Markus Eisenbichler hat am letzten Weltcupwochenende des Winters einen tränenreichen Abschied von der großen Skisprungbühne gefeiert. Der sechsmalige Weltmeister hinterlässt eine große Lücke im DSV-Team, mit dem er viel erlebt hat.
Einige sagen sogar, der Siegsdorfer sei der Thomas Müller der Skispringer: "Das ehrt mich natürlich, weil der Thomas ein sehr erfolgreicher Fußballer ist." Und ein wahnsinnig witziger Typ, der "immer noch sauguad Fußball spielt. Hat das Auge für den Mitspieler, er steht immer richtig. Er ist ein kompletter Beißer und Kämpfer. Es ist natürlich schade, wenn er aufhört", so Eisenbichler im Exklusiv-Interview mit BR24Sport. Aber er vergleiche sich eigentlich nicht mit anderen Menschen, aber "wenn andere Leute das über mich sagen, dann ehrt es mich natürlich." Er spiele gerne Fußball und sei dabei "eher der Verteiler und der defensive Mann."
Der letzte Flug vor den Weggefährten
Auf der Schanze war Eisenbichler meistens ein Offensivmann, der den Wettkampf mit allen Facetten ausgelebt hat. "Ich bin eigentlich, so wie es gelaufen ist, mit Höhen und Tiefen, mit meiner Karriere sehr zufrieden." Er habe aber in diesem Jahr gemerkt, "ich habe zu viele Problemchen in meinem Körper. So möchte ich nicht weitermachen, weil dann der ganze Sport keinen Spaß mehr macht."
Zum Abschluss einer durchwachsenen Abschiedssaison konnte er noch einmal von der großen Skiflug-Schanze in Planica abheben und mit Platz zwei im Team-Wettbewerb feiern. Seinen letzten Flug erlebte er unter den Augen vieler Weggefährten. "Natürlich war es sehr emotional, weil mein Jugendtrainer, Freunde, Familie und Management da waren, die mich immer unterstützt haben", berichtet Eisenbichler im Exklusiv-Gespräch. "Da merkst du, du bist vielen Leuten sehr wichtig und du hast irgendwo eine gewisse Zeit Leute begeistern können." Er sei niemand, der gern im Rampenlicht stehe, so Eisenbichler weiter, "aber natürlich, das macht was mit dir".
Allerdings zollte er dem Fliegen zuletzt großen Respekt: "Wenn du älter wirst, machst du dir mehr Gedanken. Man ist nicht mehr so unbekümmert." Deshalb will er jetzt weniger risikoreiche Sportarten machen und Gleitschirmfliegen lernen. "Das könnte ich mir ganz gut vorstellen", schmunzelt der 34-Jährige.
Erst ein Problem vom Zukunfts-"Eisei"
"Die Skisprungspezln" werde er aber schon vermissen. Wie es ihm dann geht, wenn er im Winter auf der Couch sitzt, wenn die anderen springen, "das soll dann ein Problem vom Zukunfts-"Eisei" sein und nicht vom jetzigen "Eisei".
Auf jeden Fall müsse er keine Diskussionen mehr führen, wie sich eine Skitour auf sein Skisprung-Training auswirkt. "Ausdauer ist halt ein bisschen kontraproduktiv für einen Schnellkraftsportler", so Eisenbichler. Er habe die Trainer dabei verstanden und die dann teilweise auch ihn: "Wenn ich das mache, dann bin ich vom Kopf her frei und emotional in einem besseren Zustand."
Mit einigen Trainern gab es zeitweise auch Differenzen. "Ab und zu habe ich mich schon ein bisschen hintenangestellt gefühlt, aber das hat mich dann nochmal mehr gepusht", sagt Eisenbichler rückblickend. Der Umgang mit Kritik von Medien und Trainern ist für den 34-Jährigen eine Frage der Einstellung. "Ich mache den Sport ja wegen mir und nicht wegen der Trainer, der Medien oder der Zuschauer, sondern ich persönlich möchte das und kein anderer."
Für eine Trainerkarriere braucht "Eisei" noch Abstand
Möglich ist auch, dass Schanzenrentner Eisenbichler, der sein Herz gerne auf der Zunge trägt, weiter dem Skisprungsport erhalten bleibt. Mittlerweile sei er zumindest im privaten Leben etwas ruhiger geworden. Aber im Sport breche es halt immer noch durch. Deshalb kann er sich zwar eine Karriere als Trainer vorstellen, aber noch sei der Zeitpunkt dafür nicht gekommen. Dafür brauche es "einen gewissen und guten Abstand über ein, zwei Jahre", so Eisenbichler. "Ich möchte natürlich irgendwann mal Trainer werden, aber aktuell denke ich so, dass ich eher die jungen Athleten trainieren möchte, weil ich denen einfach vielleicht ein bisschen was mitgeben kann."
Eine Message hat Eisenbichler schon jetzt an junge Athleten, wie er einer einst war: "Öftermals auf die Trainer hören und nicht ein- oder zweimal gegen die Wand rennen und merken, das bringt nix." Rückblickend wirbt er für mehr Verständnis für die Trainer, das habe er auch oft nicht gehabt. Er wolle, "ein Verständnis geben, wenn mal ein schärferes Wort fällt als Trainer zum Athleten, dass er das nicht böse meint". Als Athlet müsste man "sein Ego zurückschrauben" und erkennen, "der Trainer ist nur da, weil der mich besser machen möchte, weil sein Herz dafür brennt, weil er zu 99 Prozent selbst vorher Sportler war. Der hüpft mit dir mit."
Im Video: Markus Eisenbichler beendet Karriere
Markus Eisenbichler
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