Wenn der Ingenieur Parth Bhimani aus München heute auf Social Media durch die Fotos aus seiner indischen Heimat scrollt, werden Kindheitserinnerungen wach. Auf den Bildern schweben Hunderte bunter Drachen an dünnen Schnüren am Himmel.
In diesem Jahr kommen aus seinem westindischen Heimat-Bundesstaat Gujarat auch eher ungewohnte Bilder: Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ließt zusammen mit dem indischen Premierminister Narendra Modi medienwirksam einen Drachen in die Lüfte.
Darum ließ Friedrich März einen Drachen steigen
Anlass für das Drachenfest, wie auch viele andere Festivitäten in Indien diese Woche, ist Makar Sankranti, der Übergang der Sonne in das Sternbild Steinbock. Das markiere den Beginn der nördlichen Sonnenbewegung und das Ende des Winters sowie den Beginn der Erntezeit, erklärt Parth Bhimani. Das Drachenfest wird in der Hauptstadt seines Heimatbundesstaates seit über 30 Jahren in großem Stil von der Tourismusbehörde organisiert. Gäste aus aller Welt nehmen daran teil.
In vielen Gestalten kreuzen dann Drachen am Himmel: Eisbären neben hinduistischen Göttern oder Drachen in der klassischen Rautenform. Und heuer eben auch der Drachen, den Modi und Merz steigen lassen. Der hat ein Portrait des indischen Regierungschefs darauf und kleine Indienflaggen an der Schnur. Der Bundeskanzler besuchte diese Woche das bevölkerungsreichste Land der Welt und wurde vom Regierungschef nicht in der Hauptstadt Neu Delhi, sondern im Bundesstaat Gujarat empfangen – wie Parth Bhimani stammt auch Narendra Modi von dort.
Drachen steigen lassen als Wettkampf
Parth Bimani hat das Fest als Kind in kleinem Rahmen gefeiert. Mit seinen Nachbarn, oder genauer: gegen sie. "Es ist wie eine freundliche Schlacht", sagt Bhimani. "Du gehst auf das Dach deines Hauses und lässt Deinen Drachen steigen. Dein Nachbar auf seinem Dach auch. Und dann versucht man gegenseitig, den Drachen des anderen niederzukämpfen."
Manche Leute bekleben ihre Drachenschnüre deshalb mit Glassplittern. "Wenn Du Deinen Drachen verlierst, musst Du gleich den nächsten bei der Hand haben. Ich hatte an so einem Tag immer 60 bis 70 Drachen parat", sagt Bhimani.
Keine Drachen am grauen Winterhimmel in München
Im Süden des Subkontinents wird das Fest rund um den Makar-Sankranti-Tag "Pongal" genannt und damit begangen, dass Reis in Milch gekocht wird – und wenn der Brei im Topf wallend überkocht, jubeln alle, blasen in Muschelhörner und gedenken der Energie der Sonne. In Bayern lädt heute zum Beispiel der Hindu-Tempel von Fürstenfeldbruck zu dieser Zeremonie ein.
Parth Bhimani hat sich in München mit anderen aus seinem indischen Bundesstaat zu einem Verein zusammengeschlossen. Gemeinsam feiern sie Feste von dort. Das Drachenfest begeht der Verein hier aber nicht. Der Grund: Das Januarwetter mit Schnee und Regen – aber ohne Wind zum Drachensteigenlassen. Parth Bhimani feiert immerhin mit selbstgemachten typischen Süßigkeiten aus Datteln, Palmzucker und Sesam.
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