Gerade noch Drachenkönigin, jetzt schon Poni: Schauspielerin Emilia Clarke, Star aus der Streaming-Serie "Game of Thrones", spielt in einer neuen Serie auf Sky eine Poni. In der Geheimdienst-Sprache steht Poni für eine gewöhnliche Person, die niemanden interessiert. Das Gegenteil eines Spions, einer Person von Interesse. Der Idealfall ist es freilich, wenn ein Spion Poni ist, denn dann fällt er niemandem auf. Emilia Clarke ist in der Serie genau das: eine US-amerikanische Spionin, die im Russland der 70er-Jahre für die USA auf Mission ist und dem KGB nicht weiter auffallen soll.
Das ändert sich mit der Zeit, Clarke und ihre Kollegin, die zweite Poni, wecken mehr und mehr Aufsehen. Zwischen Verfolgungsjagden und Bar-Bränden zeigt die Serie auf rasante und unterhaltsame Weise, wie sich die beiden Frauen in einer Männerwelt behaupten und ihre Ermittlungen vorantreiben. Retro-70er-Charme und die Kulisse des kommunistischen Moskaus tun ihr Übriges.
Sky ist abgerutscht
Die Serie ist durchaus sehenswert, aber lange nicht herausragend. Eine von vielen soliden Serien im unendlichen Meer der Neuerscheinungen. Weil sie bei Sky läuft, wird sich das Publikumsinteresse so oder so in Grenzen halten. Denn Sky hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Poni der Streaming-Industrie entwickelt. Der Anbieter hat bei den exklusiven Serien- und Film-Inhalten stark eingebüßt und mit dem Start von HBO Max in Deutschland seine besten Inhalte, wie das "Game of Thrones"-Universum mit Drachenkönigin Emilia Clarke verloren. Dass Clarke nun in einer anderen Rolle bei Sky zu sehen ist, grenzt an Ironie. Denn außer exklusiven Sportrechten, wie für die Fußball-Bundesliga, hat Sky nicht mehr viel zu bieten.
Auf dem Streaming-Markt tut sich einiges, die nächste große Änderung steht schon bevor. Sky Deutschland wird bald Teil der RTL Group, die mit ihrem Streaming-Angebot RTL+ große Pläne hat und als größter deutscher Streaming-Dienst Netflix und Co. Konkurrenz machen will. Elf Millionen zahlende Kunden hat das zukünftige RTL/Sky-Konglomerat – und dürfte dann auch bei Serien- und Filmproduktionen wieder richtig Gas geben.
Konkurrenz durch RTL+
Was mit Sky passiert, spiegelt in gewisser Weise die Lage auf dem Streaming-Markt insgesamt. Nach den fetten Jahren, in denen mehr und mehr Anbieter ihre exklusiven Plattformen an den Start brachten, viel investierten und ein Überangebot entstand, sind wir aktuell in einer Phase der Konsolidierung. Die Plattformen fusionieren, bündeln ihre Angebote, erhöhen die Preise beziehungsweise integrieren auch wieder Werbung.
Der RTL-Sky- wie der Netflix-Warner-Deal zeigen genau das: "Get big or get out" – werde groß oder flieg raus. Auch für Sky soll es bald wieder mehr "Game of Thrones" und weniger "Poni" sein.
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