Der europäische Fußball macht Ernst und hat eine ultimative Drohung an die FIFA und Präsident Gianni Infantino ausgesprochen. Sie lautet: Wenn ihr den Plan mit dem Investoren-Milliardendeal in die Tat umsetzt, werden wir die nächste WM und alle weiteren Wettbewerbe des Weltverbands zusammen boykottieren. Die Drohung gelte so lange, wie die FIFA ihre Pläne für den Verkauf kommerzieller Rechte nicht vollständig verwerfe.
Das gemeinsame Schreiben der europäischen Verbände unter Führung der UEFA und Präsident Aleksander Ceferin wurde von allen 55 Mitgliedern unterzeichnet. Europas Dachverband stellt klar: Selbst wenn unter den 211 Mitgliedsstaaten eine Mehrheit für den Investorendeal votieren sollte, werde man diesen Beschluss nicht mittragen.
"Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet" Zitat aus dem UEFA-Schreiben an Infantino
Infantino unter Druck wie nie
FIFA-Boss Infantino gerät nicht einmal zwei Wochen nach Ende der XXL-WM in Amerika so stark unter Druck wie noch nie in seinen mehr als zehn Jahren Amtszeit: Eine Weltmeisterschaft ohne Titelträger Spanien und die weiteren Fußball-Großnationen würde den sportlichen Reiz verlieren.
Doch die UEFA baut die Drohkulisse nicht erst für die Endrunde 2030, die zu Teilen sogar in Spanien und Portugal ausgetragen werden soll, auf. Sondern für alle FIFA-Wettbewerbe - zum Beispiel auch die WM der Frauen im nächsten Sommer (24. Juni bis 25. Juli) in Brasilien. Und die Playoffs, die bereits in diesem Herbst steigen.
FIFA-Frist für 19. September angekündigt
Die FIFA hatte mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte, etwa an der Weltmeisterschaft, eine Milliardensumme einspielen zu wollen. Laut übereinstimmenden Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung für die "Ja-Sager". Der Stichtag für die Zustimmung soll demnach der 19. September sein.
UEFA setzt eine Gegenfrist
Doch die UEFA lässt sich nicht auf den von Infantino initiierten Zeitdruck ein, sondern erwidert mit gleicher Münze. "Als Folge der heutigen Diskussion werden keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleiben ()", schrieb der europäische Dachverband zum offenen Bruch mit dem Weltverband.
Infantinos Ausverkauf
Fifa-Boss Gianni Infantino hatte den geplanten Einstieg externer Geldgeber zuvor verteidigt. Die Pläne sahen vor, ein neues Unternehmen zu gründen, das künftig die Rechte an der Austragung von Turnieren halten sollte. Investoren hätten Minderheitenrechte an dem Konzern erwerben können – für Infantino eine "einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen".
Neuendorf: "Nicht zustimmungsfähig"
Zumindest in Europa sehen das fast alle anders. "Das Ende der Welt", schrieb die englische Sun umgehend in einer apokalyptischen Schlagzeile, die italienische Gazetta dello Sport titelte: "Die UEFA führt einen totalen Krieg gegen Infantino". FC Bayerns Sportvorstand Max Eberl hatte sich im BR schon gestern klar gegen die Investoren-Pläne gestellt, die er als "beschämend" bezeichnete. Sein Credo: "Der Fußball gehört uns nicht".
Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke positionierten sich eindeutig gegen den Plan. Der Fußball lebe von der Akzeptanz der Gesellschaft, sagte Neuendorf dem ZDF. "Wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen."
Auch Tschechien unterzeichnet Brief
Die Nationalverbände waren am Dienstag von dem "im Geheimen" - so die UEFA - ausgearbeiteten Plan komplett überrascht worden. Dass die 55 europäischen Mitgliedsstaaten den Brief geschlossen unterzeichneten, ist bemerkenswert, weil sich der tschechische Verband am Vortag noch offen für den FIFA-Plan gezeigt hatte. "Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, wozu sie keine Kompromisse eingehen. Dies ist ein solcher Moment", so die UEFA.
Was machen die anderen?
Kurz nach der UEFA lehnte auch die CONCACAF die Pläne Infantinos ab. Das teilte der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik nach einer Sitzung am Donnerstag mit, der unter anderem die Präsidenten der 41 Mitgliedsverbände sowie CONCACAF-Präsident Victor Montagliani beiwohnten. AFC (Ozeanien) und Südamerika halten sich bedeckt, Afrikas Fußballverband (CAF) signalisierte Zustimmung.
Eine Weltmeisterschaft ohne die Teams aus Europa ist indes schwer vorstellbar: in Amerika stellte der alte Kontinent sechs der acht WM-Viertelfinalisten.
Mit Informationen von AFP, dpa und SID
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