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Er blieb immer der "Toni": Tremmel sagt "Servus"

Er blieb immer der "Toni": Tremmel sagt "Servus"

Der Slalom-Spezialist Anton Tremmel beendet nach acht Jahren und 70 Weltcup-Rennen seine Karriere. Mit ihm geht eine Konstante im kleinen deutschen Slalomteam. Ein Skirennläufer, der die Entwicklung des Slalomsports hautnah miterlebt hat.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport im Radio am .

Über Jahre hinweg war Anton Tremmel eine Konstante im kleinen deutschen Slalomteam. Als der Technik-Spezialist vom SC Rottach-Egern im Jahr 2018 sein Weltcup-Debüt feierte, siegte Marcel Hirscher, im DSV-Aufgebot standen ganze sechs Athleten, selbst der heutige BR24Sport-Experte Felix Neureuther war noch aktiver Skirennfahrer. Tremmel sah Kollegen kommen und gehen: Einige seiner Weggefährten, etwa Julian Rauchfuss oder Dominik Stehle, sind schon vor einiger Zeit zurückgetreten. Doch nach rund acht Jahren im Skiweltcup und 70 Rennen in der höchsten Ski-Alpin-Liga ist nun auch für den Oberbayern Schluss.

Sechsmal fuhr Tremmel in die Top 20 eines Weltcuprennens, seine beste Platzierung feierte er 2023 mit einem 13. Platz in Adelboden. Die Zieleinfahrt vor dem Publikum im Schweizer Skiort nennt der 31-Jährige als Highlight seiner Karriere: Mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang hatte der Tegernseer sich von Platz 29 vorgearbeitet, ein grandioser zweiter Lauf auf einem echten Klassikerhang: "Das war ein spezielles Rennen für mich, auch weil ich so lange im Leader Chair gesessen bin in dem Zielstadion in Adelboden", denkt der frisch gebackene Ski-Rentner im exklusiven Interview mit BR24Sport zurück.

"Qualität im Slalom ist immer weiter nach oben gegangen"

Tremmel fuhr fast ein Jahrzehnt lang auf den bedeutendsten Slalomhängen der Welt, in Kitzbühel, Madonna di Campiglio und Wengen. Über die vergangenen Jahre hinweg habe er dabei auch miterlebt, wie sich der Slalomsport weiterentwickelt hat: "Ich hab gemerkt, wie die Dichte und Qualität nach oben gegangen sind, mittlerweile hat der Slalomsport ein extrem hohes Level", sagt Tremmel gegenüber BR24Sport.

Ein rasante Entwicklung, bei der es nicht immer einfach ist, mitzuhalten: "Ich hab schon das Gefühl gehabt, dass ich mich verbessere und mich weiterentwickelt habe im Training. Es war aber trotzdem nicht so, dass ich im nächsten Winter das Gefühl hatte, ich hab gegenüber den anderen einen riesigen Sprung gemacht." Von Jahr zu Jahr sei das Level nach oben gegangen, "das hat es auf jeden Fall nicht leichter gemacht", meint Tremmel. "Auch die Jungen, die da nachkommen, sind einfach auf einem extrem hohen Level."

Von Verletzungen großteils verschont

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat der intensive Slalomsport bei Tremmel kaum Spuren hinterlassen. Abgesehen von einer Knieverletzung, die ihm heute keine Probleme mehr bereitet, beendet der 31-Jährige seine Karriere gesund – schon das ist ein Erfolg. "Da kann ich glücklich sein, dass ich in dem körperlichen Zustand meine Karriere beenden kann, ich glaub da geht es anderen ganz anders."

Mit Tremmel geht einer, der im Team geschätzt wurde. "Ich bin immer gut ausgekommen mit meinen Kollegen und Trainern. Ich habe beim Skifahren immer Freude gehabt, habe versucht, eine gute Stimmung im Team zu haben." Tremmel war auf zahlreichen Trainingscamps mit Linus Straßer, trainierte mit Sebastian Holzmann, Fabian Himmelsbach, aber auch mit dem gleichaltrigen Riesenslalom-Spezialisten Alexander Schmid.

Verstellt hat er sich dabei nie, blieb immer der "Toni". "Ich war einfach so, wie ich bin", erklärt der Deutsche Slalom-Meister von 2021 gegenüber BR24Sport. Durch seinen Rückzug schrumpft das ohnehin kleine Slalom-Team weiter, mittlerweile hat selbst Großbritannien mehr Slalomfahrer im Weltcup als der Deutsche Skiverband.

"Habe die Entscheidung nicht von heute auf morgen getroffen"

Die Entscheidung über das Karriereende habe er "nicht von heute auf morgen getroffen", berichtet Tremmel: "Das hat sich schon über die Wochen davor abgezeichnet, da ist das Gefühl aufgekommen, der Gedanke."

Sein letztes Rennen bestritt der 31-Jährige im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in der Axamer Lizum im Slalom. Er wurde Achter. Dass es sein letzter Auftritt als aktiver Skirennfahrer sein würde, war ihm da nicht noch ganz klar, geahnt habe er es aber schon. "Ich wollte aber die Saison sauber zu Ende fahren."

Für Tremmel geht es erst mal in das norwegische Tromsö für einen Skitourentrip. Ein Hobby, für das er nun endlich mehr Zeit hat. "Meine Kollegen haben mich im Winter schon immer gefragt: 'Wie schaut's aus? Kommst du jetzt mit? Hast du schon gebucht?' In unserer Situation ist das nicht immer ganz einfach, weil wir ja auch im Frühjahr noch beim Training unterwegs sind."

Damit ist es nun vorbei. Als er endlich den Entschluss zum Rücktritt gefasst hatte, buchte er sofort seinen Flug nach Norwegen, in die Stadt nördlich des Polarkreises. Pläne für nach seiner Rückkehr aus dem hohen Norden hat er bereits. Eine Ausbildung im Elektro-Technik-Bereich soll es werden, um eventuell in den Betrieb des Vaters miteinzusteigen. Kein Zweifel, dass Tremmel auch hier der "Toni" bleibt.