Anne Haug hat in ihrer Karriere als Triathletin das prestigeträchtigste Rennen gewonnen: den Ironman Hawaii. Über fast zwei Jahrzehnte hinweg zählte die gebürtige Bayreutherin zur Weltspitze im Triathlonsport. Zwischen 2021 und 2024 konnte sie die Challenge Roth drei Mal hintereinander für sich entscheiden, sie wurde Weltmeisterin, gewann die Ironman World Championships. Sie war eine Konstante in der Welt des Triathlons.
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Umso überraschender kam ihr Karriereende im Sommer 2025. Schon damals sprach die 43-Jährige offen darüber, dass mentale Belastungen bei ihrer Entscheidung eine zentrale Rolle spielten. "Letztes Jahr im Rennen wollte der Kopf einfach nicht mehr. Im Rennen hat der einfach gesagt: 'Heute? Ne, heute nicht mehr', erzählt Haug im BR24Sport-Podcast "Pizza & Pommes". "Das ist, wie, wenn eine Vase zerbricht. Das kann man nicht mehr gut machen", erklärte sie.
Karriereende nach gesundheitlichen Schwierigkeiten
Zu dem Zeitpunkt hatte Haug zwei schwere Jahre hinter sich, geprägt von gesundheitlichen Problemen. Nach einer Corona-Infektion hatte sie Diabetes entwickelt, sie erlitt eine Thrombose im Auge. Beim Ironman Vitoria-Gasteiz im Juli 2025 musste sie nach nicht einmal zehn Kilometern auf der Laufstrecke aufgeben.
Für Haug war zu dem Zeitpunkt klar, dass sie aufhören muss - "weil mein Kopf war immer das, was mich gut gemacht hat. Ich war nie vom körperlichen Talent so groß gesegnet, aber ich war immer ein harter Arbeiter und konnte mich immer wahnsinnig gut quälen." Haug war für ihre Laufqualitäten bekannt. Mit ihrer Körpergröße von 1,64 Metern und ihren 50 Kilogramm machte sie auf der Laufstrecke immer Zeit gut - sie lief bis Kopf und Körper nicht mehr wollten.
Traum von Olympiagold: "Bin gescheitert"
Einen Traum aber konnte sich die Bayreutherin trotz ihrer mentalen Stärke und ihrer Arbeitsmanier nie erfüllen: eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Bei den Spielen 2012 in London hatte sie den elften Rang belegt, nach der Enttäuschung bei Olympia 2016 in Rio mit Platz 36 entschied sie sich dazu, auf die längeren Distanzen zu wechseln.
Ein Schritt, der Haug nicht einfach fiel. Für Olympia habe sie ihr gesamtes Leben untergeordnet, erzählt Haug. "Ich habe es (Anm. d. Redaktion: den Olympiasieg) am Schluss nicht erreicht. Ich bin an dem Traum gescheitert", sagt sie in "Pizza & Pommes".
Anne Haug: "Der Weg dahin muss Sinn machen"
Dass der Ausnahmesportlerin Haug eine Goldmedaille verwehrt geblieben ist, versuche sie zu akzeptieren: "Was ich im Nachhinein sagen kann, ist, dass einem das Ziel wichtig sein muss und dass es dann egal sein muss, ob man am Schluss den ultimativen Traum erreicht oder nicht, sondern der Weg dahin muss Sinn machen. Du musst für dich die Entscheidung treffen, auch wenn es keine Garantie auf Erfolg gibt."
Wenn sie sich heute umdreht und auf ihren Karriereweg zurückblickt, dann sieht Haug nicht die verpasste Goldmedaille, sondern den Weltmeistertitel, die Zeit, in der sie die Nummer eins in der Weltrangliste war, und ihren größten Erfolg: den Sieg beim Ironman Hawaii. Bis heute ist sie die einzige deutsche Frau, der das gelungen ist. "Auch wenn ich das ultimative Ziel nicht erreicht habe, ist es so befriedigend, zu wissen, man hat sein Potenzial zu 150 Prozent ausgeschöpft."
