"Salvete discipulae et discipuli! Seid gegrüßt, ihr Lieben!" Gut gelaunt startet Michael Stierstorfer seinen Lateinkurs. Für seinen innovativen Schulunterricht wird der Deutsch- und Lateinlehrer heute mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet. Seine Schüler vom Gymnasium der Benediktiner im oberbayerischen Schäftlarn hatten ihn für den Preis vorgeschlagen – auch wegen seiner beliebten Lernvideos auf Social Media.
In die Lebenswelt der Schüler eintauchen
Die sind ihm wichtig, sagt Stierstorfer, denn "um Schüler zu erreichen, muss man sich in deren Lage versetzen und Themen einbeziehen, die ihnen gerade unter den Nägeln brennen." Er greife zum Beispiel YouTuber und TikToker im Unterricht auf. "Man holt die Schüler damit in ihrer Lebenswelt ab."
Schülerinnen und Schüler abholen, damit sie im Unterricht motiviert sind. Das gelingt leider nicht allen Lehrkräften. Worauf es ankommt, fasst Justin Infantado vom Landesschülerrat Bayern so zusammen: "Besonders gute Lehrkräfte begeistern für ihr Fach und erkennen, dass jeder anders lernt. Sie hören zu, unterstützen uns individuell und begegnen uns auf Augenhöhe: Sie zeigen, dass Lernen auch Spaß machen kann."
Stressfreie, enthusiastische Lehrer gefragt
Wie Lehrkräfte die dafür nötigen Kompetenzen stärken können, erforscht Olaf Köller vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an der Universität Kiel. Er betont, guter Unterricht brauche mehr als fachliche Kompetenz. Lehrkräfte müssten von der Schulleitung und in Kollegenteams unterstützt werden und Techniken zum Stressabbau einüben.
"Wir wissen, welchen großen Einfluss gerade das Lehrer-Schüler-Verhältnis auf die Lernerfolge der Schüler und Schülerinnen hat", so Köller. "Diese Atmosphäre, ein positives, von Vertrauen getragenes Verhältnis, das funktioniert nur, wenn wir eine emotional stabile, enthusiastische Lehrkraft haben, die mit Freude in den Unterricht geht, die Freude an den Kindern, an den Jugendlichen hat." Und sich so auch selbst motiviert. Denn Lehrkräfte und Schüler beeinflussen sich gegenseitig – und sorgen im Klassenzimmer entweder für gute Laune und Motivation oder für Anspannung und Stress.
Die guten Seiten erlebt auch Latein- und Deutschlehrer Michael Stierstorfer: "Das, was wirklich Spaß macht, ist, wenn man über den 'Dienst nach Vorschrift' hinausgeht und verschiedene Projekte realisiert." Dabei habe er gemerkt, dass Schülerinnen und Schüler über sich hinausgewachsen sind. "Natürlich habe ich da mehr Zeit reinstecken müssen, aber wenn der Funke überspringt, die Schüler mit Begeisterung etwas erarbeiten, dann springt der Funke auch auf mich zurück."
Offenes Ohr für Probleme
Eine weitere mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnete Lehrkraft ist Mona Schwabe von der Mittelschule Schnaittach in Mittelfranken. Sie unterrichtet Deutsch, Mathematik und "Wirtschaft und Beruf". Die Schüler schätzen an ihrer Klassenlehrerin vor allem, dass sie sich auch außerhalb des Unterrichts für sie einsetzt. Dass sie für jeden da ist, ein offenes Ohr für schulische, aber auch private Probleme hat und dass sie an die Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler glaubt.
In der Kategorie "innovativer Unterricht" des Deutschen Lehrkräftepreises überzeugte ein Team vom Gymnasium Christian-Ernestinum in Bayreuth: Geschichtslehrerin Tina Bergen und Marc Brückner vom Fachbereich "Wirtschaft und Recht" hatten ein Projekt zum Thema: "Migration in Deutschland und ihre Folgen" für ihre elften Klassen entwickelt.
Insgesamt geht der Deutsche Lehrkräftepreis in diesem Jahr an 18 Lehrkräfte und Schulleitungen aus sieben Bundesländern und an eine Deutsche Auslandsschule.
Heute wurde der Deutsche Lehrkräftepreis verliehen. Eine Preisträgerin kommt aus Schnaittach in Mittelfranken und wir haben sie besucht.
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