Ein Stromausfall in der Nacht hat die baden-württembergische Stadt Reutlingen sowie die benachbarten Gemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt südlich von Stuttgart über Stunden lahmgelegt: Telefon und Internet funktionieren nach wie vor nur eingeschränkt. Auch Ampeln waren ausgefallen. Örtlich wurde der Verkehr durch die Polizei geregelt.
- Zum Artikel von swr.de: Großer Stromausfall in Reutlingen – 30.000 Menschen betroffen
Ermittler vermuten Brandstiftung – Antiterrorzentrum ermittelt
Ermittler haben nach dem Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen einen möglichen Brandbeschleuniger gefunden. "Es gibt Anzeichen, dass ein Brandbeschleuniger benutzt wurde", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Stuttgart. Am Brandort seien Spuren gesichert worden. Diese müssten nun ausgewertet werden.
Nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen könnte der Brand gezielt gelegt worden sein. Die Vorgehensweise deute auf linksextremistische Täter hin und weise Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts hätten die Ermittlungen übernommen, erklärte der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) am Montagabend.
"Wir gehen davon aus, dass es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Brandanschlag handelt", sagte auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im ZDF. Notwendige Spuren seien ermittelt worden. "Jetzt geht es darum, dass man in alle Richtungen weiter ermittelt, um die Grundlage dieses Brandanschlags und die Täter entsprechend auch zu ermitteln", betonte der CSU-Politiker.
Feuerwehr und Polizei wollen Bevölkerung mit Nötigstem versorgen
Nach Angaben von Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck waren am frühen Abend noch 7.600 Haushalte ohne Strom. Das betrifft rund 30.000 Menschen. Auch Unternehmen sind betroffen: Nach SWR-Informationen hat das Bosch-Werk in Kusterdingen weiterhin keinen Strom.
Auch das Reutlinger Klinikum war für mehrere Stunden von dem Stromausfall betroffen. Die Klinik konnte sich mit einer Notstromversorgung behelfen. Nach Angaben der Stadt konnte das Umspannwerk Mitte seinen Betrieb nach mehreren Stunden wieder aufnehmen, weshalb die Innenstadt und damit auch das Krankenhaus wieder mit Strom versorgt wurden. Insgesamt seien zehn Operationen verschoben worden.
Notfalltreffpunkt für betroffene Bürger mit Auflademöglichkeiten
Für die Nacht werde ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, sagte der Finanz- und Wirtschaftsbürgermeister der Stadt Reutlingen, Roland Wintzen. Dort sollen Menschen etwa ihr Handy laden oder Babynahrung erwärmen können. Die Einschränkungen für die Menschen sollten so gering wie möglich gehalten werden.
Laut Angaben des Netzbetreibers "Netze BW" sind seit etwa 7.15 Uhr rund die Hälfte der betroffenen 20.000 Kunden wieder versorgt. Demnach war das Umspannwerk Reutlingen-West gegen 1.45 Uhr infolge eines Feuers ausgefallen. Nach dpa-Informationen geht der Schaden in Millionenhöhe.
Vorfall erinnert an Brandanschlag in Berlin
Der Vorfall erinnert an einen mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung eines Berliner Technologieparks. Nach dem Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe von einem Stromausfall betroffen. Ein weiterer Anschlag auf Starkstromkabel in Berlin war 3. Januar verübt worden. Er dauerte noch länger als der im September.
Mit Information von dpa und AFP.
Im Video: Reutlingen - Verdacht auf Brandstiftung nach Stromausfall
In der Nacht ist es in der Großstadt Reutlingen, südlich von Stuttgart, zu einem großflächigen Stromausfall gekommen.
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