Die zweite Staffel von "Fallout" ist fast noch gesellschaftskritischer als die erste. Dabei war das schwer zu toppen, zeigte Staffel eins doch, wie ein Konzern, der sich auf Atomschutzbunker spezialisiert hatte, einen Atomkrieg provozierte, um die Rendite zu steigern. Aber von vorne.
Darum geht es im Amazon-Erfolg "Fallout"
"Fallout" ist die erfolgreichste Amazon-Serie der letzten Jahre. Die Adaption der gleichnamigen Videospielreihe von Bethesda spielt in einem postapokalyptischen Ödland, 200 Jahre nach einem Atomkrieg, der einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hat. Mord und Totschlag sind hier an der Tagesordnung. Die Serie erzählt dabei die Geschichte der optimistischen Lucy McClane, gespielt von Ella Purnell.
Lucy ist in einem Atomschutzbunker des Konzerns "Vault-Tec" aufgewachsen und glaubt an das Gute im Menschen. Ihr Gegenpart ist der Ghoul, gespielt vom genialen und lange unterschätzten Walton Goggins. Ein Untoter, der vor der Apokalypse ein Filmstar war, nun aber von radioaktiver Strahlung verseucht als zynisch-unsterblicher Revolverheld durch das Ödland wandert.
Maximus und die stählerne Bruderschaft
Ebenfalls wieder dabei: Maximus, ein Rekrut der stählernen Bruderschaft auf Mannwerdungsphase. Die Bruderschaft zelebriert eine hyper-maskuline, tief-religiöse Lebensweise. Junge Männer sollen Enthaltsamkeit üben und den Körper festigen, um dann in gewaltigen Eisenrüstungen Terminator-like durchs Ödland ziehen und dort für Recht und Ordnung sorgen zu können.
Lucy und der Ghoul unterwegs nach New Vegas
Das Kernstück der zweiten Staffel bildet aber der Roadtrip von Lucy und dem Ghoul, die auf der Suche nach Lucys Vater Hank sind. Am Ende von Staffel eins – Vorsicht Spoiler – mussten sie nämlich erfahren, dass ausgerechnet Hank und sein Konzern "Vault-Tec" die nukleare Katastrophe losgetreten haben. Atomschutzbunker lassen sich schließlich am besten verkaufen, wenn die Welt wirklich untergeht. Also ließen die Konzernbosse die Raketen fliegen und sich dann einfrieren. Der Plan: 200 Jahre nach der Apokalypse mit einer Gruppe von Auserwählten, die dafür viel Geld bezahlten, in den Bunkern neu anfangen.
Der Konzern RobCo und sein CEO Robert House
Lucys Vater Hank hat sich nun nach New Vegas aufgemacht, die Ödland-Version von Las Vegas, die Fallout-Fans aus den Videospielen kennen und lieben. "Fallout: New Vegas" gilt bei den Fans als bestes der Videospielreihe. In Vegas jedenfalls befindet sich das Vermächtnis von Robert House. Ein Milliardär, der vor der Apokalypse mit seiner Firma "RobCo Industries" an hilfreichen technischen Gadgets für die Zeit nach dem Weltuntergang gearbeitet hatte.
Das Fallout-Erfolgsrezept
"Fallout" bleibt seinem Erfolgsrezept auch in Staffel zwei treu. Derbe Sprüche, moralische Grauzonen, schwarzer Humor und viel Gewalt, die hier jedoch nicht sinnlos eingesetzt wird, sondern die Gesellschaftskritik der Serie illustriert. Die Großkonzerne, so die Botschaft, sind Kannibalen. Die sich wie die mythologische Schlange Uroboros in ihrer Gier nach Profit in den eigenen Schwanz beißen und Profit auf Kosten ihrer eigenen Lebensgrundlage machen.
Großkonzerne als Kannibalen
Die amerikanische Philosophin Nancy Fraser nannte den Kapitalismus in ihrem gleichnamigen Buch 2023 den "Allesfresser". Weil die Ausbeutung von Arbeitskraft allein nicht mehr genug Profit bringe, wirtschafte der "Kannibalismus-Kapitalismus" laut Fraser als Erstes auf Kosten der Umwelt und als Zweites auf Kosten von Demokratie und Freiheit. "Fallout" überspitzt diese Kritik. Wer wissen will, was die kannibalischen Konzerne "Vault-Tec" und "RobCo" dieses Mal planen, muss die zweite Staffel, die gerade im Wochentakt bei Amazon erscheint, anschauen. Nur so viel: Nachdem sie in Staffel eins den Planeten zerstört haben, um Atomschutzbunker zu verkaufen, haben sie es dieses Mal auf die Freiheit abgesehen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!
