06.01.2026, USA, Washington: Präsident Donald Trump kommt in Washington zu einer jährlichen politischen Klausur an.
06.01.2026, USA, Washington: Präsident Donald Trump kommt in Washington zu einer jährlichen politischen Klausur an.
Bild
06.01.2026, USA, Washington: Präsident Donald Trump kommt in Washington zu einer jährlichen politischen Klausur an.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Evan Vucci
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Evan Vucci
Audiobeitrag

06.01.2026, USA, Washington: Präsident Donald Trump kommt in Washington zu einer jährlichen politischen Klausur an.

Audiobeitrag
>

Trump und die westliche Hemisphäre – die "Donroe-Doktrin"

Trump und die westliche Hemisphäre – die "Donroe-Doktrin"

Spätestens seit der Attacke auf Venezuela ist klar geworden: Der außenpolitische Fokus der USA hat sich geändert. In Anlehnung an eine berühmte US-amerikanische Leitlinie spricht Präsident Trump von der "Donroe-Doctrine". Was es damit auf sich hat.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Der Golf von Mexiko soll "Golf von Amerika" heißen, den Panama-Kanal könne man übernehmen und Grönland brauche man unbedingt: Schon früh machte Donald Trump in seiner zweiten Präsidentschaft klar, dass sich sein außenpolitischer Fokus von dem seiner Vorgänger unterscheidet.

Am deutlichsten machten die USA das mit Angriffen auf mutmaßliche Drogenboote und schließlich mit der Attacke auf Venezuela samt Festnahme des Machthabers Nicolás Maduro. "Die westliche Hemisphäre ist unsere Nachbarschaft – und wir werden sie verteidigen", schrieb US-Verteidigungsminister Pete Hegseth auf X. Trump selbst bezeichnet den außenpolitischen Wandel als "Donroe-Doktrin" – der Name, eine Mischung aus seinem Vornamen "Donald" und der vor über 200 Jahren eingeführten "Monroe-Doktrin". Der Begriff "Donroe-Doktrin" war eine Schöpfung der New York Post, die diesen Begriff vor einem Jahr auf ihrer Titelseite (externer Link) hatte und den Trump nun übernahm.

Was ist die Monroe-Doktrin?

Die Monroe-Doktrin bezieht sich auf James Monroe, einen der Gründungsväter der USA und Präsidenten von 1817 bis 1825. In seiner Rede an den Kongress im Jahr 1823 machte er eine Ansage an die europäischen Mächte: Die westliche Hemisphäre sei die Einflusssphäre der USA, und Europa habe sich herauszuhalten. Sollte es dennoch Versuche geben, werde Washington entsprechend reagieren. Umgekehrt würden die Vereinigten Staaten sich nicht in die Angelegenheiten Europas (inklusive dessen Kolonien auf den amerikanischen Kontinenten) einmischen. Diese Ankündigung galt fortan als die Monroe-Doktrin.

Hintergrund war die Sorge, dass Mächte wie Spanien und Portugal erneut versuchen könnten, Südamerika zu kolonialisieren, und dass Russland sich im westpazifischen Raum ausbreiten könnte. Im Laufe der Zeit wurde die Monroe-Doktrin immer wieder aufgegriffen und teils erweitert: Theodore Roosevelt, Präsident von 1901 bis 1909, sah ergänzend zu Monroe die USA als "internationale Polizeimacht" und leitete daraus ab, dass man das Recht habe, in lateinamerikanischen Ländern zu intervenieren.

Monroe-Doktrin: Weiterentwicklung und vorläufiges Ende

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg mischten sich die USA immer wieder in Mittel- und Südamerika ein. Gegner waren nicht mehr die Europäer; die Angst vor sowjetischem Einfluss sorgte stattdessen dafür, dass man beim Sturz von unliebsamen Präsidenten mithalf und andere Machthaber stützte, die zwar nicht demokratisch, aber dafür antikommunistisch waren.

Die Monroe-Doktrin war eine geltende Leitlinie, die erst vor wenigen Jahren infrage gestellt wurde. John Kerry, Außenminister unter Barack Obama, erklärte 2013: "Die Ära der Monroe-Doktrin ist vorbei". Es gehe stattdessen darum, dass die amerikanischen Staaten "einander als Gleichberechtigte sehen".

Einfluss von Marco Rubio

Nun erlebt Monroe ein Revival unter Trump. Für viele hängt das auch mit dem Einfluss von Marco Rubio zusammen – Rubio ist der erste seit Henry Kissinger, der Außenminister und gleichzeitig Nationaler Sicherheitsberater ist. Der 54-Jährige gilt als Falke mit Fokus auf Lateinamerika. Man werde verhindern, "dass die westliche Hemisphäre zu einer Operationsbasis für Gegner, Wettbewerber und Rivalen der Vereinigten Staaten wird", sagte Rubio.

Gleichzeitig nehmen die USA immer mehr Einfluss: Trump drohte jüngst Mexiko und Kolumbien mit Eingriffen, wohlgesonnene Präsidenten wie Argentiniens Javier Milei werden dagegen mit Milliardenkrediten unterstützt.

Sicherheitsstrategie: Westliche Hemisphäre im Fokus

In der Ende November veröffentlichten US-Sicherheitsstrategie war der neuentdeckte Fokus auf die eigene Hemisphäre bereits festgehalten – "nach Jahren der Nichtbeachtung", wie es dort heißt. Statt von einer "Donroe-Doktrin" ist in dem Papier noch von einem "Trump-Korollar" zur Monroe-Doktrin die Rede: "Wir werden nicht-hemisphärischen Wettbewerbern die Fähigkeit verweigern, Streitkräfte oder andere bedrohliche Fähigkeiten in unserer Hemisphäre zu positionieren oder strategisch wichtige Anlagen zu besitzen oder zu kontrollieren."

Viele Beobachter sehen darin das Ziel, die Welt in Einflussbereiche der Großmächte einzuteilen: hier die USA, dort Russland und China. Die Intervention in Venezuela betrifft besonders Peking: China ist nicht nur der größte Abnehmer von venezolanischem Öl, sondern gab dem Maduro-Regime auch Kredite in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar. Andererseits könnte sich China durch das Vorgehen der USA in ihrem Ziel bestärkt fühlen, sich die Insel Taiwan in ihrem Einflussbereich einzuverleiben, glauben Beobachter.

Ist die Donroe-Doktrin eine echte Strategie?

Ob Trump in der Donroe-Doktrin wirklich eine eigene außenpolitische Strategie hat, ist aber umstritten. Sein ehemaliger Sicherheitsberater, John Bolton, erklärte gegenüber "The Atlantic" (externer Link): "Es gibt keine Trump-Doktrin: Egal, was er tut, es gibt keinen großen konzeptionellen Rahmen; es ist immer nur das, was ihm gerade in den Kram passt."

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!