Mumin-Figuren von Tove Jansson
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"Die Welt der Mumins" im Literaturhaus München

"Die Welt der Mumins" im Literaturhaus München

Tove Janssons Mumin-Bücher sind Kult. Die weißen, nilpferdartigen Trolle leben eine Utopie: Im Mumintal darf jeder sein wie er ist, niemand wird ausgestoßen. Eine Ausstellung im Literaturhaus München stellt "Die Welt der Mumins" nun vor.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Drollig sehen sie aus, rund und weiß und ein bisschen wie Nilpferde: Muminpapa, Muminmama und Mumin, dazu Freunde und Nachbarn wie das Schnüferl, Schnupferich, Hermul oder die kleine Mü. Doch was nach einem Kinderbuch wie tausend andere aussieht, täuscht. Die Muminwelt ist keine heile Welt, in der kleine Abenteuer den Alltag etwas aufpeppen. Im Gegenteil, es geht ziemlich ans Eingemachte. Trauer, Angst, Einsamkeit, Krankheit, Tod und Naturkatastrophen durchziehen die Buchreihe von vorn bis hinten.

Gleich im ersten Buch ist Muminpapa drauf und dran sich umzubringen, so einsam fühlt er sich ohne seine Familie. Im zweiten Buch fürchten die Mumins nichts weniger als den Weltuntergang. Dass die Grundstimmung der Bücher trotz solcher Themen tröstend und fröhlich ist, liegt am Charakter der Figuren, sagt Kuratorin Paula Vosse: "Im Mumintal sind nicht nur die Geschehnisse wichtig, sondern auch die inneren Prozesse. Man hat mal ein Abenteuer und es passiert von außen halt alles Mögliche. Aber wichtig ist, wie die Figuren da durchgehen, also die Resilienz ist enorm. Auch Angst und Wut und dann wieder Neugier und Freude finden einfach Raum. Es wird uns vorgespielt, wie man auch durch schwierige Situationen durchkommen kann."

Ein Plädoyer für Toleranz

"Größer als meine Angst ist meine Wut", sagt der Knütt einmal, dann stampft er los und beißt die gefürchtete Morra in den Po. Lähmende Angst und Mut liegen hier nur eine winzige Entscheidung voneinander entfernt. Und so ist es in der Mumienwelt mit allen Emotionen: Trauer und Freude, Alleinseinwollen und die Suche nach Gemeinschaft, Freiheitsdrang und Heimweh: Alles darf sein, nichts wird bewertet. Die Mumins akzeptieren die Ängste und Sehnsüchte der anderen und gewähren sich große Freiheiten. Die Mumin-Reihe feiert Individualität genauso wie den Zusammenhalt. Sie ist ein großartiges Plädoyer für Toleranz - und das Recht auf persönliche Macken.

Bildrechte: picture alliance dpa / Lehtikuva Reino Loppinen
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Tove Jansson mit Muminpuppen 1956, Ausschnitt.

1945 erschien das erste von insgesamt neun Mumin-Büchern, geschrieben noch ganz unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs. Die Künstlerin Tove Jansson arbeitete damals als politische Karikaturistin, hatte das Weltgeschehen also unmittelbar vor Augen. Kein Wunder, dass die Welt der Mumins so voller Unruhe, Verlustängste und Ungewissheit ist. Was die deutschen Fans kaum wissen: Tove Jansson war eine der bekanntesten Künstlerinnen Finnlands. Sie hat nicht nur Kinderbücher geschrieben und illustriert, sie war auch hochgeschätzte Malerin und verfasste Romane für Erwachsene.

Tove Jansson: eine queere Ikone?

Jansson wird heute immer mal wieder als Ikone der LGBTQ-Bewegung gefeiert. Tatsächlich lebte sie 50 Jahre lang mit einer Frau zusammen, zu einer Zeit, als Homosexualität in Finnland noch unter Strafe stand. Ikone trifft es trotzdem nicht ganz, meint Paula Vosse: "Sie hat sich nicht als Ikone nach vorne gestellt. Sie hat mal einen Mann, mal eine Frau gedated, und das war auch kein Geheimnis. Sie hat sich nicht versteckt. Sie hat sich aber auch nicht politisch auf die Straße gestellt. Ich denke, das Geheimnis bei dieser fast schon gesellschaftlichen Utopie, die sie uns da vorlebt, ist, dass sie das als das Normalste der Welt einfach anerkannt hat. Sie hat sich eben nicht positioniert als Ikone für eine Gruppe, sondern hat einfach ihr Leben so vorgelebt, wie sie es einfach leben wollte. Und so ist es auch in dem Mumintal und auch in den Mumin-Figuren: Da sind alle frei, und alle dürfen so sein, wie sie möchten."

Tuschebilder und Muminhaus

Wie die Bücher hat auch die Ausstellung etwas für alle zu bieten: Kinder ab sechs Jahren können ganz analog in die Mumienwelt eintauchen: ein Schiff, Hängematten, Brücken und sogar das Muminhaus wurden nachgebaut und stehen mutigen Kindern offen; um in die Lieblingsrolle zu schlüpfen, liegen Kostüme parat. Echte Muminologen bekommen originale Zeichnungen von Tove Jansson zu sehen, genauso wie frühe Muminfiguren aus den 50er Jahren. Fotografien aus ihrem Leben und ein kleiner Exkurs in das malerische Werk von Tove Jansson runden die Sache ab. Man muss kein Langzeit-Fan sein, um aus dieser Ausstellung etwas fürs Herz mitzunehmen. Auch die Autorin dieses Beitrags ist ganz frisch muminfiziert.

Tove Jansson: "Die Welt der Mumins". Bis 12. April im Literaturhaus München

Bildrechte: Gestaltung: unodue {münchen, Foto: Pierre Jarawan
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Blick in die Ausstellung

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