2009 debütierte Dorothea Wierer im Biathlon-Weltcup. Bei ihrem ersten Rennen in Oberhof landete sie auf Rang 69. Es war der Start ihrer langen Karriere, der sie 17 Jahre über die Weltcup-Loipen führen und ihr vier Weltmeister-Titel, eine silberne, drei bronzene Olympiamedaillen und zwei Gesamtweltcup-Siege einbringen würde. Im Februar trat sie von ihrer aktiven Karriere zurück.
"Mir fehlt's überhaupt nicht" - Wierer tauscht Gewehr mit ARD-Mikrofon
Vermisst sie es, im Weltcup-Zirkus anzutreten, wird sie im exklusiven Blickpunkt-Sport-Interview am Rande des Sommer-Biathlon-Events im Münchner Olympiapark gefragt: "Ich muss ganz, ganz, ganz ehrlich sein: Mir fehlt's überhaupt nicht", sagt Wierer lachend. Das liegt vielleicht auch daran, dass ihr neuer Job als ARD-Expertin und Nachfolgerin von Erik Lesser sie noch immer ganz viel an ihrer Leidenschaft teilhaben lässt.
Blickpunkt Sport heute, ab 21.45 Uhr live im BR Fernsehen und in der ARD Mediathek. Zu Gast Gernot Mang, Präsident des TSV 1860 München
Klartext im TV: So versteht Wierer ihre neue Rolle
"Es ist nicht leicht, in Eriks Fußstapfen zu treten“, sagt Wierer, die sich schon genau vorgenommen hat, wie sie als Expertin auftreten möchte: "Ich versuche, fair zu bleiben. Ich weiß, was es heißt, Leistungssport auf höchstem Niveau zu betreiben. Aber wenn etwas nicht so läuft, dann sage ich es auch." Zudem möchte sie den großen Wissensfundus nutzen, den sie sich in den 17 Jahren im Leistungssport aufgebaut hat: "Es ist eine sehr komplexe Welt. Aber ich möchte nicht zu technisch und komplex werden."
Sie möchte die Biathlon-Fans auch am Seelenleben von Spitzenathletinnen und Athleten teilhaben lassen: "Ich möchte aber trotzdem erklären, wie es ist, Athlet zu sein. Wie man sich fühlt, wenn man Strafrunden schießt. Was man fühlt, wenn man gewinnt. Wie es ist, wenn man im Team super klarkommt", so Wierer.
Team, Streit, Familie: Was Wierer wirklich vermisst
Ganz spurlos geht der Abschied aus dem aktiven Leistungssport natürlich nicht an Wierer vorbei: "Aber natürlich fehlt mir das Team. Mit einer Mannschaft auf ein Ziel hinzutrainieren. Die gemeinsamen Essen. Dann streitet man. Das ist wie eine Familie. Es ist eine schöne Realität." Nun sei es aber Zeit für ein neues Gesicht, für neuen Schwung im Sport, sagt die 36-Jährige.
Mit besonderem Interesse wird sie in diesem Winter besonders zwei Athleten verfolgen. Zum einen Justus Strelow: "Er kann schnell schießen. Wenn er noch ein bisschen Schnelligkeit auf die Skier bekommt, kann er vorne mitlaufen", so Wierer.
Janina Hettich-Walz und Julia Tannheimer im Fokus
Bei den Frauen hat Janina Hettich-Walz einen hervorragenden Sommer. Drei Titel bei der deutschen Meisterschaft, dazu Platz vier beim Loop Festival in München. "Sie ist in einer Super-Form", sagt Wierer und hat aber dennoch eine andere Athletin im Fokus: "Von Julia Tannheimer erwarte ich mir einen Sprung nach vorne. Aber sie ist noch sehr jung." Die erfahrene Athletin hat auch noch ein paar Tipps für die 21-jährige Tannheimer parat: "Man muss Geduld haben. Wenn du in der Vorbereitung Vollgas gibst, heißt das nicht, dass du sofort gewinnst. Es kann Wochen oder Monate dauern, bis der Körper das alles verarbeitet hat."
Zwei Top-Ten-Platzierungen konnte Tannheimer beim Weltcup im vergangenen Jahr in Einzelwettbewerben holen. Ob die DSV-Athletin tatsächlich bereit für den nächsten Sprung ist und es vielleicht sogar auf das Podest schafft, das kann Wierer als ARD-Expertin aus nächster Nähe verfolgen.
Im Video: ARD-Biathlon-Expertin Dorothea Wierer im Portrait
Dorothea Wierer
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