DISCLAIMER: Dieser Faktencheck wurde recherchiert und verfasst im Rahmen einer Kooperation von ARD-faktenfinder und DW Fact check. Der ARD-faktenfinder hat diesen Text zuerst veröffentlicht. Stand: 21.01.2026, 22:02 Uhr.
In seiner Rede in Davos hat US-Präsident Donald Trump gleich mehrere Falschbehauptungen aufgestellt. Einige der Relevantesten davon betrafen die aktuelle Diskussion um Grönland, die Energiepolitik Deutschlands und Chinas sowie die Nato
USA haben Grönland nie besessen
An mehreren Stellen bezog sich Trump auf die Präsenz des US-Militärs in Grönland im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg. So sagte er beispielsweise: "Wir haben für Dänemark gekämpft. Wir haben für niemanden sonst gekämpft. Wir haben gekämpft, um es zu retten. (...) Alles, was die Vereinigten Staaten verlangen, ist ein Ort namens Grönland, den wir bereits als Treuhänder hatten, aber vor nicht allzu langer Zeit, nachdem wir die Deutschen, Japaner, Italiener und andere im Zweiten Weltkrieg besiegt hatten, respektvoll an Dänemark zurückgegeben haben. Wir haben es ihnen zurückgegeben." Diese Aussage ist irreführend.
Die USA verteidigten Grönland (externer Link) während des Zweiten Weltkriegs, aber sie besaßen das Land nie – und konnten es daher auch nicht zurückgeben. Die Vereinigten Staaten kämpften weder als unabhängige Militärmacht für Dänemark noch "retteten" sie es im Sinne einer Befreiung von der deutschen Besatzung.
Dänemark wurde im April 1940 von Nazi-Deutschland besetzt, wodurch Grönland vom dänischen Staat abgeschnitten wurde. Um zu verhindern (externer Link), dass Deutschland Zugang zu Grönlands strategisch günstiger Lage und seinen wertvollen Kryolith-Minen - die für die Aluminiumproduktion für Flugzeuge genutzt werden - erhielt, schalteten sich die Vereinigten Staaten ein.
Mit Zustimmung des dänischen Botschafters in Washington - der unabhängig handelte, da Dänemark besetzt war (externer Link) - erklärten sich die USA bereit, Grönland zu verteidigen. Die US-amerikanischen Streitkräfte errichteten Militärstützpunkte, Wetterstationen und Flugplätze und schützten die Insel so wirksam vor der deutschen Kontrolle, ohne ihre rechtliche Souveränität zu ändern.
Obwohl es zu vereinzelten Zusammenstößen (externer Link) zwischen der deutschen Armee und dänisch geführten Inselpatrouillen kam, wurde Grönland nie von Nazi-Deutschland besetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Grönland Teil des Königreichs Dänemark, obwohl das militärische Engagement der USA während des Kalten Krieges fortgesetzt wurde, insbesondere mit dem Bau der Thule Air Base (externer Link). Es handelte sich jedoch nicht um eine Übertragung des Eigentums.
Abkommen: USA haben die Pflicht, Grönland zu verteidigen
Auch sagte Trump: "Alles, was wir verlangen, ist, Grönland zu bekommen, einschließlich der Eigentumsrechte, denn man braucht das Eigentumsrecht, um es verteidigen zu können." Mit einem Pachtvertrag könne man es nicht verteidigen, das sei rechtlich gesehen nicht vertretbar, "überhaupt nicht". Diese Aussage ist irreführend.
Die USA sind verpflichtet, Grönland zu verteidigen. Die Verteidigungsvereinbarungen (externer Link) beruhen auf Abkommen zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten sowie den Verpflichtungen innerhalb der Nato. Grönland ist Teil des Königreichs Dänemark und fällt unter die kollektive Beistandsverpflichtung der Nato, gemäß Artikel 5, der besagt, dass ein Angriff auf einen Verbündeten als Angriff auf alle Verbündeten gilt.
Darüber hinaus unterhalten die USA Verteidigungsvereinbarungen in Grönland auf Grundlage eines bilateralen Abkommens mit Dänemark. Dieses erlaubt es US-amerikanischen Streitkräften, dort zu operieren, ohne dass damit eine Übertragung von Souveränität verbunden ist. Grundsätzlich ist der Besitz eines Territoriums rechtlich nicht erforderlich, um dessen Verteidigung zu übernehmen, sofern die Regierung des betreffenden Gebiets einer militärischen Zusammenarbeit zustimmt.
Viele Staaten, darunter auch die USA, schließen Pacht- oder Stützpunktabkommen mit anderen Ländern, die militärische Präsenz ermöglichen, ohne Hoheitsrechte zu übertragen. Laut einem Bericht des Congressional Research Service (externer Link) aus dem Jahr 2024, verwaltet oder nutzt das US-Verteidigungsministerium mehr als 128 Militärstützpunkte in mindestens 51 Ländern (externer Link). Eine Studie des Quincy Institute for Responsible Statecraft (externer Link) aus dem Jahr 2021 geht sogar von bis zu 750 militärischen Einrichtungen in rund 80 Ländern und Gebieten aus.
Ein Beispiel dafür sind die Philippinen: Dort unterhielten die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg auf Grundlage langfristiger Abkommen Militärbasen wie die Clark Air Base und den Marinestützpunkt Subic Bay (externer Link). Diese Vereinbarungen ermöglichten es den USA, bedeutende Verteidigungsinfrastrukturen zu betreiben, ohne Eigentum am Territorium zu besitzen – und unter Wahrung der philippinischen Souveränität.
Nato-Mitgliedsstaaten unterstützen die USA im Kampf gegen den Terror
Über die Nato ließ sich Trump in seiner Rede gleich mehrfach aus. So behauptete der US-Präsident, die USA hätten niemals etwas von der Nato bekommen, obwohl sie für die Nato bezahlt hätten. Doch das ist falsch.
Denn die Behauptung, die USA hätten nicht von der Nato profitiert, unterschlägt die Tatsache, dass nach den Anschlägen vom 11. September 2001 viele Mitgliedsstaaten den USA im Kampf gegen den Terror militärisch und finanziell zur Seite standen. Tatsächlich wurde der Bündnisfall, der im für den Nordatlantikvertrag zentralen Artikel 5, als Reaktion auf die Terroranschläge am darauffolgenden Tag, dem 12. September 2001, zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte der Nato ausgelöst.
Mehrere Nato-Staaten beteiligten sich in der Folge an den internationalen Militäreinsätzen "International Security Assistance Force" (ISAF), "Operation Enduring Freedom" (OEF) und an der "Resolute Support Mission" in Afghanistan, darunter auch Deutschland. Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan dauerte rund 20 Jahre und kostete nach Angaben der Bundesregierung bis zum August 2021 rund 12,3 Milliarden Euro. Insgesamt 59 Bundeswehrsoldaten kamen in Afghanistan ums Leben.
Seit Trump: Anstieg der Rüstungsausgaben der Nato-Staaten
Trumps Behauptung, er habe mehr für die Nato getan als jeder andere Präsident, lässt sich nicht direkt in Zahlen belegen oder widerlegen. Klar ist aber, dass seine Drohungen und Andeutungen, das Bündnis zu verlassen oder im Bündnisfall nicht für andere Nato-Staaten einzustehen, dazu beigetragen haben, dass viele Nato-Mitgliedsstaaten ihre Ausgaben für das Militärbündnis deutlich erhöht haben. Bereits während Trumps erster Amtszeit stiegen die Verteidigungsausgaben der europäischen Nato-Staaten und Kanada (externer Link) deutlich, um sechs Prozent im Jahr 2017 und um 18,6 Prozent im Jahr 2024.
Die Zahl der Staaten, die das ursprünglich anvisierte Ziel von zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren, stieg schon im Jahr 2024 von zehn auf 18 Staaten im Vergleich zum Vorjahr, und um weitere 13 Staaten im Jahr 2025, sodass mittlerweile alle Mitgliedsstaaten das Zwei-Prozent-Ziel einhalten. Die USA sind zwar nach wie vor der größte Geldgeber der Nato, aber die anderen Staaten des Bündnisses haben mittlerweile deutlich aufgeholt. Die Ausgaben der USA für die Nato im Jahr vor Trumps erster Amtszeit lagen zwar bei sehr hohen 70 Prozent – 100 Prozent, wie von Trump behauptet, waren es aber nicht.
Strompreise in Deutschland: Anstieg von etwa 29 Prozent – nicht 64 Prozent
Mit Blick auf die Energiepolitik in Deutschland sagte Trump, dass Deutschland heute 22 Prozent weniger Strom erzeuge als im Jahr 2017. Zudem sagte er, dass die Strompreise um 64 Prozent gestiegen seien. Schuld daran seien die Vorgänger von Bundeskanzler Friedrich Merz, so Trump. Doch auch wenn Deutschland im Vergleich zu 2017 wirklich etwa 22 Prozent weniger Bruttostrom erzeugt, ist die Aussage zu den Strompreisen falsch, sofern sich Trump auf das Jahr 2017 bezieht.
Im Jahr 2017 lag der durchschnittliche Strompreis für Haushalte nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) (externer Link) bei 30,4 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Im Jahr 2025 lag er bei 39,3 ct/kWh. Das entspricht einem Anstieg von etwa 29 Prozent – deutlich weniger als die 64 Prozent, die Trump genannt hat. Im Jahr 2026 ist der durchschnittliche Strompreis für Haushalte bislang gesunken: auf 37,2 ct/kWh.
Auch mit Blick auf den durchschnittlichen Strompreis bei Neuabschlüssen für kleine bis mittlere Industriebetriebe sind Trumps Angaben nicht haltbar. Hier lag der Preis im Jahr 2017 bei 17,1 ct/kWh. Im Jahr 2025 war der Wert mit 17,6 ct/kWh nur marginal höher. In diesem Jahr ist er bislang auf 16,0 ct/kWh gesunken.
China: So viel Windenergie wie nirgends sonst
Auch über Windenergie ließ Trump sich in seiner Rede aus. Dabei behauptete er unter anderem, "dass ein Land umso mehr Geld verliert und umso schlechter es ihm geht, je mehr Windräder es hat". Weiter sagte er: "China stellt fast alle Windräder her. Und doch habe ich in China keine Windparks gefunden." China sei sehr klug, weil es Windräder an dumme Leute verkaufen würde und selbst keine nutzen würde. Das ist falsch.
In China wird in absoluten Zahlen so viel Windenergie erzeugt wie in keinem anderen Land der Welt. Nach Angaben des Thinktanks Ember Energy (externer Link) belief sich Chinas Winderzeugung im Jahr 2024 auf 992 Terawattstunden (TWh), was etwa 40 Prozent der weltweiten Windenergieerzeugung ausmachte.
Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Global Energy Monitor (externer Link) baut China zudem "in Rekordtempo Solar- und Windenergie aus". Demnach baut China derzeit 510 Gigawatt (GW) an Solar- und Windkraftkapazität im Versorgungsmaßstab.
Mit Blick auf den Strommix liegt China momentan jedoch noch deutlich hinter anderen Ländern, was den Anteil erneuerbarer Energien angeht. So betrug der Anteil von Windenergie am Strommix im ersten Halbjahr 2025 nach Angaben von Ember Energy insgesamt zwölf Prozent. Insgesamt machten erneuerbare Energien etwa 23 Prozent des Stommixes in China aus, Kohle 56 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland machen erneuerbare Energien etwa 64 Prozent des Stromanteils aus, Windenergie alleine knapp 27 Prozent.
Inflation bereits vor Trumps Amtseinführung stark gesunken
Trump sagte, dass es nach dem ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit praktisch keine Inflation mehr gebe. Als er das Amt übernommen habe, sei die Inflation "rasant hoch" gewesen. Die USA habe zuvor die größte Inflation in der Geschichte seit 48 Jahren gehabt.
Die Inflationsrate der USA liegt im Januar 2026 bei 2,7 Prozent, im Januar 2025 zu Trumps zweiten Amtsantritt lag sie bei 3,0 Prozent, wie Zahlen des US Bureau of Labor Statistics (externer Link) zeigen. Zum Vergleich: Im letzten Monat der Biden-Regierung lag sie bei 2,9 Prozent und befand sich seit Mitte 2023 zwischen 3,7 und 2,4 Prozent. Die aktuelle Inflationsrate liegt immer noch über dem Zielwert der Federal Reserve (externer Link) von zwei Prozent.
Es stimmt, dass die jährliche Inflationsrate in den USA während der Biden-Regierung im Juni 2022 mit 9,1 Prozent einen 40-Jahres-Höchststand erreichte. Allerdings war dies mehr als zwei Jahre vor Trumps Rückkehr und die Inflation ist bereits vor Trumps Amtseinführung stark gesunken.
Reagan hatte 1981 bisher größtes Steuersenkungsgesetz
Trump behauptete, dass er im Juli die größten Steuersenkungen in der US-amerikanischen Geschichte verabschiedet habe. Das ist jedoch nicht richtig.
Trump bezieht sich auf das im Juli 2025 unterzeichnete Gesetzespaket, bekannt als "One Big Beautiful Bill Act" (OBBB), das verschiedene Steuersenkungen und -änderungen enthält und bestehende Steuersätze verlängert. Diese sind zwar erheblich, aber nicht die größten Steuersenkungen der Geschichte der USA.
Die US-amerikanische Faktencheckseite PolitiFact (externer Link) kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass es seit 1980 das drittgrößte Steuersenkungsgesetz ist. An Platz eins stehen Reformen aus dem Jahr 1981 unter Ronald Reagan, gefolgt von Steuererleichterungen, die 2012 unter Barack Obama eingeführt wurden.
Bei dieser Rechnung werden Steuersenkungen hinzugezählt, die bereits 2017 eingeführt wurden und in diesem Jahr verlängert wurden. Das bedeutet: Der tatsächliche Effekt auf die individuelle Steuerlast vieler US-Amerikaner ab dem Steuerjahr 2026 dürfte vergleichsweise gering ausfallen, weil viele der niedrigen Sätze bereits durch die vorherigen Gesetze gelten. Die hauptsächlichen spürbaren Änderungen betreffen unter anderem geringfügige Erhöhungen des Standard- und Kinderfreibetrags sowie neue Erleichterungen, etwa für Einkünfte aus Trinkgeldern und Überstunden oder zusätzliche Abzüge für ältere Steuerzahler.
Betrachtet man nur die neuen Steuersenkungen des OBBB ohne die Verlängerung der 2017er Maßnahmen, fällt es sogar weiter zurück und läge etwa gleichauf mit dem sechstgrößten Steuersenkungsgesetz seit 1980.
Lüge über "gestohlene" Präsidentenwahl
Eine weitere Falschbehauptung, die Trump seit Jahren regelmäßig verbreitet und die auch in der seiner Rede in Davos auftaucht, ist die der angeblich "gestohlenen" Präsidentenwahl 2020. Für diese Behauptung, die auch von weiteren Mitgliedern von Trumps Regierung immer wieder vorgebracht wird, gibt es auch fünf Jahre später keine Beweise.
In seiner Rede wiederholt Trump außerdem seinen Anspruch, seit Beginn seiner zweiten Amtszeit acht Kriege beendet zu haben. Zwar hat Trump durchaus Einfluss auf verschiedene Kriege und Konflikte ausgeübt. Allerdings sind nicht alle Kriege, die das Weiße Haus auf Nachfrage genannt hat, tatsächlich beigelegt. In einem anderen Fall führt das Weiße Haus einen Konflikt auf, bei dem es bisher zwar zu Spannungen zwischen Staaten, nicht aber zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen ist.
Hinweis: Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation der ARD Faktenchecker von ARD-faktenfinder und DW Fact check.
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