Schokoladenpreise kannten in den vergangenen Jahren nur einen Weg – steil nach oben. 69 Prozent mehr kostete eine Tafel Schokolade Ende 2025 im Vergleich zu 2020. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Nach einer zuletzt besseren Kakaoernte fielen die Rohstoffpreise, die der wichtigste Grund für die Erhöhung waren. Fallen jetzt die Preise?
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Handelsverband Bayern: Leichte Veränderung bei Schokopreisen
"Die Frage ist natürlich immer: Wann kommt das im Supermarkt an?", sagt Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern, im Gespräch mit BR24. Die bessere Ernte habe sich an den Preisen "etwas bemerkbar" gemacht. Seine Prognose: "Die Preise werden allmählich etwas sinken, wenn auch nicht auf breiter Front." Aber auf das Niveau von 2019 oder 2020 würden sie nicht mehr fallen: "Dafür gibt es zu viele strukturelle Probleme – Unsicherheiten in Anbauländern, höhere Produktionskosten."
Derzeit lägen die Schokoladenpreise bei Discountern um einen Euro oder teilweise auch darunter, bei gängigen Marken etwa zwischen 1,50 und 2,50 Euro, und für Edelkakao-Marken würden pro Tafel auch acht oder neun Euro verlangt. Zudem gäbe es viele Rabattaktionen. Verbraucher würden "sehr sensibel" reagieren, bei Angeboten zugreifen oder – wenn es recht teuer ist – mal Gummibärchen statt Schokolade nehmen.
Ritter Sport: Anbauländer besonders vom Klimawandel betroffen
Ritter Sport verweist darauf, dass die Kakopreise auch aktuell sehr großen Schwankungen unterliegen würden. "Schwankungsbreiten, die vor einigen Jahren noch innerhalb eines Jahres zu verzeichnen waren, finden sich heute teilweise im Tagesablauf wieder", heißt es vom Unternehmen auf BR24-Anfrage. Ein Grund seien unplanbare Erntemengen. Kakao-Anbauländer seien besonders vom Klimawandel betroffen und Berichte zum Beispiel über ein wahrscheinlich neues El-Niño-Phänomen würden sich direkt auf die Börse auswirken.
Außerdem lasse sich die Preisbildung nicht nur durch aktuelle Börsenpreise erklären, heißt es von Ritter Sport weiter. Mit den Kakao-Erzeugern würden längerfristige Abnahmevereinbarungen bestehen. "Den Kakao, den wir heute für unsere Produkte einsetzen, haben wir schon vor vielen Monaten eingekauft." Auch Faktoren wie Verpackung, Transport und Energie würden zu einer "steigenden Kostensituation" beitragen.
Ritter Sport steht wirtschaftlich unter Druck und hat erstmals in der mehr als 110-jährigen Firmengeschichte einen Stellenabbau angekündigt.
Kritik an Preispolitik der Hersteller
Dass Kunden Markenprodukte immer häufiger nur im Sonderangebot kaufen, sagte vor kurzem Rewe-Chef Lionel Souque der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Als Beispiel nannte Souque Schokolade. "Wir haben die Hersteller gewarnt, die Preise nicht zu stark zu erhöhen." Dennoch seien Produkte, unter anderem von Lindt und Mondelez, erneut teurer geworden. Entsprechend sei weniger verkauft worden. "Es gibt Kunden, die sagen: Solche Artikel kann ich mir nicht immer leisten", so Souque. Mondelez ist ein Nahrungsmittelkonzern, Milka eine seiner Marken.
Gerichtsentscheidung wegen Milka-Schokolade
Neue Milka-Tafeln mit weniger Inhalt verstoßen nach Auffassung des Landgerichts Bremen gegen das Wettbewerbsrecht und dürfen so nicht genutzt werden. Das entschied das Gericht und gab damit einer Klage der Verbraucherzentrale Hamburg statt. Schokoladentafeln von Milka hatten sich nicht nur von 1,49 auf 1,99 Euro verteuert, sondern zugleich verringerte sich der Packungsinhalt etlicher Sorten von 100 auf 90 Gramm. Der Grundpreis stieg damit um 48 Prozent. Das Unternehmen hatte die Kritik zurückgewiesen. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen, heißt es.
Gleich teuer, weniger Inhalt: Vorwurf der "Shrinkflation"
Weniger Inhalt für gleiches oder sogar mehr Geld: Dieses Phänomen wird "Shrinkflation" genannt – shrink ist englisch für schrumpfen. Den Verdacht der Shrinkflation äußert die Hamburger Verbraucherzentrale nun auch gegen Ritter Sport.
Der Schoko-Hersteller aus Waldenbuch in Baden-Württemberg hat drei neue Sorten mit einem Gewicht von 75 Gramm auf den Markt gebracht, wobei die Verpackung äußerlich so groß sei wie die von 100-Gramm-Tafeln, nur dünner. Die Verbraucherschützer erkennen Parallelen zu früheren Produkten der Kakao-Klasse, die nicht mehr produziert werden. Zwei der neuen Sorten hätten beispielsweise denselben Kakaoanteil. Der Preis liege trotz der geringeren Füllmenge meist weiterhin bei 2,29 Euro je Tafel. "Unter der Annahme, dass die bisherigen Produkte faktisch ersetzt werden, entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von mehr als 33 Prozent", heißt es von der Verbraucherzentrale.
Ritter Sport widerspricht. Es handelt sich dem Sprecher zufolge um eine vollkommen neue Produktgruppe mit neuen Rezepturen sowie einem neuen Tafelformat. Die bisherige Kakao-Klasse sei dafür nicht angepasst oder verändert worden.
Mit Informationen von dpa
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