Am heutigen Internationalen Frauentag machen Organisationen und Politik verstärkt darauf aufmerksam, dass es immer noch zu wenig Gleichstellung gibt. Vor allem bei den Gehältern zeigt sich das ganz deutlich: Die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern ist 2025 sogar weiter gewachsen.
Frauen fallen beim Einkommen weiter zurück
Im Jahr 2025 hatten Frauen ein mittleres Einkommen von 24.805 Euro brutto zur Verfügung und damit 13.553 Euro weniger als Männer (38.358 Euro). Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Katholischen Nachrichten-Agentur vorliegen und die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) angefragt hat.
Damit geht die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern trotz aller Bemühungen der Politik weiter auf. 2024 hatte der Unterschied 13.340 Euro betragen, 2023 waren es 12.690 und 2022 insgesamt 11.908 Euro. Diese Statistik umfasst nicht nur Löhne und Gehälter, sondern auch Renten, Pensionen, Sozialleistungen und weitere Einkommensarten.
Spitzenpositionen überwiegend von Männern besetzt
Dadurch ist die Lücke deutlich größer, als wenn man nur die Löhne betrachtet. Bei den Löhnen liegt der sogenannte Gender-Pay-Gap bei durchschnittlich 16 Prozent. Frauen haben 2025 also im Schnitt 16 Prozent weniger Lohn oder Gehalt bekommen als Männer, wie das Bundesamt bereits im Dezember gemeldet hatte.
Bei dem Wert handelt es sich um den sogenannten unbereinigten Gender-Pay-Gap, der die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern ohne Anpassungen gegenüberstellt und damit auch strukturelle Unterschiede und Zugangshürden von Frauen auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt. Der bereinigte Gender-Pay-Gap, der auch Ursachen für die unterschiedlichen Verdienste herausstellt, lag im Jahr 2025 bei 6 Prozent.
An der Spitze mittelständischer Unternehmen in Deutschland standen im vergangenen Jahr dagegen wieder mehr Frauen. Unter dem Strich sind die Zahlen aber auf einem niedrigen Niveau. Von den rund 3,87 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen wurden 2025 rund 16 Prozent von einer Frau geführt. Das zeigt eine Sonderauswertung des repräsentativen Mittelstandspanels der Förderbank KfW. Ein Jahr zuvor hatte die Quote noch mit 14,3 Prozent auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 2003 gelegen.
Bas: Gleichstellung ist "Frage des Respekts"
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) führt diesen Unterschied auf strukturelle Probleme zurück. "Noch immer arbeiten fast drei Viertel der Mütter in Teilzeit, oft nicht freiwillig", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Es fehle aber nicht am Können, sondern liege zu oft an Rahmenbedingungen, die Frauen zum Zurückstecken zwängen.
Bas appellierte deshalb dafür, die Gleichberechtigung entschieden voranzutreiben. Für sie sei Gleichstellung eine Frage des Respekts und "eine Zukunftsfrage für unser Land", erklärte Bas. Die Ministerin machte auf bestehende Bemühungen der Regierung für faire Bezahlung, gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf und gezielte Weiterbildungsangebote aufmerksam. Beispielsweise fördert das Arbeitsministerium berufliche Weiterbildung, unter anderem auch speziell für Frauen mit Migrationserfahrung, wie ein Sprecher erläuterte.
Prien sieht noch "Luft nach oben"
Auch Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) forderte weitere Anstrengungen bei der Umsetzung der Frauenrechte in Deutschland. Zwar stehe Deutschland im weltweiten Vergleich bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern "ganz ordentlich" da - es gebe aber "durchaus noch Luft nach oben", sagte Prien der "Rheinischen Post".
Die Umsetzung der Gleichberechtigung sei "kein nettes Zugeständnis an engagierte Frauenrechtlerinnen, sondern ein Verfassungsauftrag", betonte die Ministerin. Frauen hätten große Fortschritte gemacht und sich Zugang "zu Bildung, Studium, Beruf, sogar zu Aufsichtsräten" erarbeitet. Bei den Vorständen und insbesondere bei Führungspositionen sei die Situation dagegen noch ausbaufähig. Auch Prien unterstrich: "Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit."
Mit Informationen von dpa, AFP und kna
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