Im Moment gibt es bei Chat-Bots eine Art Dreiklassengesellschaft. Die meisten KI-Unternehmen bieten eine kostenlose Version an, mit abgespeckten Möglichkeiten. Dann gibt es ein vergleichsweise günstiges Abo-Modell, das meist um die 20 Euro kostet und sehr viel mehr möglich macht. Und Profi-User können sich für rund 200 Euro im Monat Zugang zu KI-Superpower buchen. Brauchen können das zum Beispiel User, die Software programmieren oder wissenschaftliche Analysen durchführen wollen. Diese Preis-Kategorie ist als letztes entstanden und wird derzeit ausgebaut.
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Komplexe Anfragen brauchen viel Rechenkapazität
Die Einheit dafür, wieviel Rechenpower durch eine Anfrage belegt wird, nennt sich in der KI-Welt Token. Das kann im Prinzip ein kurzes Wort sein, oder eine Silbe. Als Faustregel gilt: 100 Token sind ungefähr 75 Wörter. Eine kurze Frage – etwa nach einer Übersetzung aus dem Englischen – und die darauffolgende Antwort brauchen also nur relativ wenige Token. Soll die KI dagegen lernen bestimmte Aufgaben zu erledigen, werden es schnell ein paar zehn- oder hunderttausend.
Und diese komplizierten Anfragen nehmen gerade sprunghaft zu. Zu spüren bekam das in letzter Zeit insbesondere das gehypte KI-Unternehmen Anthropic mit seinem Bot Claude. Wegen des Ansturms gab es dort im März bereits Systemausfälle (externer Link). Worüber nun vermehrt nachgedacht wird: pay what you use, also sich im Prinzip nach Token abzurechnen.
Der Podcast-Podcast Plusminus setzt sich mit KI-Agenten auseinander. OpenClaw & Co. im Check: KI Agenten dienen als persönliche Assistenten und bedrohen so ganze Branchen. Wie revolutionär sind sie wirklich? Hier geht´s zur Folge.
KI-Firmen müssen Geld einspielen
Die KI-Konzerne investieren seit geraumer Zeit immense Summen in Rechenpower. So hatte etwa Meta 2025 angekündigt, ein Rechenzentrum in der Größe von Manhattan bauen zu wollen. Die Ausgaben der KI-Riesen für solche Projekte betragen mehrere hundert Milliarden Dollar. Dieses Geld muss irgendwann wieder eingespielt werden.
Die Firmen können also ihre Modelle nicht auf Dauer umsonst anbieten. Sie versuchen die Kundschaft in Richtung Abo-Modelle zu bugsieren. Dabei hilft, dass gerade immer mehr Unternehmen auf KI setzen, damit steigt die Nachfrage nach den Top-Modellen bei künstlicher Intelligenz.
Werden die Gratis-KIs abgeschaltet?
Nicht nur OpenAI bietet bei ChatGPT umsonst eine Einsteigervariante an, sondern etwa auch Google bei Gemini, Anthropic bei Claude, Copilot von Microsoft, oder Le Chat von Mistral. Diese Varianten reichen zum Ausprobieren und für einfache Anfragen völlig aus.
Wer jedoch tiefer einsteigen will, stößt schnell an Grenzen. So kann man etwa bei ChatGPT auf das leistungsfähigste KI-Modell GPT-5.5 nur zugreifen, wenn man ein Abo anschließt. Experten beschreiben die Strategie, die die KI-Konzerne derzeit betreiben, als Anfüttern.
User in Abomodelle bugsieren
Die Abo-KIs leisten deutlich mehr. OpenAI hat zum Beispiel hier seinen "Advanced Voice Mode" eingeführt. Die KI versteht dabei gesprochene Kommandos mit Unterbrechungen, Atmen oder Verhaspeln. Wer etwa eine Fremdsprache lernt, wird die gut 20 Euro schon deshalb gerne zahlen.
In den Gratis-Modellen ist das Erlebnis zudem sehr schwankend. So berichten Experten, dass in Spitzenzeiten jene Kundschaft regelmäßig auf KI-Modelle umgeleitet wird, die weniger Power haben. Das KI-Erlebnis wird also etwas unkalkulierbar, was gerade User die beruflich damit arbeiten in die Abo-Modelle treiben dürfte.
Kampfansagen aus Frankreich und China
Sprunghafte Preisanstiege bei den Abos sind im Moment nicht unbedingt zu erwarten. Das liegt schon daran, dass die KI-Unternehmen immense Rechenkapazitäten aufbauen und die Angst vor einer KI-Blase groß ist. Man wird also versuchen die Rechner auszulasten und so gut es eben geht Geld zu verdienen.
Zudem gibt es Konkurrenz auf dem Markt, die sich mit niedrigen Preisen ins Spiel bringen will. So bietet Mistral bei Le Chat ein Abo-Modell für nur 15 Euro an. Die Franzosen punkten zudem beim Datenschutz (externer Link). Daneben gibt es Deepseek aus China, das mit seinem effizienten und zudem kostenlosen Modell bereits die gesamte KI-Branche erschüttert hat.
Der Wettbewerb in der KI-Branche scheint auf der einen Seite derzeit intakt. Das hilft die Preise zu stabilisieren. Auf der anderen Seite sorgen die riesigen Investitionen für Kostendruck. Und deshalb neigen sich die Zeiten, in denen man berauschende KI-Erlebnisse immer umsonst bekommt, wohl dem Ende entgegen.
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