Deutschland und Indien planen, stärker zusammenzuarbeiten: Bei seinem Besuch haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Indiens Premierminister Narendra Modi eine Vertiefung der wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit zwischen Berlin und Neu-Delhi angekündigt. Besonders im Fokus steht dabei die Rüstungskooperation. Bisher ist Indien stark von russischen Rüstungslieferungen abhängig.
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Indien sei für Deutschland ein "Wunschpartner", sagte Merz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Ahmedabad – dem Heimatbundesstaat von Premierminister Modi. In einer "zunehmend" von Großmachtpolitik geprägten und sich neu ordnenden Welt müssten die beiden Länder sich gemeinsam wappnen. Derzeit erlebe man, dass Großmächte Rohstoffe zunehmend als Machtinstrument nutzen. Dem stelle man sich gemeinsam entgegen. Merz verwies darauf, dass Deutschland und Indien grundlegende Werte verbinden würden.
Indien: Gute Kontakte zum Westen und zu Russland
Indien pflegte zuletzt enge Beziehungen sowohl zu westlichen Partnern als auch zu Russland. Erst im Dezember war der russische Präsident Wladimir Putin in Neu-Delhi und wurde dort von Modi am Flughafen mit einer innigen Umarmung begrüßt. Das Land bezieht einen Großteil seines Öls aus Russland, das wiederum die Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt. Die russische Invasion hat Indien anders als die meisten anderen Länder in der UN-Vollversammlung nicht verurteilt.
Die Kooperation Deutschlands und Indiens im Verteidigungsbereich soll unter anderem durch gemeinsame Übungen von Luftwaffe und Marine im Indopazifik sowie durch eine vertiefte Zusammenarbeit der Rüstungsindustrie ausgebaut werden. Hierzu seien Absichtserklärungen unterzeichnet worden. "Das trägt auch dazu bei, dass Indien weniger angewiesen ist etwa auf Russland", sagte Merz mit Blick auf die weiterhin engen Beziehungen zwischen beiden Ländern auch im Rüstungsbereich.
Indien will U-Boote von Thyssenkrupp bauen lassen
Verträge über konkrete Projekte wurden zunächst nicht abgeschlossen. Indien will aber in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in Mumbai sechs U-Boote im Wert von acht Milliarden Euro bauen. Die Unterzeichnung einer Vereinbarung darüber wird in Kürze erwartet und könnte ein Türöffner für weitere Kooperationen sein.
Fortschritte gibt es offenbar auch beim geplanten Freihandelsabkommen zwischen dem südasiatischen Land und der EU: Merz sprach sich zudem für einen raschen Abschluss aus. Ende des Monats werden die EU-Spitzen zu einem Besuch in Indien erwartet, bei dem das Abkommen unterzeichnet werden könnte.
Engere Kooperation auch bei Rohstoffen und Fachkräften
Künftig soll auch in den Bereichen Rohstoffe und Fachkräfte enger kooperiert werden. Mit Blick auf die wirtschaftliche Kooperation verwies Merz darauf, dass Inderinnen und Inder bereits heute zu den "erfolgreichsten Zuwanderern" in Deutschland gehörten. 60.000 Menschen aus Indien würden mittlerweile in Deutschland studieren und damit die "größte Gruppe ausländischer Studenten in Deutschland" ausmachen. Deutschland bahne die Wege für "legale und geordnete Migration" aus Indien.
Das bilaterale Handelsvolumen habe mit fast 50 Milliarden Dollar ein Rekordniveau erreicht, fügte Merz an. Deutschland wolle gemeinsam mit Indien einseitige Abhängigkeiten in Lieferketten verringern und die Kooperation in Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz, Wasserstoff, Batteriespeicherung und kritischen Rohstoffen ausbauen.
Wirtschaftsentourage begleitet Merz auf Indien-Reise
Der Besuch von Kanzler Merz habe den Beziehungen beider Länder neuen Auftrieb verliehen und Vertrauen gebracht, betonte Modi. Die erste Reise des Kanzlers nach Asien sei ein "starker Beweis dafür, welche Bedeutung er den Beziehungen mit Indien beimisst". Merz wird bei seiner zweitägigen Reise von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet. Am morgigen Dienstag will der Kanzler die Industrie- und Forschungsmetropole Bangalore und ein dortiges Werk von Bosch besuchen.
Mit Informationen von AFP und dpa
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