Italo-Hochgeschwindigkeitszug am Bahnhof Roma Termini
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Wird Bahnfahren im Fernverkehr bald besser?

Wird Bahnfahren im Fernverkehr bald besser?

Zwei italienische Bahnunternehmen planen, den deutschen Fernverkehr aufzumischen. Beide wollen mit Schnellzügen der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. Welche Chancen haben sie? Würden die Kunden davon profitieren? Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der Zustand des deutschen Schienennetzes wirkt auf die meisten abschreckend. Es ist alt, marode und störanfällig. Italienische Bahnunternehmen scheinen damit weniger ein Problem zu haben. Sie wollen mit ihren Zügen den deutschen Fernverkehr erobern.

Zwei italienische Unternehmen planen den Einstieg

Im Herbst kündigte die italienische Staatsbahn Trenitalia auf ARD-Anfrage an: "Der italienische Eisenbahnbetreiber Ferrovie dello Stato (FS) prüft die Möglichkeit, mit 50 Zügen in das deutsche Fernverkehrsnetz einzusteigen."

Jetzt kommt ein neuer Player aus Italien dazu. Das private Bahnunternehmen Italo will ebenfalls mit Schnellzügen ab 2028 in Deutschland unterwegs sein. Es plant, 3,6 Milliarden Euro zu investieren und 30 Züge von Siemens zu kaufen. Im Fokus: beliebte Bahnverbindungen wie Hamburg-Berlin-München und München-Köln-Dortmund.

Experten begrüßen das Interesse der Italiener

Verkehrsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin spricht von guten Nachrichten für die Bahnkunden. "Was wir brauchen, ist Wettbewerb um den Kunden, besseren Service, bessere Verbindungen. Wir brauchen einfach 'mehr' auf der Schiene. Und da ist erstmal jeder, der sich darum kümmert, zu begrüßen." Auch die Ticketpreise könnten sinken.

Wünschenswert wäre jedoch, wenn die Interessenten nicht nur auf gefragte Strecken schauen würden, für die es schon ein gutes Angebot gebe. Ein attraktives Geschäft wäre auch, mehr Verbindungen im grenzüberschreitenden Bahnverkehr anzubieten, erklärt Knie im Interview mit BR24.

Deutsche Bahn und Gewerkschaft schlagen Alarm

Während sich Experten für mehr Wettbewerb aussprechen, läuten bei der Deutschen Bahn die Alarmglocken. Kaum macht die Nachricht vom möglichen Italo-Einstieg die Runde, warnt Bahnchefin Evelyn Palla und ruft nach der Politik. Die müsse bessere Rahmenbedingungen schaffen. "Sonst droht ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken."

Die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft EVG springt Palla zur Seite: "Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren Fernverkehr", meint EVG-Chef Martin Burkert. Dahinter steckt die Sorge, dass die Bahn künftig weniger Geld verdient und in der Folge Zugverbindungen in der Provinz weniger quersubventionieren kann. Die Gewerkschaft warnt: Mindestens 16 Städten drohe die Abkopplung vom ICE- und IC-Verkehr. In Bayern könnten Augsburg, Bamberg und Ingolstadt betroffen sein.

Aus Regierungskreisen heißt es jedoch: So etwas könne heute niemand seriös sagen. So sieht das auch Verkehrswissenschaftler Knie. Allerdings habe die Gewerkschaft hier einen Punkt, mit dem man sich beschäftigen müsse.

DB-Tochterfirma entscheidet über Bahntrassen

Die Bundesregierung begrüßt das Interesse der Italiener. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) will mehr Wettbewerb auf der Schiene. Für die Vergabe von Bahntrassen ist aber weder das Ministerium noch eine andere, neutrale Institution zuständig, sondern ausgerechnet die Deutsche Bahn beziehungsweise deren Tochterfirma DB InfraGO.

Sie entscheidet, wer wo fahren darf – unter Aufsicht der Bundesnetzagentur. Verkehrswissenschaftler Knie spricht von einer "unhaltbaren Situation". Auch in Regierungskreisen kommt das vor knapp drei Jahren beschlossene Konstrukt nicht gut an. Die Frage ist, wie unabhängig ein Tochterunternehmen vielleicht gegen die Interessen des Mutterkonzerns entscheiden kann.

Derzeit werden die Trassen jährlich neu vergeben. Das Bahnunternehmen Italo fordert mit Verweis auf die hohen Investitionen eine langfristige Perspektive – konkret Rahmenverträge mit einer längeren Laufzeit.

Streit zwischen Deutscher Bahn und Konkurrent Italo

Solche Sonderkonditionen lehnt die über die Trassen entscheidende Bahntochter DB InfraGO ab. Außerdem seien große Bahnknoten und bestimmte Strecken bereits überlastet. In einer Stellungnahme heißt es: "Wettbewerb im Fernverkehr ist wünschenswert – er bedeutet in Deutschland jedoch nicht zwingend mehr Züge und mehr Angebote."

Das mag sein, sagen Experten, dennoch könnte die Deutsche Bahn einen Teil vom Angebotskuchen an Wettbewerber abgeben. Denn nach wie vor hat die Bahn im Fernverkehr nahezu ein Monopol. Sie besetzt rund 95 Prozent des Marktes – obwohl der deutsche Schienenverkehr seit Jahrzehnten für den Wettbewerb geöffnet wurde.

Die italienische Konkurrenz Italo hat bei der übergeordneten Bundesnetzagentur Beschwerde eingereicht.

Entscheidung noch im Juni

In den nächsten Tagen soll eine Entscheidung fallen, bestätigt die Bundesnetzagentur BR24. Es könnte ein Beschluss mit Signalwirkung sein. Nicht nur für Italo, sondern auch für die Deutsche Bahn und die Bahnkunden steht viel auf dem Spiel.

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