Im September 2025 wurde Probebohrung in Reichling beendet - es könnten weitere folgen
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Die Probebohrung in Reichling ist bereits beendet - nun könnten weitere folgen
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Appell an Aiwanger: Trinkwasser wichtiger als Erdgas

Appell an Aiwanger: Trinkwasser wichtiger als Erdgas

In einem offenen Brief an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordern Kommunalpolitiker aus dem Kreis Landsberg die weitere Suche nach Erdgasvorkommen im Landkreis auf Eis zu legen. Sie sehen die Trinkwasserversorgung in Gefahr.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

In einem Schreiben an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) legen die Landsberger Landrätin Daniela Groß und sechs Bürgermeister ihre Sorgen um die Trinkwasserversorgung in der Region dar. Der Tenor: Erst wenn diese sichergestellt sei, könne über eine etwaige Gasförderung entschieden werden.

Bereits im vergangenen Jahr wurde im Ort Reichling nach Erdgas gesucht. Die Probebohrung hatte zahlreiche Demonstrationen und Protestaktionen von Umweltaktivisten zur Folge. Auf der naheliegenden, rund 100 Quadratkilometer großen Konzessionsfläche "Lech-Ost" könnten nun bis zu zehn weitere Bohrungen stattfinden. Diese hätten die beteiligten Firmen laut des offenen Briefs bereits angekündigt. Unterzeichnet wurde der Brief außer von Landrätin Daniela Groß (Grüne) auch von den Bürgermeistern aus Reichling, Utting, Dießen, Vilgertshofen, Rott und Pürgen.

Aiwanger soll Erlaubnis zur Erdgassuche nicht verlängern

Die Erlaubnis zur Erdgassuche in diesem Gebiet läuft allerdings zum Ende des Monats aus. Die Politiker fordern nun Aiwanger auf, erst über eine Verlängerung zu entscheiden, wenn die Trinkwasserversorgung in der Region gesichert sei. Hintergrund ist unter anderem die Suche nach neuen Trinkwasserbrunnen in Reichling.

Suche nach neuen Quellen bislang erfolglos

Seit Jahren wird eine neue Quelle gesucht. Bisher konnte trotz mehrfacher Bohrungen allerdings kein passender Platz gefunden werden. Und auch im Bereich des "Zweckverbands Wasserversorgungsgruppe Ammersee-West" laufen aktuell umfangreiche Untersuchungen zur langfristigen Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Der Bürgermeister der Gemeinde Utting - Florian Hoffmann (CSU/Bürgervereinigung) - der auch der Vorsitzende der Wasserversorgungsgruppe ist, bestätigt dem BR, dass aktuell in Zusammenarbeit mit dem Markt Dießen mehrere Probebohrungen laufen. So soll das Wassereinzugsgebiet der Brunnen definiert und festgesetzt werden. Laut Hoffmann dürften Gasbohrungen in diesem Bereichen dann nicht mehr möglich sein.

Daseinsvorsorge vor privatwirtschaftlichen Interessen

Die Lokalpolitiker befürchten, dass durch die Erdgassuche das Trinkwasser generell verunreinigt werden könnte und die Suche nach Standorten für Trinkwasserbrunnen erschwert würde. Denn durch die Gasbohrungen würden grundwasserschützende Schichten geschwächt und so Schadstoffeinträge leichter möglich.

Laut Landrätin Groß sei die sichere Versorgung der Menschen mit Trinkwasser Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und habe oberste Priorität. Sie müsse daher Vorrang vor privatwirtschaftlichen Interessen haben.

Stellungnahme von Gasförderfirma steht noch aus

Auf BR-Anfrage teilt das Wirtschaftsministerium mit, dass die im Schreiben geäußerten Bedenken zur Trinkwasserversorgung und zur Suche nach neuen Brunnen ernst zu nehmen seien. Allerdings sei bisher auch noch kein Antrag auf eine Verlängerung für die Erdgassuche im Gebiet "Lech-Ost" eingegangen und die Erlaubnis laufe somit Ende Juli aus.

Vom Tisch ist das Thema damit aber nicht. Der Antrag könne noch bis Ende des Monats und auch danach nochmal neu eingereicht werden. Eine Entscheidung würde dann wohl in drei bis sechs Monaten fallen. Die betreffende Firma "Genexco Gas GmbH" aus Berlin war für ein Statement bisher nicht zu erreichen.

Kommen noch mehr Bohrungen?

Bei den lokalen Umweltaktivisten stößt die Initiative der Politik auf offene Ohren. Chris Baier vom "Zukunftsbündnis Ammersee Lech" zeigt sich dem BR gegenüber hoch erfreut über die klare Haltung. Priorität müsse sein, die Trinkwasserversorgung sicherzustellen - bevor man überhaupt an neue Gasbohrungen denke. Sollte die Genehmigung doch kommen prüft das Bündnis bereits jetzt im Hintergrund rechtliche Schritte gegen die Probebohrungen.

Neben den möglichen neuen Bohrungen im Kreis Landsberg ist die Probebohrung in Reichling bereits seit September 2025 abgeschlossen. Die ausführende Firma prüft aktuell die Ergebnisse auf Wirtschaftlichkeit und will dann entscheiden, ob sie das Gas tatsächlich fördern will.