Wenn Josia Topf auf die vergangenen zwei Jahre seit den Paralympischen Spielen in Paris zurückblickt, fällt ein Satz besonders auf: "Ich habe das unterschätzt." Der Para-Schwimmer, der in Paris im Wasser begeisterte, drei Medaillen in allen Farben gewann und auch am Mikrofon mit Eloquenz und klugen Worten überzeugte, ist längst über die Para-Schwimm-Szene hinaus bekannt.
Bekanntheit gibt Topf Plattform, die er nutzen möchte
Seit Paris war Topf in zahlreichen Sportstudios zu Gast, saß in Politik-Formaten, erhielt Preise und Auszeichnungen. Medientermine und Interviews gehören inzwischen zu seinem Alltag.
"Mein Motto nach Paris war, dass ich derselbe bleibe. Ich glaub, das hab ich trotz der ganzen Aufmerksamkeit auch geschafft", sagte Topf im exklusiven Interview mit BR24Sport. Und trotzdem hat sich vieles verändert. Seine sportlichen Erfolge und die damit gewachsene Bekanntheit geben Topf heute eine größere öffentliche Plattform. Eine Plattform, die er nutzen möchte, um etwas zu bewegen.
Vom Jura-Studium und Profi-Sport in die Politik
"Man kann mit medialer Aufmerksamkeit sehr, sehr viel voranbringen", sagt Topf. "Aber die Dinge, die ich gerne nachhaltig verändern würde, da braucht man mehr als nur vorübergehende Aufmerksamkeit."
Vom Wasser aus lässt sich die Welt eben nur bedingt verändern. Topf will deshalb selbst gestalten – und hat dafür einen neuen Weg eingeschlagen. "Und deshalb bin ich in die Politik gegangen. Ich möchte Dinge voranbringen, ich möchte Dinge verändern, erstmal in der Stadt, irgendwann mal aber vielleicht auch bayernweit", erklärt er.
Die Ambitionen des 23-Jährigen liegen längst nicht mehr nur im Schwimmbecken. Seit Mai 2026 ist Topf Mitglied des Erlanger Stadtrats und vertritt dort die CSU. Neben seiner Karriere als Profisportler und seinem Jura-Studium engagiert er sich für seine Herzensthemen: Inklusion und Ehrenamt.
Topf übers Schwimmen: "Liebe es immer noch wie am ersten Tag"
Trotz der neuen Aufgaben bleibt das Schwimmen jedoch sein Lebensmittelpunkt. Für Topf, der mit einer Dysmelie sowie dem TAR-Syndrom und einer Aplasie beider Kniegelenke geboren wurde, bedeutete die Bewegung im Wasser von Beginn an Freiheit. Er entwickelte einen eigenen Schwimmstil, der es ihm ermöglicht, sich schnell und effizient durch das Becken zu bewegen. Aus dem Schwimmen wurde eine Leidenschaft, die auch nach zahlreichen Erfolgen nicht nachgelassen hat.
"Ich liebe es immer noch wie am ersten Tag", betont er. "Es ist immer noch das gleiche Freiheitsgefühl wie am ersten Tag. Deshalb ist es für mich eher eine Belohnung oder immer eine echte Freude, trainieren zu dürfen."
Fokus liegt auf Olympia 2028
Zehn EM- und WM-Medaillen hat Topf bereits gewonnen, dazu kommen drei Paralympics-Medaillen. Sein Trophäenschrank könnte bei der Para-Schwimm-EM weiter wachsen. Topf zählt zu den Favoriten – doch Medaillen stehen für ihn nicht an erster Stelle. "Ich möchte am Tag X mein Bestes geben und ich möchte meine Zeiten erreichen, die ich mit meinen Trainern besprochen habe, das ist mein Hauptziel. Alles andere kann ich wenig beeinflussen."
Der Blick geht ohnehin längst über die Europameisterschaften hinaus. Langfristig stehen die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles im Fokus. Und daneben eine zweite Karriere, die gerade erst begonnen hat: Topfs Weg in die Politik. Vom Schwimmbecken ins Rathaus – und vielleicht irgendwann darüber hinaus.
Im Video: Josia Topf vor der Para-Schwimm-EM - "Man muss sich immer pushen"
Paralympics Paris 2024 - Schwimmen
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

