Das Ende der Ära Gianni Infantino an der Spitze des Weltfußballverbands FIFA könnte schneller kommen als zunächst erwartet. Die gescheiterten Investoren-Pläne und Skandale rund um die WM 2026 bringen den umstrittenen FIFA-Chef zunehmend unter Druck. Entsprechend hat auch die Diskussion über seine mögliche Nachfolge an Fahrt aufgenommen.
Der FIFA-Experte Hans-Joachim Eckert, der von 2012 bis 2017 Vorsitzender der Ethikkommission des Weltfußballverbands war, bezeichnet die aktuelle Situation im Interview mit BR24Sport als "offen": "Ich glaube, dass die FIFA jetzt wirklich die Chance einer Erneuerung hat." Dies könnten mögliche Kandidaten sein:
Aleksander Ceferin
Für viele Insider gilt UEFA-Präsident Aleksander Ceferin als aussichtsreichster Kandidat für den Neuanfang. Auch Experte Eckert bezeichnet Ceferin als "interessante Option". Der Slowene wird als Gegenentwurf zu Infantino angesehen. Seine Arbeit an der Spitze der UEFA hat ihm großen Respekt eingebracht. Auch politisch hat sich Ceferin eine starke Position erarbeitet. Im Widerstand gegen Infantinos Investoren-Pläne gelang es ihm, alle 55 UEFA-Mitgliedsverbände hinter sich zu versammeln.
Ein weiterer Pluspunkt: Auf dem UEFA-Kongress wird Ceferin nicht erneut kandidieren. Damit wäre der Jurist für eine FIFA-Wahl verfügbar. Ob er überhaupt Interesse daran hat, ist allerdings unklar.
Vittorio Montagliani
Auch CONCACAF-Präsident Vittorio Montagliani wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Der Kanadier genießt für seine Arbeit an der Spitze des nord-, zentralamerikanischen und karibischen Fußballverbands hohes Ansehen.
Lange deutete vieles darauf hin, dass der 60-Jährige erneut für das CONCACAF-Präsidentenamt kandidieren würde. Die Aussicht, künftig der mächtigste Mann im Weltfußball zu sein, könnte seine Pläne jedoch verändern.
Mattias Grafström
Der FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström gilt als enger Vertrauter des umstrittenen Präsidenten. Eckert bezeichnet ihn als die "rechte Hand von Infantino". Allerdings hat sich Grafström inzwischen in einem internen Schreiben vom Präsidenten distanziert.
Auch wenn Grafström offenbar nicht in die Investoren-Pläne eingeweiht war und sich inzwischen davon distanziert hat, bezweifeln viele, dass er für den erhofften Neuanfang stehen würde. Grafström sei zu eng mit Infantino verbunden, sagt auch Eckert: "Dann macht Grafström das, was Infantino schon immer machen wollte."
Sheikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa
Auch AFC-Präsident Sheikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa zählt zum Kreis möglicher Nachfolger. Während seiner Amtszeit hat sich der asiatische Fußball wirtschaftlich und sportlich weiterentwickelt.
Al Khalifa gehörte zuletzt zu den schärfsten Kritikern von Infantinos Investoren-Plänen und trug maßgeblich dazu bei, dass sich die 46 Mitgliedsverbände der AFC geschlossen dagegen stellten. Dabei wären die von Infantino in Aussicht gestellten Summen für viele asiatische Verbände finanziell äußerst attraktiv gewesen.
Nasser Al-Khelaifi
In die Liste möglicher Infantino-Nachfolger reiht sich Nasser Al-Khelaifi ein. Der Präsident von Paris Saint-Germain übernahm den Vorsitz des European Football Clubs, nachdem die gescheiterte Gründung der europäischen Super League den internationalen Fußball im Jahr 2021 erschüttert hatte. Grundsätzlich hätte der Katarer das Gewicht, um Infantino herauszufordern. Allerdings betonen Personen aus seinem Umfeld, dass Al-Khelaifi kein Interesse am höchsten Amt im Weltfußball habe.
Lise Klaveness
Auch Sepp Blatter mischte sich zuletzt in die Diskussion ein: Der frühere FIFA-Präsident brachte die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness ins Spiel. Klaveness hatte sich mehrfach kritisch zur FIFA geäußert und unter anderem im Fall Folarin Balogun deutliche Worte gefunden.
Blatter lobte ihren Kurs: "Lise Klaveness verdient größten Respekt. Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und bei der FIFA ist die Zeit reif dafür, dass eine Frau die Führung übernimmt", schrieb Blatter bei X.
Wird es doch ein Unbekannter?
Doch der FIFA-Experte Eckert betont: "Es kommt natürlich auch jemand in Betracht, der überhaupt noch nicht auf der Agenda steht, der aber völlig unbeleckt ist." Einen konkreten Namen habe er aber nicht parat.
Noch sind die Tage von Infantino als FIFA-Boss nicht gezählt. Der Schweizer stemmt sich weiter gegen seine Widersacher und wirbt für seine Pläne. Die Stimmen der Kritiker werden indessen jedoch lauter.
Tabellenführung und Abstiegskampf, aktuelle Spielpaarungen, Ergebnisse und Liveticker, Torjägerlisten, Laufleistung- sowie Zweikampfstatistiken und noch viel mehr: Fußball im Ergebniscenter von BR24Sport.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
