Gut drei Jahre hat der Song schon auf dem Buckel, der nun Taylor Swifts "The Fate of Ophelia" vom Spotify-Thron geschubst hat. Denn "End of Beginning" stammt vom vorletzten Album von Djo aus dem Jahr 2022. Hinter Djo, gesprochen wie "Joe", verbirgt sich der US-Schauspieler Joe Keery, der in "Stranger Things" die Rolle von Steve Harrington spielt – und ist ein absoluter Liebling von Fans der Serie. Denn dieser Steve Harrington macht eine richtige Entwicklung durch in den insgesamt fünf Staffeln, vom Schul-Bully zu einer Art fürsorglichem älteren Bruder der jüngeren Kinder in der Serie.
Kasse machen mit Musik?
Nutzt da jemand seine Popularität als Serien-Star, um auch noch mit Musik Geld zu machen? Der Verdacht liegt nahe, lässt sich im Fall von Joe Keery aber schnell entkräften. Denn erstens macht Keery schon sehr lange Musik: Schon vor der ersten Staffel von "Stranger Things" hat er in der Rockband Post Animal gespielt. Und auch als Djo ist er schon seit mehr als sechs Jahren unterwegs, hat bereits drei Alben veröffentlicht.
Zweitens ist er als Djo sehr lange mit Perücke und Sonnenbrille aufgetreten – eben, um seine Identität zu verbergen. "Es ging eigentlich nur darum," erzählte er im Interview mit dem Podcaster Tom Power, "Leute davon abzuhalten, bei einem Konzert 'Hey Steve!' zu rufen. Ich wollte eine Art Trennung zwischen beidem schaffen, damit auch Leute, die keine Fans von mir als Schauspieler waren, die Musik entdecken konnten."
Das hat natürlich nicht sehr lange geklappt. Aber immerhin so gut, dass es bis zuletzt noch viele Djo-Fans gab, die Keery nicht aus "Stranger Things" kannten.
Er hat's versucht: Joe Keery alias Djo mit Perücke und Sonnenbrille beim Lollapalooza Festival am 31. Juli 2022 in Chicago, Illinois
Das zweite Mal auf der Eins
Und doch hat es mit "Stranger Things" zu tun, dass der Song nun, drei Jahre nach der Veröffentlichung derart durch die Decke geht. Tatsächlich war er schon einmal Nummer eins auf Spotify, im Frühjahr 2024. Das lag damals vor allem an TikTok, wo Leute den Song als Soundtrack für Reise-Videos hergenommen haben. Denn in "End of Beginning" geht es auch um Abschied und Neuaufbruch.
Die Popularität des Songs jetzt hat aber noch einmal eine andere Dimension: Knapp zwei Milliarden Spotify-Streams hat der Song bereits eingesammelt – das ist mehr als zum Beispiel der beliebteste Beatles-Song "Here Comes the Sun". Und auch Taylor Swift kann nur drei Songs vorweisen, die diese Marke geknackt haben.
Abschiedssong zum Serien-Finale
Die erneute Popularität kann man nur mit "Stranger Things" erklären: Über Weihnachten und Neujahr liefen die letzten Folgen der fünften Staffel. Damit ist auch das Ende der Serie insgesamt erreicht. Da passt ein Song mit dem Titel "End of Beginning", in dem es ums Abschiednehmen geht, natürlich sehr gut.
In der Serie selbst kommt der Song allerdings nicht vor – und er würde auch nicht wirklich passen. Denn da spielt eher Musik aus den 80ern eine Rolle, Kate Bush zum Beispiel. "End of Beginning" klingt aber eher nach Dreampop und Psychedelic Rock aus den 2000er und 2010er Jahren. Durchaus moderne Musik also, auch wenn sie einen gewissen Nostalgie-Faktor hat.
Band-Sound statt Bombastpop
Interessanterweise ist der Sound von Djo auch ein Band-Sound: Schlagzeug, Gitarre, Bass, ein Synthie und der Gesang von Joe Keery – mehr ist da nicht, und das ist auch alles klar herauszuhören. Damit ist ein Song auf zum weltweit meistgestreamten Song auf Spotify geworden, der so ziemlich die Antithese zum durchproduzierten Bombastpop ist, der sonst die Charts und Streaming-Hitlisten dominiert.
Der Song gefällt übrigens nicht nur vielen Fans von "Stranger Things", auch Taylor Swift mag ihn, glaubt man Joe Keery. Ihm zufolge waren beide schon einmal zufällig im selben Tonstudio und dort hat Swift "End of Beginning" gehört, noch bevor er veröffentlicht war, und Keery gesteckt, dass sie den Song sehr mag. Wahrscheinlich hat sie nicht geahnt, dass sie selbst einmal von genau diesem Song von der Eins auf Spotify verdrängt wird.
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