Spätestens seit Australien Ende 2025 ernst gemacht hat, sind Social-Media-Verbote für Jugendliche in aller Munde – und ganz offenbar auch nicht herauszubekommen. Erst kürzlich zog Frankreich nach. In Tschechien wird derzeit über ein Verbot an Schulen nachgedacht.
Zugleich gibt es Berichte, laut denen das australische Vorgehen wenig Wirkung zeigt. Laut einer ersten Auswertung der australischen eSafety-Behörde nutzten drei Monate nach dem Verbot 81 Prozent der Unter-16-Jährigen mindestens einen der altersbeschränkten Dienste, vor dem Verbot waren es 86 Prozent gewesen.
Eltern-Unterstützung statt Verbot
In Hinblick auf viele der Gefahren, die gerade jungen Menschen in sozialen Medien begegnen können, scheint hier bisher wenig gewonnen. Genau dort will dagegen das Münchner Start-up "Helmit" ansetzen. Gegründet haben es die beiden Ex-TU-München-Studenten Leonardo Benini und Alexander Wolters.
Ein pauschales Verbot von Social Media ist in ihren Augen nicht zielführend, wie sie gegenüber der Website "Munich Startup" angeben (externer Link). "Deshalb wollten wir einen anderen Ansatz schaffen: Eltern selbst das nötige Werkzeug in die Hand geben, mit dem sie ihre Kinder einfach digital schützen können", so die Gründer.
KI liest mit
Die Idee in aller Kürze: Eine KI scannt die Chats der Kinder in Programmen wie WhatsApp, Instagram, Gmail, Youtube oder Signal und informiert die Eltern, sobald dort etwas Verdächtiges aufkommt – ohne dass sie die gesamten Chats mitlesen.
Eine Nachricht geht beispielsweise an das Eltern-Handy, wenn ein Unbekannter dem Kind Komplimente macht, also Cyber-Grooming droht, oder wenn Mobbing, Porno-Inhalte oder Selbstverletzung Thema werden. Der Clou laut den Machern: Anders als bei anderen Chat-Analyse-Services, werden die Daten bzw. Chats nicht in eine Cloud geladen, sondern lokal auf den Elterngeräten verarbeitet.
Daneben soll man über "Helmit" auch Social-Media-Dienste auf den Geräten der Kinder blockieren, Bildschirmzeiten verwalten und Aufenthaltsorte der Kinder bestimmen können. Knapp 10 Euro pro Monat kostet die Nutzung der App. Rund 5.000 Eltern nutzen die App laut dem Portal "Starting-Up.de" (externer Link) bis Anfang August 2026.
Elternblog hat getestet
Im Netz findet sich etwa ein Erfahrungsbericht des Elternblogs "Medienzeit" (externer Link). Die App wird als durchaus wertvoll wahrgenommen, da die Tester tatsächlich mehrfach auf Inhalte hingewiesen wurden, die ihre Kinder von anderen Kindern ohne böse Absicht geschickt bekamen, die aber zumindest potenziell durchaus Gefahren bergen. Von Memes, Kettenbriefen und grenzwertigen oder unangenehmen Inhalten ist da die Rede. "Selbst für uns als Eltern ist es überraschend, wie häufig solche Dinge im Umlauf sind", schreiben die Eltern.
Dennoch sieht man bei "Medienzeit" auch Anlass zur Kritik der App und deren Grenzen. So sei etwa die Einbindung von Youtube und seinen Chats zumindest im Testzeitraum technisch nicht möglich gewesen. Auch Fehlalarme habe es gegeben. Allgemein muss man sich beim Einsatz einer Kinderschutz-App auf eine Technologie verlassen, die man im Zweifel kaum kontrollieren kann und die Fehler macht.
Für die testenden Eltern von "Medienzeit" ist klar: "Es ersetzt keine Aufklärung. Und es ersetzt keine Gespräche." Kinder müssten lernen, Inhalte zu verstehen und einzuordnen. Dabei helfe "Helmit" jedoch durchaus, da es "konkrete Situationen" aufzeige, über die Eltern dann mit ihren Kindern sprechen könnten.
Hilfsmittel statt Heilmittel
Diese Gespräche können Kompetenzen schulen, die laut Forschern essenziell sind, um Kinder im Internet zu schützen. Dazu gehört neben dem Wissen über Schadsoftware, Phishing-Attacken und Datenschutz ganz zentral auch die Fähigkeit, kritisch zu denken, wie eine Forschergruppe der Universität Mannheim ermittelt hat.
Ergänzt werden sollten solche Eltern-Kind-Gespräche jedoch sicherlich durch ein Mehr an Medienbildung, etwa in Schulen, wie Experten es immer wieder fordern. Das könnte auch helfen, die problematischen Aspekte von sozialen Medien abzumildern, die Schutz-Apps wie "Helmit" nur am Rande oder gar nicht aufgreifen – und die weitere Argumente für Social-Media-Verbote sind: die Folgen, die Dauerscrollen und Co. für die mentale Gesundheit und geistige Entwicklung von Kindern haben können.
Auf BR24-Anfrage hat eine Sprecherin des bayerischen Kultusministeriums erklärt, welche Smartphone-Regeln in Bayern für das neue Schuljahr gelten.
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