalten, kürzlich in einem Interview zurück.
Dennoch wird der aktuelle Staatsbesuch Charles von einem diplomatischen Fauxpas in diese Richtung überschattet: Für Aufsehen sorgte ein Beitrag des Weißen Hauses auf Sozialen Medien, der ein Foto von Präsident Donald Trump und Charles mit der Bildunterschrift "Zwei Könige" versah. Kritiker hoben hervor, dass die USA nach einem Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Krone gegründet wurden und das Volk der Souverän sei.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
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