Johan Eliasch (l.) und Urs Lehmann
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"Simple Mathematik": FIS will mehr Rennen, DSV skeptisch

"Simple Mathematik": FIS will mehr Rennen, DSV skeptisch

FIS-Geschäftsführer Urs Lehmann will den Ski-Weltcup größer, länger und internationaler gestalten. Der Plan: mehr Rennen - vielleicht auch in Südamerika oder in Asien. Der DSV hingegen fordert Qualität vor Quantität.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Der Kalender im Ski-Weltcup wird immer wieder zum Diskussionspunkt. Bei schweren Stürzen und schlimmen Verletzungen wird die Renndichte, die große Belastung, immer wieder als einer der Auslöser ausgemacht. Doch anstatt die Rennen zu reduzieren, für mehr Pausen zu sorgen, schlägt die FIS jetzt eine völlig andere Richtung ein. Geschäftsführer Urs Lehmann hatte zuletzt in Interviews schon angedeutet, der Weltskiverband überlege, mehr anstatt weniger Rennen einzuplanen.

Mit dem provisorischen Kalender für 2026/27 hat sich das Vorhaben nun konkretisiert: Denn in dem Plan sind mit 82 Rennen deutlich mehr Wettkämpfe vorgesehen als in der laufenden Olympia-Saison. Die Männer sollen demnach 43-mal um Weltcup-Punkte fahren, die Frauen 40-mal. Im Interview mit BR24Sport beim Nachtslalom in der Flachau erklärte Lehmann: "Der Schneesport ist einer der wenigen Sportarten, wo man acht Monate trainiert und nur vier Monate Zeit hat, sich zu präsentieren." Dabei müsse es das Bestreben sein, "mehr Visibilität", also mehr Sichtbarkeit über das ganze Jahr hinweg zu bekommen. Die Sponsoren würden "Geschichten über das ganze Jahr hinweg" verlangen, erklärte Lehmann.

FIS möchte sich am Tennis oder am Langlaufen orientieren

Und auch Athleten würden von der Änderung profitieren: "Es ist einfache Mathematik, ob ich 30 Mal Preisgeld á 150.000 Schweizer Franken oder 40 Mal bekomme - das ist ein Unterschied", rechnete Lehmann vor. Der frühere Skirennläufer, der nach seiner Karriere auch lange Chef des Schweizer Skiverbandes war und im Sommer zum FIS-Geschäftsführer berufen wurde, fordert ein Umdenken. Bisher sei im alpinen Skirennsport immer der Anspruch gewesen, dass Athleten auch jedes Rennen in ihren Disziplinen bestreiten.

"Davon werden wir uns in der Zukunft verabschieden müssen, wie das in anderen Sportarten wie im Tennis oder beim Langlaufen heute schon ist", so Lehmann. Faktoren wie die Planung und die Taktik würden so wichtiger werden, "und ich glaube, dass es dadurch nochmal spannender werden kann", prophezeit Lehmann.

Wolfgang Maier: "Glaube, das ist der falsche Weg"

ÖSV-Riesenslalom-Ass Julia Scheib findet die Idee nicht schlecht, wie sie im ORF sagte: "Wir trainieren so lange, und die Wintersaison ist verhältnismäßig sehr kurz. Er (Lehmann, Anm.) meinte ja, dass dann von einer Athletin nicht alles gefahren werden kann und man zurückstecken muss."

DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier hingegen sieht das anders: "Ich persönlich glaube, dass das der falsche Weg ist", sagte er im BR24Sport-Interview. "Ich würde lieber das Event besser machen". Dieser Auffassung ist auch Frauen-Cheftrainer Andreas Puelacher: "Ich würde eher in eine andere Richtung denken: Man sollte die Qualität der Rennen heben. Das sollten Events werden".

Rennkalender verdichten oder strecken?

Die Frage ist aber: Will die FIS den Kalender verdichten? Also in der gleichen Wettkampfzeit mehr Rennen einbauen? Oder will die FIS die Saison verlängern? Die Antwort lautet: wohl beides. "Das Ziel ist hinten raus eine Woche zu gewinnen", erklärte Lehmann. Gleichzeitig wolle man den Kalender aber "vorne raus", also in den ersten Monaten verdichten.

Doch die Quantität der Rennen ist nicht der einzige Ansatzpunkt des Skiweltverbands. Um den Kalender zu strecken und zu verdichten, sieht sich die FIS nämlich auch auf anderen Kontinenten um: Rennen in Südamerika und Asien stehen im Raum. Die Idee, nach Südamerika hin zu expandieren, weckt in DSV-Sportdirektor Maier nicht gerade Begeisterung: Es gebe dort keinen Markt für Skirennsport. Frauen-Cheftrainer Andreas Puelacher bezweifelt außerdem, dass sich Menschen in Europa im Sommer Skirennen anschauen. "Wen interessiert das?", fragte sich der Österreicher.

Im Audio: Wolfgang Maier reagiert auf die FIS-Pläne: "Lieber das Event besser machen"

DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier
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Nina Ortlieb: "Abfahrt in Chile absolut vorstellbar"

Der ein oder andere ÖSV-Athlet ist der Südamerika-Idee gegenüber schon positiver gestimmt: "Eine Abfahrt in Chile ist absolut vorstellbar. (...) Ich traue ihnen zu, dass sie das hinkriegen", sagte etwa Speed-Spezialistin Nina Ortlieb. Die FIS kann sich also vorstellen, internationaler zu werden, mehr Rennen in Deutschland - etwa zusätzliche Wettkämpfe im Rahmen des Weltcup-Stopps Garmisch-Partenkirchen sind im provisorischen Weltcup-Kalender hingegen nicht vorgesehen.

Für Lehmann jedenfalls steht fest: "Wenn wir wachsen wollen, müssen wir uns nach vorne entwickeln." Die Ideen seien da. "Vielleicht sind sie noch nicht zu 100 Prozent ausgereift", so Lehmann. Deshalb gelte in den nächsten Monaten, die Machbarkeit zu überprüfen, um "die 10.000 Puzzleteile zusammenzufügen."

Im Audio: DSV-Frauencheftrainer Puelacher: "Würde in andere Richtung denken"

DSV-Frauencheftrainer Andreas Puelacher
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