US-Präsident Donald Trump setzt seine aggressive Handelspolitik fort und bringt ein neues weitreichendes Zollpaket auf den Weg. Er werde ein System wechselseitiger Zölle "für Länder in der ganzen Welt" einführen, sagte der Republikaner am Abend im Rosengarten des Weißen Hauses, den er gern für weitreichende Ankündigungen nutzt.
Dabei hielt er eine Tafel hoch, auf der Zölle aufgelistet waren. Für die EU stand darauf ein Satz von 20 Prozent zu lesen. "Sie zocken uns ab. Es ist so traurig, das zu sehen", kommentierte Trump.
EU reagiert auf Trumps Zolltabelle
Die Welt reagiert nicht überrascht, aber fassungslos. Kanzler Olaf Scholz spricht von einem "Anschlag" auf die Handelsordnung, Ken Rogoff, Ex-Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, von einer "Atombombe", die Trump auf das Welthandelssystem geschmissen habe. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte noch in der Nacht Gegenmaßnahmen an.
Von der Leyens Einschätzung: "Millionen von Menschen werden mit höheren Lebensmittelrechnungen konfrontiert sein. Medikamente werden teurer, ebenso der Transport. Die Inflation wird ansteigen. Und dies schadet vor allem den wirtschaftlich schwächsten Bürgern."
Die Welt als neuer Zoll-Flickenteppich
Die US-Regierung plant pauschale Basiszölle in Höhe von zehn Prozent auf Einfuhren aus allen Ländern sowie höhere Strafzölle für Staaten mit Handelsdefiziten mit den USA. Die EU liegt mit einem Zollsatz von 20 Prozent im Mittelfeld der Liste. Darüber: 34 Prozent auf Importe aus China, 25 Prozent für Südkorea, 24 Prozent für Japan und 32 Prozent für Taiwan.
Zollsätze von 10 bis 50 Prozent
"Nur" vom zehnprozentigen Basiszoll betroffen sind auf der Liste mit 185 Handelspartnern unter anderem Argentinien, Brasilien, Großbritannien, Australien, Panama und die Ukraine; am anderen Ende steht mit einem Zollsatz von 50 Prozent das afrikanische Lesotho, knapp darunter Vietnam, Kambodscha und Myanmar. Das sei jeweils die Hälfte der Kosten, die die anderen Länder durch Zölle und durch "andere Mittel" verursacht würden, so die Begründung der Trump-Regierung. Washington bezieht dabei unter anderem Handelshemmnisse wie Subventionen, Einfuhrvorgaben, Diebstahl geistigen Eigentums und Währungsmanipulation mit ein.
Sonderfall Russland
Kanada und Mexiko fehlen auf der Liste, weil gegen beide bereits Zölle verhängt (und teilweise wieder ausgesetzt) wurden. Auch Russland sucht man darauf vergebens. Zur Erklärung führte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt an, US-Sanktionen würden bereits "jeden bedeutenden Handel ausschließen". Tatsächlich ist das Russland-Geschäft seit 2021 auf ein Zehntel, nämlich 3,5 Milliarden, geschrumpft - liegt damit aber immer noch über dem mit der Ukraine.
Entschlossene Reaktion aus China
US-Finanzminister Scott Bessent warnt die betroffenen Staaten davor, mit Vergeltungsmaßnahmen zu reagieren. Dies werde zu einer Eskalation führen, sagt Bessent dem Sender Fox News. Die scheint jedoch schwer zu vermeiden. Noch in der Nacht forderte China die USA auf, ihre neuesten Zölle unverzüglich aufzuheben, und kündigte harte Gegenmaßnahmen an.
US-Senat stoppt neue Zölle gegen Kanada
Erstmals bekommt Trump Widerstand auch im Kongress zu spüren. Nur wenige Stunden nach den Zollankündigungen hat der US-Senat für einen Gesetzesentwurf zum Stopp neuer Zölle gegen Kanada gestimmt. Für den Entwurf stimmten 51 Mitglieder des Senats, 48 dagegen. Vier Republikaner haben sich mit den Demokraten zusammengetan, um das Gesetz voranzubringen. In einem nächtlichen Posting in den sozialen Medien hatte Trump die vier namentlich aufgefordert, das Gesetz abzulehnen - was sie ignorierten.
"Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die amerikanische Industrie wiedergeboren wurde, als der Tag, an dem Amerika sein Schicksal zurückerobert hat, und als der Tag, an dem wir begonnen haben, Amerika wieder reich zu machen" Donald Trump bei der Verkündung seiner Zollpläne
"Heute schlägt Donald Trump mit einem Vorschlaghammer auf die amerikanische Wirtschaft und sogar auf den amerikanischen Traum ein" Chuck Schumer, Vorsitzender der Demokraten, im Senat
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Im Video: Schwerer Schlag für die Wirtschaft durch neue US-Zölle
US-Präsident Trump hat seine Liste mit Strafzöllen bekanntgegeben. Beginnt da gerade ein Handelskrieg?
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