Es sei schon eines der dickeren Bretter gewesen, die es in ihrer Amtszeit zu bohren gab, sagt Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), die bis vor kurzem noch Oberbürgermeisterin der Stadt Regensburg war. Als sie vor einigen Jahren auf die bayerische Staatsregierung zugegangen sei, mit dem Anliegen, Regensburg müsse Staatstheater werden, sei die Reaktion ernüchternd gewesen. "Denkt nicht mal dran", habe man ihr entgegnet.
Titel "Staatstheater" bringt finanziellen Aufschwung
Jetzt, einige Jahre später, ist der Traum Wirklichkeit geworden. Zum Start der Regensburger Theatertage erhielt das Haus nun offiziell den prestigeträchtigen Namen "Staatstheater", als erstes in Ostbayern. Das klingt nicht nur gut, sondern spült auch eine Menge finanzieller Mittel in die von Haus aus klamme Theaterkasse. Stadt und Freistaat wollen das Mehrspartenhaus nun gleichermaßen fördern. Die Rede ist von jeweils rund 15 Millionen Euro im Jahr.
Das eröffne dem Theater neue Möglichkeiten, darin sind sich Ex-OB Maltz-Schwarzfischer und Intendant Sebastian Ritschel einig. Das Geld soll unter anderem eingesetzt werden, um neues Personal einzustellen sowie das bestehende angemessen bezahlen zu können. Außerdem soll die Qualität der Produktionen auch in Hinblick auf Ausstattung, Werkstatt und Schneiderei noch einmal gesteigert werden.
Zudem können die Verantwortlichen, was Künstlerinnen und Künstler angeht, nun im "oberen Regal" einkaufen, um mit deren Performance das eigene Programm noch einmal auf ein höheres Niveau zu heben. Dazu kommt die Strahlkraft eines Staatstheaters, das auch junge Talente anlocken soll. Auf der Nachwuchsarbeit soll weiterhin besonders Augenmerk liegen, so Ritschel.
Theater überzeugte mit "Zahlen und Qualität"
Zudem bedeute das Renommee eines Staatstheaters eine noch einmal größere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, sagt Gertrud Maltz-Schwarzfischer, auch über Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Die Verantwortlichen erhoffen sich, ein noch breiteres Publikum zu erreichen, wovon auch die Stadt wiederum profitieren würde, so die frühere Oberbürgermeisterin. "Die Theaterbesucher bringen eine Menge Geld in die Stadt."
Doch wie konnten die Regensburger den Freistaat, der sich am Anfang noch sträubte, letzten Endes doch überzeugen, den Titel "Staatstheater" herauszurücken? Die ehemalige OB sagt: "Mit Zahlen und mit Qualität." Zum einen habe das Theater in den vergangenen Jahren die Besucherzahlen immer weiter steigern können, zum anderen sei auch die Qualität der Aufführungen ein starkes Argument gewesen. Zuletzt wurde das Theater als "Bestes Opernhaus" bei den internationalen "Oper! Awards 2026" ausgezeichnet.
Zum Anhören: So waren die "Oper! Awards" in Regensburg
(Archivbild) Das Theater Regensburg wurde als "Bestes Opernhaus" ausgezeichnet
15 Millionen Euro vom Freistaat
Kunstminister Markus Blume (CSU) sagt auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks in einem Statement: "Regensburg schreibt Theatergeschichte – und das aus eigener Kraft. Als Bürgerschaftstheater mit einer über 200-jährigen Geschichte hat sich dieses Haus mit künstlerischer Qualität, Mut und Leidenschaft in die höchste Liga der bayerischen Theaterlandschaft vorgearbeitet. (…) Umso schöner ist es, dass dieses außergewöhnliche Haus nun offiziell Staatstheater ist – ein verdienter Schritt, der diese Erfolgsgeschichte konsequent fortschreibt", so Blume.
Aktuell fördere der Freistaat das Theater Regensburg bereits mit zwölf Millionen Euro pro Jahr. Das entspreche rund 42 Prozent. "In den letzten fünf Jahren hat der Freistaat seine Zuschusssumme somit mehr als verdoppelt. Unser Ziel ist, dass wir möglichst bald die Parität erreichen, also Stadt und Freistaat sich mit jeweils 50 Prozent beteiligen", so Blume weiter.
Er selbst enthüllte zusammen mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und dem neuen Regensburger Oberbürgermeister Thomas Burger (SPD) das neue Logo an der Theaterfassade.
Der neue Schriftzug am Theatereingang
"Absolut gerechtfertigt" – Ex-Oberbürgermeisterin begeistert
Der Freistaat gibt aber nicht nur Geld, sondern wird nun auch in Entscheidungen mit eingebunden, macht Gertrud Maltz-Schwarzfischer klar. So sei die Staatsregierung unter anderem beteiligt an der Erstellung der Wirtschaftspläne des Theaters sowie an der Besetzung des Vorstands.
Derzeit arbeiten im Regensburger Theater mit seinen fünf Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Junges Theater und Konzerte mehr als 400 Angestellte aus 31 Nationen. In der vergangenen Spielzeit 2024/25 lag die Publikumsauslastung mit knapp 185.000 Zuschauern bei mehr als 90 Prozent. Argumente, die laut Gertrud Maltz-Schwarzfischer dafür sprechen, dass der Titel "Staatstheater" für Regensburg "absolut gerechtfertigt" ist. "Ich freue mich riesig, dass wir das geschafft haben."
Die "Staatstheater"-Urkunde wird präsentiert
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