Die Zahl der Todesopfer bei dem schweren Zugunglück von Sonntagabend in Spanien ist auf mindestens 41 gestiegen. Bis zum Morgen konnte nach Polizeiangaben ein weiterer Toter aus den Trümmern geborgen werden. Die spanischen Behörden befürchten bis zu 43 Tote. Denn es lägen 43 Vermisstenanzeigen vor, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska dem staatlichen TV-Sender RTVE in der Nacht zu Dienstag. 39 Verletzte werden weiter in Krankenhäusern behandelt, darunter vier Kinder. Zwölf von ihnen lagen demnach am Montagabend auf der Intensivstation. Alle seien aber inzwischen außer Lebensgefahr, wurde betont. Insgesamt wurden mehr als 170 Menschen verletzt.
Behörden befürchten steigende Opferzahlen
Die Behörden befürchten allerdings, dass die Opferzahl noch steigen könnte. Andalusiens Regierungschef Juanma Moreno hatte mehrfach betont, man könne nicht ausschließen, dass in den "Trümmerhaufen aus Metall" weitere Leichen liegen. Die Bergung der abgestürzten und völlig zerstörten Waggons gestalte sich sehr schwierig.
Die Identifizierung der Todesopfer läuft auf Hochtouren. Man rechne mit baldigen Ergebnissen, hieß es von den Behörden. Bei der Identifizierung könnten Informationen nützlich sein, die Angehörige von Vermissten beisteuern können, sagte der Leiter der zuständigen Abteilung der Polizeieinheit Guardia Civil, Juan Serrano. Dazu zählte er Fotos, Ausweisdokumente, Angaben zu Tätowierungen oder zahnärztliche Röntgenaufnahmen.
Wahrscheinlich auch deutsche Opfer
Auch Deutsche sollen unter den Opfern sein. Vom Auswärtigen Amt hieß es auf Anfrage der Deutschen Nachrichtenagentur: "Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Über die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben." Man stehe mit den Behörden im engen Austausch, um Aufklärung zu betreiben.
Zug bei über 200 km/h entgleist
Die Tragödie ereignete sich am Sonntag gegen 19.40 Uhr nördlich von Córdoba. Die beiden letzten Waggons eines Iryo-Hochgeschwindigkeitszugs der italienischen Gesellschaft Trenitalia entgleisten bei einem Tempo von mehr als 200 Kilometern pro Stunde aus noch unbekannter Ursache und gerieten ins benachbarte Gleis, wie die spanische Bahngesellschaft Renfe mitteilte.
Zu diesem Zeitpunkt passierte dort ein Hochgeschwindigkeitszug von Renfe. Er krachte frontal in die entgleisten Waggons und wurde aus den Schienen geworfen. Teile des Zuges stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinab. Der Lokführer kam ums Leben. Insgesamt waren mehr als 500 Passagiere an Bord beider Züge.
Unglücksursache wird noch ermittelt
Unterdessen forschen Behörden und Experten nach der möglichen Ursachen der Katastrophe. Die Klärung werde voraussichtlich Wochen und Monate dauern. Menschliches Versagen schloss Renfe aus.
Bei den Ermittlungen wurden zwar Hinweise auf einen "Bruch oder eine Veränderung der Schiene" gefunden. Verkehrsminister Óscar Puente wies aber alle Spekulationen zurück und betonte, man müsse noch herausfinden, ob der Schaden überhaupt Ursache oder Folge der Entgleisung sei. "Alle Hypothesen sind offen", betonte er im Fernsehen.
Dreitätige Staatstrauer
Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien werde aller Voraussicht nach bis zum 2. Februar unterbrochen bleiben, sagte Minister Puente. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez rief von Dienstag bis Donnerstag eine dreitägige Staatstrauer aus.
Mit Informationen von AFP und dpa
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