Der Drohnen-Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle, Sabotage an Stromnetzen oder ein Cyberangriff auf Behörden: das sind nur einige neue Bedrohungen, auf die Gemeinden, Städte und Landkreise vorbereitet sein sollten. Die Region um Bamberg wurde nun dafür ausgewählt, den Fall der Fälle zu proben - als Pilotprojekt für ganz Deutschland.
Was wäre wenn?
"Deutsche Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen" oder kurz: Resilienzstrategie lautet der Titel des Projekts. Wie arbeiten Verwaltungen im Krisenfall zusammen? Wer koordiniert was bei einer Stromnetz-Sabotage? Wie gut ist unser Zivilschutz in Deutschland wirklich und wie einsatzbereit sind Krankenhäuser im Ernstfall? Damit Städte, Gemeinden und Landkreise auch in solchen Situationen handlungsfähig bleiben, müssen viele Stellen ineinandergreifen und wissen, was zu tun ist. "Jede Kommune, jeder Landkreis hat ähnliche Aufgaben und muss die gleichen Voraussetzungen erfüllen, was im Krisenfall notwendig wäre. Und deswegen ist die Idee, sich die Region Bamberg anzuschauen und das dann auf andere Städte und Regionen zu übertragen", so Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier (SPD).
Unter dem Titel "Resiliente Region Bamberg“ wird ab kommenden Monat durchgespielt, was sein könnte. Genaue Vorgaben gibt es nicht. "Das Schöne an dem Projekt ist: es gibt nicht die eine klare Zielvorgabe", erklärt Bambergs Landrat Johannes Maciejonczyk (CSU). Ziele sollen gemeinsam erarbeitet werden, darum ist jeder aufgerufen aus seiner Warte Bedrohungslagen zu formulieren und Lösungen zu finden.
Beratungsunternehmen übt Krisenszenario
Krisenvorsorge und Katastrophenschutz gehören ebenso wie die zivile Verteidigung bereits heute zu den Aufgaben von Stadt und Landkreis. Sie sind darauf ausgerichtet, dass die Region in Notfällen in der Lage ist, die Bevölkerung zu informieren, zu versorgen oder zu schützen und wichtige öffentliche Leistungen aufrechtzuhalten.
Theoretisch ist das meist alles gut ausgearbeitet. Doch reagieren auch alle Stellen entsprechend, wenn es zum wirklichen Ernstfall kommt? Mit Unterstützung eines Beratungsunternehmens des Bundesverteidigungsministeriums werden Krisenszenen geübt und die Zusammenarbeit wichtiger Institutionen überprüft. Beteiligt daran sind sowohl Verwaltungen, Unternehmen, wie auch Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsorganisationen, Versorgungsbetriebe, Einrichtungen des Gesundheitswesens, der Bildung und Wissenschaft sowie Ver eine und Verbände.
Bamberg hat einen "Alarmkalenderbeauftragten"
Stadt und Landkreis seien bereits gut aufgestellt, dass sei auch der Grund gewesen, warum die Region ausgewählt wurde, so Maciejonczyk. Bamberg habe für die Resilienz bereits eine Stelle in der Verwaltung geschaffen, den sogenannten Alarmkalenderbeauftragten, erklärt Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier (SPD) im BR-Interview. "Es geht um die Pflichtaufgabe, die wir als Stadt oder Landkreis haben, den Zivilschutz zu organisieren und aufzubauen und auch um die Frage, wie wir die Stadt und die Region resilient bekommen." Dazu müsse alles überprüft werden, so Niedermaier weiter, von der Internetsicherheit, der Resilienz von Krankenhäusern und Verwaltungen bis hin zum Zivilschutz.
Das Projekt besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Schritten. Anschließend werden Szenarien simuliert. Ein Projektteam wertet dann die Erkenntnisse aus. Bis zum Herbst 2027 entstehen daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Stadt und Landkreis. Die Erfahrungen aus Bamberg werden so aufbereitet, dass sie anderen Kommunen in ganz Deutschland als Orientierung dienen können.
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