Handy-User in Köln mit Dom im Hintergrund
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Handy sendet Standortdaten
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Handy sendet Standortdaten

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Standortdaten-Missbrauch – so stoppt man die Apps

Standortdaten-Missbrauch – so stoppt man die Apps

Smartphone-Apps wissen fast alles über unsere Bewegungen – und teilen die Daten dann mit kommerziellen Datenhändlern. Manche beliebte App trackt besonders präzise. Mit diesen Schritten schützen Sie Ihre Privatsphäre.

Über dieses Thema berichtet: report München am .

Standortdaten werden nicht nur verwendet, um Ihnen die nächste Pizza-Lieferung direkt an die Tür zu bringen. Viele Apps nutzen diese Informationen, um Dienste zu personalisieren, Verkehrsdaten zu aktualisieren oder für standortbezogene Werbung. Oft sind sich Nutzer nicht im Klaren darüber, wie viele Apps auf Ihrem Smartphone auf Standortdaten zugreifen – und mit hunderten Unternehmen teilen.

Arbeitsweg, Wohnort, Arztbesuch - alles sichtbar

Ein Rechercheteam des Bayerischen Rundfunk, netzpolitik.org und internationalen Partnermedien recherchiert seit längerem zum Handel mit Standortdaten. Das Team hat mehr als zehn Milliarden solcher Daten aus über 100 Ländern von Datenhändlern erhalten und ausgewertet. Die Daten stammen von Händlern, die sie auf einem Online-Marktplatz mit Sitz in Berlin zum Kauf anboten und als kostenloses Anschauungsmaterial für Monatsabos zeigten. Dabei sind exakte Bewegungsprofile sichtbar, wie etwa Arbeitswege, Wohnorte oder Arztbesuche.

Viele beliebte Apps greifen auf Standort zu

In einem der Datensätze, stehen die Namen von 40.000 Apps aus denen die Standortdaten stammen. Darunter Kleinanzeigen, Flightradar24 und Wetter Online, eine der populärsten Wetter Apps in Deutschland. Von ihr stammen besonders viele präzise Datenpunkte. Mittlerweile gibt Wetter Online an, keine Standortdaten zu Werbezwecken zu erheben. Den Abfluss habe man gestoppt. Ein Datenschutzverfahren läuft. Wetter Online teilte auf BR-Anfrage mit, sich erst nach Abschluss des Verfahrens äußern zu wollen. Kleinanzeigen und Flightradar24 ließen mehrere Anfragen unbeantwortet.

So schützen Sie Ihre Standortdaten

Am einfachsten verhindern Sie, dass Ihre Daten weiterverkauft werden, indem Sie gar nicht erst zulassen, dass Apps auf Ihrem Handy Ihre Daten sammeln. Viele dieser Apps brauchen unseren Standort gar nicht, um zu funktionieren. Sowohl auf Android-Geräten als auch auf iPhones können Sie mit wenigen Schritten festlegen, wann welche Apps auf Ihren Standort zugreifen dürfen.

Für Android-Nutzer:

  • Öffnen Sie die Einstellungen auf Ihrem Gerät.
  • Wählen Sie Standort aus der Liste.
  • Klicken Sie nun auf Welche Apps dürfen den Standort ermitteln, um zu sehen, welche Apps Zugriff auf Ihren Standort haben.
  • Deaktivieren Sie den Zugriff für Apps, bei denen Sie nicht möchten, dass sie Ihren Standort kennen.

Falls Sie besonders vorsichtig sein möchten, können Sie sogar den Standortzugriff für sämtliche Apps deaktivieren.

Für iPhone-Nutzer

  • Öffnen Sie die Einstellungen auf Ihrem Gerät.
  • Wählen Sie Datenschutz&Sicherheit und klicken Sie anschließend auf Ortungsdienste
  • Deaktivieren Sie den Zugriff für Apps, bei denen Sie nicht möchten, dass sie Ihren Standort kennen.

Die Funktionsweise Ihrer Apps oder Ihres Smartphones wird durch diese Änderungen nicht beeinträchtigt. Sollte eine App in Zukunft wieder Standortdaten für bestimmte Funktionen benötigen – etwa das Teilen Ihres Standorts mit Freunden über Whatsapp bei einer Verabredung – wird die App wieder anfragen, und Sie können sich neu entscheiden, ob Sie den Zugriff gewähren möchten.

Sowohl auf iPhone als auch auf Android-Geräten haben Sie außerdem die Möglichkeit, den Zugriff auf Standortdaten ausschließlich während der Benutzung einer App zu erlauben und nicht im Hintergrund, während Sie anderes tun.

Entfernen der persönlichen Werbe-ID

Besonders interessant werden Nutzerdaten aus verschiedenen Quellen, wenn sie miteinander kombiniert werden können, etwa um Werbung mit Informationen aus unterschiedlichen Apps zu personalisieren. Dies geschieht über eine sogenannte Werbe-ID – und diese können Sie entfernen.

Für Android-Nutzer

  • Um Ihre Werbe-ID (AAID) zu löschen, gehen Sie zuerst zu den Einstellungen.
  • Anschließend klicken Sie auf Datenschutz, und dann auf Werbung.
  • Hier können Sie Ihre Werbe-ID löschen.

Für iPhone-Nutzer

  • Um Ihre Werbe-ID (IDFA) zu löschen, gehen Sie zuerst zu den Einstellungen.
  • Anschließend wählen sie Datenschutz&Sicherheit aus, und dann Tracking.
  • Hier können Sie das Tracking durch Apps deaktivieren.

Die Schritt-Für-Schritt-Anleitung kann je nach Alter des Handys etwas anders funktionieren. Wichtig ist auch zu wissen: auch die beschriebenen Maßnahmen bieten keinen hundertprozentigen Schutz vor Tracking. Völlige Privatsphäre gibt es nur ohne Smartphone und Internet.

BR24 auf TikTok: Privates bei Datenhändlern?

Wenn im Krieg der Gegner den Standort von Soldaten kennt, ist das gefährlich. Auch vermeintlich harmlose Apps auf dem Handy liefern Standort-Daten. Die Daten werden verkauft. Der BR hat mit Partnern eine Recherche über das Milliardengeschäft gemacht.
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Vermeintlich harmlose Handy-Apps liefern Standort-Daten. Die werden verkauft. Der BR hat mit Partnern eine Recherche über das Geschäft gemacht.

Dieser Artikel ist erstmals am 16. Juli 2024 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.

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