(Archivbild): UEFA-Chef Aleksander Ceferin entzieht FIFA-Boss Gianni Infantino das Vertrauen.
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Erklärung: UEFA entzieht FIFA-Chef Infantino ihr "Vertrauen"

Erklärung: UEFA entzieht FIFA-Chef Infantino ihr "Vertrauen"

Der Streit um die gescheiterten Investoren-Pläne der FIFA eskaliert: Nach dem Aus für den Teilverkauf der WM entzieht die UEFA Präsident Gianni Infantino offiziell das Vertrauen. Sie sieht ihn auch international zunehmend isoliert.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Trotz des Verzichts auf die Pläne für den Verkauf von Anteilen an der Fußball-WM an private Investoren hat die UEFA offiziell FIFA-Chef Gianni Infantino ihr "Vertrauen" entzogen. "Die derzeitige Führung der Fifa hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch von vielen anderen Mitgliedern der Fußball-Familie", hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung des europäischen Fußballverbands. Kurz zuvor hatte der Weltfußballverband FIFA das Ende der von Infantino vorangetriebenen Investoren-Pläne bekanntgegeben. Unter anderem der FC Bayern hatte das Vorhaben kritisiert.

Das sagt FIFA-Chef Infantino

Die Erklärung, die Infantino tief in der europäischen Nacht versenden ließ, stoppte aber nur kurz die Eskalation: Die UEFA reagierte mit einem Schreiben, das einer Kriegserklärung gleichkam. 

"Unser Ziel war und ist es stets, zu vereinen und Verbesserungen zu bewirken", versicherte Infantino treuherzig: "Nach sorgfältiger Abwägung aller Standpunkte ist deutlich geworden, dass das Projekt zu einer Spaltung geführt hat, die – ungeachtet des Ausmaßes der Unterstützung – nicht mehr im Sinne des ursprünglich verfolgten Ziels ist."

Zum Wohle des Fußballs habe der 56-jährige Schweizer die Weltmeisterschaften zumindest teilweise für Milliardensummen an private Finanzmächte verkaufen wollen. Und zum Wohle des Fußballs sehe er nun davon ab. Zumindest vorerst. So stellte es Infantino dar, gegen den sich in den rund 100 Stunden zuvor zuvorderst eine Front der Empörten formiert hatte.

In den kommenden Tagen wolle Infantino "alle interessierten Parteien wieder zusammenbringen", schrieb er, "geleitet von unserem gemeinsamen Interesse am Fußball und mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am meisten benötigen."

Investorenpläne: So reagiert die UEFA

Für Europas Kontinentalverband klang dies wie Hohn. In einer mit Bedacht formulierten Mitteilung griffen die UEFA und ihr Chef Aleksander Ceferin den zurückrudernden Infantino frontal an. Er haben "einen schäbigen und undurchsichtigen Deal" eingefädelt, hieß es. Dass dieser gescheitert sei, sei zwar "ein Sieg für den gesamtem Fußball. Aber das darf nicht das Ende sein." 

Infantino habe seine Wahlversprechen von 2015 gebrochen, als er Transparenz angekündigt habe und die Verwendung der FIFA-Gelder zum Wohle des Fußballs: "Die aktuelle FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren. Wir können nicht länger so weitermachen." Deshalb werde die UEFA "unverzüglich" mit weltweiten Partnern einen "neuen Weg" erarbeiten.

Das Ausmaß der Rebellion vornehmlich in Europa und Asien, die zunächst auch die Androhung eines Boykotts von Weltmeisterschaften beinhaltete, zeigt eindrücklich, dass Infantino mit seinem klandestinen und ichbezogenen Handeln eine Rote Linie überschritten hatte.

CONCACAF fordert "Aufarbeitung" von Infantinos Führung

Der Verband CONCACAF, die nord-, zentralamerikanische und karibische Fußball-Konföderation, erhöhte den Druck auf Infantino weiter. Die Idee eines Verkaufs von WM-Anteilen sei "das Symptom einer Führung, für die der Fußball nicht mehr an erster Stelle steht", teilte der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik am Samstag mit. Eine "umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft" sei zwingend erforderlich, hieß es weiter.

Warum Verbände rebellierten

Der Weltverband hatte am Dienstag mitgeteilt, dass dieser die Gründung der FIFA Forward Enterprise (FFE), einer Tochtergesellschaft, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln sollte, plane. Private Investoren hätten über diesen Weg Anteile an FIFA-Events erwerben können. 

Im Klartext: Die Männer-WM, Filetstück der Fußballvermarktung und sportliches Weltkulturerbe, stand zum Verkauf. Das sollte einerseits auch kleinen Landesverbänden viele Millionen an Zusatzeinnahmen bringen. Andererseits hätte dies Infantino geholfen, seine Macht zu sichern. Durch den größeren Rückhalt der versorgten Verbände. Und womöglich durch den leitenden Posten in der FFE. 

Die möglichen Folgen der Kriegserklärung

Infantino will sich im kommenden Jahr in Marokko, wo er während der Eskalationstage auf "Staatsbesuch" weilte, im Amt bestätigen lassen. Nach derzeitigem Reglement zum letzten Mal - 2031 wäre dann für ihn Schluss. Die Leitung der FFE wäre somit für Infantino eine Möglichkeit, als eine Art Schattenpräsident weiter an der Macht zu bleiben

Doch von einer Wiederwahl, so zeigt es die Kriegserklärung der UEFA, ist Infantino nun womöglich weiter entfernt, als er es sich je hat vorstellen können. Seine Gegner, ja: Feinde, sind mächtig. Vor allem die UEFA und Ceferin demonstrieren erneut sehr entschiedene Handlungsbereitschaft - wie 2021 bei der "Niederschlagung" der Super-League-Rebellen. 

Mit Informationen von AFP und sid

Im Video: UEFA kritisiert FIFA-Präsident Infantino

UEFA kritisiert FIFA-Präsident Infantino
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UEFA kritisiert FIFA-Präsident Infantino

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