Die Chancen auf einen gutgelaunten Donald Trump beim Nato-Gipfel im türkischen Ankara waren gering – darauf wiesen schon dessen vorab geäußerte Beschwerden über die angeblich mangelnde Zahlungsmoral der Bündnispartner hin. Am Dienstag dann die neue Eskalation im Irankrieg – und dazu das blamable Ausscheiden der US-Fußballnationalmannschaft gegen Belgien trotz präsidentieller Rückendeckung.
Rutte: USA stehen zur Allianz
Umso bemühter die Zustimmungsoffensive, die Nato-Generalsekretär Mark Rutte heute im Eröffnungsgespräch mit dem Gast aus USA startete. Die neuen US-Angriffe auf iranische Ziele seinen "absolut notwendig" gewesen. Der Iran habe "im Grunde genommen" die Waffenruhe verletzt, da sei es "vollkommen entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren". Zuvor hatte Rutte schon die Erwartung Trumps, dass die Bündnispartner ihre Verteidigungsausgaben an die der Vereinigten Staaten angleichen, als "vollkommen fair" bezeichnet. Dafür, so Rutte, gebe es ja auch "ein uneingeschränktes Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur Nato".
Trump: "Ich bin sehr verärgert über die Nato"
Von Trump war dergleichen allerdings nicht zu hören. Stattdessen äußerte sich der US-Präsident erbost über das Verteidigungsbündnis. "Ich bin sehr verärgert über die Nato", sagte er bei seinem Treffen mit Rutte. Die Allianz habe Washington im Iran-Krieg nicht geholfen. Und: "Ich bin nicht glücklich mit der Nato wegen dem, was sie mit Grönland gemacht haben."
Neue Drohungen Richtung Grönland
Die Arktis-Insel solle von den Vereinigten Staaten und nicht von Dänemark kontrolliert werden, erneuerte Trump eine Drohung von Anfang des Jahres, als er offen mit einer Übernahme gedroht hatte. Trumps Begründung: Das zum Königreich Dänemark gehörende Territorium sei sonst nicht vor Russland und China sicher – und damit auch nicht die USA.
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen reagierte anders als Rutte konfrontativ. "Grönland steht natürlich nicht zum Verkauf", sagte sie. Die größte Insel der Welt gehöre trotz politischer Eigenständigkeit zu Dänemark. "Natürlich werden wir das Königreich Dänemark verteidigen", so Frederiksen vor der Arbeitssitzung der Staats- und Regierungschefs.
Spanien – "ein schrecklicher Nato-Partner"
Als nächstes knöpfte sich Trump Spanien vor, das sich den amerikanischen 5-Prozent-Forderungen verweigert (Link zur Tagesschau) – dafür sei man an Auslandsmissionen etwa im Baltikum und der Slowakei beteiligt.
Für Trump ist Spanien dennoch "ein schrecklicher Nato-Partner", mit dem die USA keinen Handel mehr treiben würden. "Ich will nichts mit Spanien zu tun haben. Alle Handelsbeziehungen mit Spanien sollten abgebrochen werden", und zwar "sofort".
Merz: "Wir haben geliefert"
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine seine Ehefrau Charlotte waren schon beim Dinner am Dienstagabend mit Trump zusammengetroffen. Man habe sich "weitgehend den gesamten Abend" über politische und private Themen unterhalten. Öffentlich wies Merz auf die deutliche Steigerung des deutschen finanziellen Engagements seit dem letzten Gipfel in Den Haag hin. Die Bundesregierung hat der Nato für das laufende Jahr einen Betrag von 124,7 Milliarden Euro gemeldet. Dies entspricht einer Steigerung um 25,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Wir haben geliefert", so Merz.
Vor dem Gipfel hatte Trump die Verteidigungsausgaben wichtiger Verbündeter wie Deutschland, Großbritannien und Italien als "lächerlich" bezeichnet, sich dabei aber nach deutschen Angaben auf veraltete Zahlen berufen.
Belgien und die rote Karte
Der belgische Ministerpräsident Bart de Wever, der beim Auftaktdinner ebenso wie das Ehepaar Merz, Rutte, Gastgeber Recep Tayyip Erdogan und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Tisch saß, verband seine Ausführungen über das Nato-Engagement für die Ukraine mit einer rhetorischen Spitze gegen Trump. De Wever verwies darauf, dass die Nato der Ukraine in diesem Jahr und 2027 Militärhilfe in Höhe von je 70 Milliarden Euro bereitstellen wolle. "Das ist auch eine sehr deutliche Rote Karte für Putin", sagte der Regierungschef und fügte hinzu: "Eine Rote Karte kann man nicht einfach zurücknehmen. Das wissen Sie."
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