"Wir verkaufen nicht!" Das Zitat stammt nicht aus diesen Tagen, wie etwa von der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen. Es stammt aus dem Jahr 1960, vom damaligen dänischen König. Den Regenten hatte die wiederholte Absicht von US-Präsident Eisenhower erzürnt, Grönland von Dänemark kaufen zu wollen. 65 Jahren später sind die Aussagen Dänemarks und der USA zum gleichen Thema nahezu identisch. Auch an den Motiven Washingtons hat sich im Wesentlichen nichts geändert, das strategisch zwischen dem atlantischen und arktischen Ozean gelegene Territorium besitzen zu wollen.
Donald Trump hat Grönland im Visier und spricht offen über einen Kauf oder Militäreinsatz. BR24 klärt mit Grönlandexperte Michael Paul, warum die riesige Insel strategisch so wichtig ist, was sich die US-Regierung von der Insel verspricht und warum Grönland zwischen den Fronten steht. Außerdem berichtet ARD Korrespondent Arne Bartram, wie die Dänen Trumps Pläne finden. Das Video finden Sie eingebettet oben in diesem Artikel.
Schmelzendes Polareis verschärft strategische Bedeutung
Geändert haben sich die klimatischen Bedingungen und damit die sicherheitspolitische Dringlichkeit, mit der die USA ihren Vorstoß in Richtung Grönland verfolgen: Das Abschmelzen der vormals undurchdringlich erscheinenden Eismassen öffnet den internationalen Handelswegen neue, kostengünstigere Transportrouten. Die Arktis erwärmt sich, so eine Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik vom Oktober 2024, viermal so stark wie im globalen Durchschnitt.
Eine der Folgen: "Das zurückgehende Meereis öffnet Seewege zwischen Asien (vor allem zwischen China) und Europa und macht Lagerstätten von Rohstoffen an Land und auf dem Meeresboden besser zugänglich." In der Arktis werden in Gebieten, die nun durch die Klimakrise zugänglich sind, riesige Mengen an unentdeckten Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet.
Und hier schließt sich der Kreis: Das sind die beiden wesentlichen Gründe für den jetzigen, erneuten Vorstoß der USA, sich Grönland "anzueignen": Kontrolle der neuen Seewege in der Arktis und Zugang zu den immensen Rohstoffvorkommen.
Washington will Grönland schon seit 1868 kaufen
"Bericht über die Ressourcen Islands und Grönlands": Diesen Report ließ US-Außenminister William Seward erstellen, im Jahr 1868. Es gebe dort Rohstoffvorkommen, die für die USA von Nutzen sein könnten. Kurz zuvor hatte Seward schon den Kauf Alaskas vom russischen Zarenreich organisiert. Doch der Erwerb Grönlands scheiterte damals – nicht an Dänemark, das zugestimmt hatte, sondern am US-Kongress, der nicht schon wieder hohe Summen für nahezu unbewohnte "Eisregionen" ausgeben wollte.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Besetzung Dänemarks durch die Wehrmacht flammte erneut das Interesse Washingtons an Grönland auf. Die Sorge: Nazi-Deutschland könnte die gewaltige Insel unter seine Kontrolle bringen. Der damalige dänische Botschafter in Washington, der im Namen des dänischen Königs und gegen die Anordnung der Regierung gehandelt haben soll, überließ 1941, im Zweiten Weltkrieg, den USA Grönland. Diese "Entscheidung ebnete den Weg für die amerikanische Militarisierung Grönlands, die seither aufrechterhalten wurde," wie es in einer Studie der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" vom September 2025 heißt.
Militärpräsenz der USA auf Grönland
Bis Kriegsende waren knapp 6.000 US-Militärs auf vier Marine- und 13 Armeestützpunkten auf Grönland stationiert. Nach dem Krieg wollte Dänemark die Militärpräsenz Washingtons auf der Insel wieder rückgängig machen. Ohne Erfolg: Der damalige US-Präsident Truman schlug Kopenhagen vor, entweder das Abkommen von 1941 fortzusetzen oder die US-Stützpunkte für 99 Jahre zu leasen oder Grönland für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Das sei "absurd", meinte der damalige dänischen Außenminister. Auch wenn Dänemark den USA viel zu verdanken habe, sei er nicht der Meinung, "dass wir Ihnen ganz Grönland schulden".
1951 lenkte Dänemark ein und stimmte einem neuen Verteidigungsbündnis mit den USA zu. In Zeiten des Kalten Krieges waren bis zu 10.000 US-Soldaten auf Grönland stationiert.
Trumps Versuche, Grönland zu "bekommen"
Geopolitik bestimmte die Vorstöße Trumps mit Blick auf Grönland schon in seiner ersten Amtszeit: Es könne nicht sein, dass die USA dem Hauptkontrahenten China sowie dem Arktis-Anrainer Russland die Seewege in der Arktis überlassen. Strategisch wäre der Kauf Grönlands gut für die USA, sagte Trump 2019 und wies dabei auf die vorherigen Kaufbemühungen Washingtons hin.
Mette Frederiksen, schon damals die dänische Regierungschefin, quittierte den Vorstoß Trumps mit den Worten, das sei eine absurde Diskussion. Nach seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus erhöht Trump nun den Druck auf Kopenhagen ganz massiv.
Bislang sucht Ministerpräsidentin Frederiksen, unterstützt von zahlreichen EU-Amtskollegen, auf die Vorteile Washingtons durch die schon existierenden Abkommen zu verweisen: Es stehe Washington frei, in die Erschließung von Rohstoffvorkommen auf Grönland zu investieren, sofern sich die USA an die Gesetze des Landes hielten. Und falls die USA ihre Militärpräsenz erhöhen wollten, könnten sie dies tun: Das sei ja schließlich schon mit dem bestehenden Verteidigungsabkommen mit Washington möglich. Darauf allerdings dürfte sich der US-Präsident nicht mehr einlassen.
Im Video: Einschätzungen zur Situation in Grönland
Donald Trump
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