(Archivbild) Wladimir Putin mit dem kubanischen Präsidenten Miguel Diaz-Canel bei einer Begegnung am 7. Mai 2025 im Kreml
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(Archivbild) Brüchige Freundschaft: Wladimir Putin mit dem kubanischen Präsidenten Miguel Diaz-Canel
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(Archivbild) Brüchige Freundschaft: Wladimir Putin mit dem kubanischen Präsidenten Miguel Diaz-Canel

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"Es ist wirklich schade": Scheut Putin eine neue Kuba-Krise?

"Es ist wirklich schade": Scheut Putin eine neue Kuba-Krise?

Dem Karibik-Staat droht durch die US-Sanktionen der Treibstoff auszugehen. Eigentlich bezeichnet sich Russland als "Freund und Verbündeter" des Landes, doch Putins Handlungsmöglichkeiten scheinen sehr beschränkt, was Ultrapatrioten empört.

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"In einer anderen Zeit hätte die UdSSR Konvois von Öltankern nach Kuba geschickt, um eine totale Wirtschaftskatastrophe abzuwenden", so der russische Politologe Georgi Bovt [externer Link]: "Das heutige Moskau zögert, dies zu tun, aus Angst vor Trumps Zorn. Stattdessen führt es endlose Konsultationen mit 'unseren kubanischen Freunden'. Wenn Kuba unser Freund und Verbündeter ist, dann ist Hilfe für das Land eine Frage des Prinzips. Andernfalls wäre es ein Eingeständnis unserer eigenen Hilflosigkeit."

Noch deutlich kritischer äußerte sich Politikwissenschaftler Andrei Kalitin [externer Link]. Beim derzeitigen Ölverbrauch werde Kuba wegen Donald Trumps Sanktionen in zwei oder drei Wochen keine Vorräte mehr haben, argumentierte er: "Die Wirtschaft der Insel steht bereits am Rande des Zusammenbruchs, und ohne Rohstofflieferungen wird die Krise so schwerwiegend sein, dass sie die Existenz des kubanischen Regimes selbst gefährden könnte. Kann Russland seinem langjährigen Verbündeten in der Karibik helfen? Nein. Jeder zweifelhafte russische Tanker in der Region wird geentert."

Lawrow verspricht "Solidarität"

Russland fehle nicht nur die Fähigkeit, "sondern auch der Wille, Kuba zu helfen." Kalitin fügte polemisch an, Putins Einflusszone beschränkte sich, wenn überhaupt, auf das derzeit umkämpfte ukrainische Kupjansk: "So sieht die multipolare Welt heute aus. Läuft alles nach Plan?"

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte es bei Floskeln belassen: "In der Tat bereitet der Würgegriff der USA Kuba viele Schwierigkeiten. Wir erörtern mit unseren kubanischen Freunden mögliche Lösungen für diese Probleme und werden ihnen jede erdenkliche Hilfe zukommen lassen."

Ähnlich vage äußerte sich der russische Außenminister Sergei Lawrow zum "Tag der Diplomaten" [externer Link]: "Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, allen neokolonialen Praktiken entgegenzuwirken, von einseitigen Zwangsmaßnahmen bis hin zu militärischen Interventionen. In diesem Zusammenhang bekräftigen wir unsere Solidarität mit den Völkern Venezuelas und Kubas. Wir sind überzeugt, dass nur sie selbst über ihr Schicksal bestimmen können."

"Es ist wirklich schade"

Dieses Statement kommentierte der russische Politologe Andrei Nikulin mit den ironischen Worten [externer Link]: "Nun, es erscheint alles ganz logisch: Nur jene Nationen, die Russland duldet, können über ihr eigenes Schicksal bestimmen. Und auch nur solange, wie Russland es zulässt. Frei nach Zar Pauls I. unvergesslichem Ausspruch: 'Ein Edelmann in Russland ist nur der, mit dem ich spreche, solange ich spreche.' Oder getreu des alten sowjetischen Witzes: 'Die UdSSR grenzt an wen sie will.'"

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Selbst Propagandist Juri Barantschik spottete [externer Link]: "Wir haben natürlich auch einen bedeutenden Beitrag zur Freiheit unseres offiziellen und strategischen Verbündeten Kuba geleistet mit der Aussage, dass die Völker Kubas und Venezuelas über ihr eigenes Schicksal entscheiden müssen und Moskau Solidarität bekundet. Doch wäre es vielleicht auch sinnvoll, über bloße Erklärungen hinauszugehen und einfach ein paar Tanker mit Öl und Erdölprodukten nach Kuba zu schicken?" Putin könne ja auch 50.000 nordkoreanische Soldaten, die in der Ukraine gekämpft hätten, zur "Erholung" nach Kuba schicken, höhnte Barantschik.

Publizist Oleg Sarow schrieb mit Bitternis [externer Link]: "Die kubanische Revolution, die mit Castro und Che Guevara begann, könnte mit dem New Yorker Milliardär Trump enden, der alles verkörpert, wogegen die Revolutionäre einst kämpften." Irgendwelche Handlungsmöglichkeiten Moskaus sieht Sarow offenbar nicht: "Es ist sehr schade für die Kubaner. Sie sind ein freundliches Volk. Sie lieben Russen. Es ist wirklich schade."

"Russische Touristen an vieles gewöhnt"

Der Kolumnist des Wirtschaftsblatts "Kommersant", Dmitri Drise, erinnerte an die Kuba-Krise von 1962 [externer Link], in der die Welt am Rande einer nuklearen Auseinandersetzung zwischen der UdSSR und den USA stand: "Angesichts dieser Risiken ist es unwahrscheinlich, dass Russland jetzt nennenswerte Hilfe leisten kann, genauso wenig wie China." Zwar sei "revolutionäre Romantik" nach wie vor in Mode, könne jedoch für Russland kein Vorbild mehr sein. Immerhin könnten russische Touristen auch künftig in Kuba urlauben: "Sie sind nicht vom Reichtum verhätschelt und an vieles gewöhnt. Sie können es im Namen sozialistischer Werte aushalten."

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