(Symbolbild) Eine vermummte Person in schwarzem Hoodie steht vor einem Hintergrund mit digitalem Code.
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(Symbolbild) Immer mehr Kinder und Jugendliche radikalisieren sich online – das stellt die Generalstaatsanwaltschaft München fest.
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"Terror-Teenager" machen den Behörden zunehmend Sorgen

"Terror-Teenager" machen den Behörden zunehmend Sorgen

Immer mehr Kinder und Jugendliche radikalisieren sich online – das stellt die Generalstaatsanwaltschaft München fest. Im Visier: vor allem islamistisch geprägte Gruppierungen, Rechtsextremisten und sogenannte "Sadisten-Netzwerke".

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Ein 14-Jähriger aus der Region Augsburg verletzt sich beim Hantieren mit Sprengstoff. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass er an die Anleitung zum Bombenbauen über Internetseiten des selbst ernannten Islamischen Staates (IS) gekommen war. Die Ermittler vermuten, dass er sogar einen Anschlag auf eine Synagoge plante – der Jugendliche kam in Untersuchungshaft.

Islamisten stacheln Jugendliche zu Judenhass auf

Ein anderer islamistisch geprägter Jugendlicher zeigt in Chats seinen Hass gegen Juden: "Man muss wieder einen Holocaust machen", heißt es da. Oder: "Ich hoffe, die werden alle von Nazis vergewaltigt". Andere Jugendliche drehen ein kurzes Video, in dem sie im IS-Stil eine Hinrichtung nachspielen – als Text dazu ist zu hören: "Dieser Kafir (Anm. der Red.: Ungläubiger), dieser Verräter wurde von uns festgenommen. Er ist ein Krimineller und er hat Leute getötet." Dann folgt ein stilisierter Kopfschuss, wenn auch nur mit einer Spielzeugpistole.

Die Hauptgefahr für Jugendliche gehe tatsächlich von Islamisten aus, erläutert Oberstaatsanwalt Achim von Engel. Er leitet bei der Generalstaatsanwaltschaft in München die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET). Das Phänomen von immer jüngeren Tätern bezeichnet er als "sehr besorgniserregend". Die meisten Täter seien männlich, im Bereich des Islamismus handele es sich "überproportional um migrantische Jugendliche".

Rassistische Motive dominieren bei Rechtsextremisten

An zweiter Stelle nennen die Ermittler Rechtsextremisten, die das Internet nutzen, um Jugendliche zu Gewalttaten zu bewegen. Hier spielt vor allem der Gedanke einer angeblichen Überlegenheit der weißen Rasse ("white supremacy") eine Rolle. Ein Jugendlicher präsentiert sich in diesem Sinn nach Angaben der Ermittler als "Übermensch" und phantasiert im Netz darüber, wen er alles erschießen will, der nicht in sein radikales Weltbild passt.

Ein Ziel radikalisierter Jugendlicher: Viele Opfer, um berühmt zu werden

Nicht in jedem Fall folgen auf solche Gewaltankündigungen auch tatsächliche Gewalttaten, erläutert das Team der ZET. Doch man treffe auf Jugendliche, die bereits genau frühere Anschläge und Amokläufe studiert hätten – mit dem selbst erklärten Ziel, noch mehr Menschen zu töten und damit berühmt zu werden. So ein 17-Jähriger, der ein Video zum Massaker an der Columbine High School aus dem Jahr 1999 mit den Worten kommentiert: "I'll start shooting anyway" – zu Deutsch: "Ich werde trotzdem mit dem Schießen beginnen". Den Hinweis darauf bekamen die Behörden von Google.

Ein wenig bekanntes Phänomen, das die Ermittler als mit das Schlimmste benennen, was sie zu sehen bekommen: Jugendliche, oft schon Kinder, die in die Fänge von "Sadisten-Netzwerken" geraten. Hier würden gezielt Jugendliche mit psychischen Problemen im Internet angesprochen, zum Beispiel solche, die sich in Foren über Depressionen austauschen. Zunächst würden sie mit äußerst freundlichen Nachrichten umgarnt, um sie später zum Beispiel zur Aufnahme von Nacktbildern zu überreden. Anschließend werden die Betroffenen dann den Ermittlern zufolge erpresst und zu erniedrigenden Handlungen an sich selbst gezwungen. Zum Teil würden die Betroffenen sogar in den Selbstmord getrieben.

Sensibilität für Gefahren des Internets stärken

Aus Sicht der Ermittler kommt der Präventionsarbeit angesichts der steigenden Fallzahlen des Phänomenbereichs "Terror-Teenager" eine wachsende Bedeutung zu. Es brauche mehr Sensibilität für die Gefahren des Internets bei Eltern, in Schulen und Behörden. Das Problem sei, so Oberstaatsanwalt von Engel, "dass Kinder und Jugendliche in einer schwierigen Entwicklungsphase ungefilterten und ungehemmten Zugang zu extrem problematischen Inhalten haben".

Als Aufforderung zu Social-Media-Verboten für bestimmte Altersgruppen will von Engel das nicht verstanden wissen – die Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen müsse die Politik ziehen. Zuletzt hatte sich Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) für eine Altersgrenze von 13 Jahren für Social Media ausgesprochen.

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