Ukrainische Langstrecken-Drohnen zerstörten auf der Halbinsel Krim ein wichtiges Symbol des russischen Nationalstolzes: ein 115 Meter langes Schlachtenpanorama, das die Verteidigung von Sewastopol während des Krimkriegs von 1853/56 zeigt. Das 1904 eingeweihte Monumental-Kunstwerk war im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, aber nach dem Krieg wieder aufgebaut worden.
Jetzt liegt es abermals in Trümmern, wenngleich Kremlsprecher Peskow versprach, das Panorama werde eines Tages "schöner als vorher" wiederaufgebaut [externer Link]. Russische Beobachter, die wegen ukrainischer Drohnenangriffe seit Wochen über die Versorgungssicherheit der Krim alarmiert sind, reagierten wütend. Es gibt Sprit- und Lebensmittelmangel, wichtige Straßenrouten zur Krim sind nicht mehr sicher befahrbar.
"Schläge natürlich schmerzhaft"
Der ultrapatriotische Drohnen-Entwickler und Polit-Blogger Alexej Tschadajew (90.000 Fans) versuchte, seine empörten Landsleute zu beruhigen [externer Link]. Wütende Wortmeldungen spielten nur Kiew in die Hände: "Die [ukrainischen] Angriffe auf Ölraffinerien und die Transportlogistik auf der Krim und im Süden zielen sicherlich nicht auf ein militärisches oder gar wirtschaftliches Ergebnis, sondern primär auf ein innenpolitisches. Der Feind will unserer Gesellschaft sagen: Eure Regierung ist unfähig, euch, euer tägliches Leben (Mobilität und die Urlaubssaison) oder eure nationalen Kulturwerte zu schützen: Deshalb verliert ihr den Krieg, kapituliert." Für den "Moment", seien die ukrainischen Schläge "natürlich schmerzhaft".
"Es gibt kein Entkommen"
Blogger Igor Dimitriew (128.000 Follower) zeigte sich [externer Link] hin- und hergerissen: "Ich denke, dass das Benzinproblem auf der Krim sich irgendwie lösen lassen wird. Und auch Hunger wird dort nicht herrschen. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass dies erst der Anfang ist."
Tourismusmanager Sergej Romaschkin beteuerte derweil [externer Link], "ein voller Tank und ein 20 Liter Reservekanister" reichten aus, um auf die Krim und wieder zurück zu kommen, die "Lage sei gar nicht so schlimm".
Dagegen meint einer der viel gelesenen anonymen russischen Militärblogger [externer Link]: "Die schleichende, systematische Zerstörung der Zugangs-Routen macht den Verbleib auf der Halbinsel sinnlos und gefährlich. Die Landverbindung erscheint nicht länger zuverlässig – sie fühlt sich an wie eine Falle. In dieser neuen Realität ist die Krim keine 'uneinnehmbare Festung' mehr, sondern wie ein Koffer ohne Griff, der mit jedem Tag schwerer zu tragen und beängstigender zurückzulassen ist. Es gibt kein Entkommen, das ist die einzig ehrliche Schlussfolgerung."
"Krise wird im Juli Höhepunkt erreichen"
Ähnlich pessimistisch äußerte sich der Soziologe Nikolai Mitrochkin [externer Link], der erfahren haben will, dass sich Putins Armee wegen Versorgungsschwierigkeiten bereits aus besonders exponierten Krim-Territorien wie der lang gezogenen Kinburn-Nehrung zurückzieht: "Die Lage im russischen Hinterland scheint sich bereits dramatisch zuzuspitzen, doch das ist eindeutig erst der Anfang; die eigentliche Krise wird im Juli ihren Höhepunkt erreichen."
Infotafel
Militärblogger Alexei Schiwow arbeitete sich an Putins Sprecher Dmitri Peskow ab [externer Link], der von "künstlicher Aufregung" um die Krim gesprochen hatte. Es sei "gut", dass die Bewohner der Halbinsel ohnehin keine Möglichkeit hätten, Telegram aufzurufen, so Schiwow: "Selbst wenn es schlechte Nachrichten von irgendwelchen alarmistischen Kriegsberichterstattern gäbe, würde man sie einfach nicht wahrnehmen. Die Öffentlichkeit ist zuverlässig vor Negativität geschützt. Es bleibt abzuwarten, ob all die Probleme von Kriegsberichterstattern verursacht wurden, und da sie jetzt niemand mehr lesen kann, wird es auch keine mehr geben."
"Wir haben Lügen satt"
Auf einem der mit 400.000 Fans größten russischen Telegram-Kanäle hieß es [externer Link] düster: "Die Gesellschaft auf der Krim ist gespalten. Einerseits rufen die Menschen zur Ruhe auf und verurteilen Panikmacher und Schwarzmaler. Andererseits verweisen viele auf objektive Schwierigkeiten: Die Logistik ist gestört, und Versorgungsengpässe sind Realität. Vor diesem Hintergrund wächst die Angst der Bevölkerung, und die Haltung gegenüber Touristen verändert sich – sie wird kälter und angespannter."
Fazit des auf der Krim lebenden russischen Schriftstellers Platon Besedin [externer Link]: "Wir sind natürlich alle Patrioten, wir sind alle gut, aber die Menschen haben die Lügen einfach satt. Das ist keine Fernsehserie – das ist echte Zerstörung und echtes Blutvergießen. Punkt."
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